Scherbaums Börse

LVMH – Rendite mit den Schönen und Reichen

Von Christoph Scherbaum
06.05.2022
, 09:54
Zu LVMH gehört auch die Luxusgütermarke Louis Vuitton.
Luxusgüteraktien haben sich in den vergangenen Jahren als solide Investments erwiesen. Branchenprimus LVMH aus Frankreich macht diesem Ruf alle Ehre und bringt Luxus ins Depot.
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Der wachsende Wohlstand in den Schwellenländern hat Luxusgüterunternehmen in den vergangenen Jahren sehr gute Geschäfte beschert. Besonders lukrativ war dabei der chinesische Markt. Mit der Corona-Krise musste sich aber auf einmal die Branche mit Szenarien befassen, die sie bisher nicht kannte.

Ladenschließungen und Kontaktbeschränkungen drückten auf die Stimmung, der Tourismus blieb aus, auf den die Branche in besonderer Weise angewiesen ist. Denn Urlauber zeigen sich häufig besonders ausgabefreudig, wenn es um teure Mitbringsel für ihre Lieben zu Hause geht. Im Frühjahr 2022 scheint diese Sorge bei den Top-Unternehmen der Branche abgehakt zu sein. Unternehmen wie der französische LVMH-Konzern ließen die COVID-19-bedingte Delle augenscheinlich schneller hinter sich als andere.

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Branchenführer mit Markenvielfalt

Der Branchenführer, bekannt für die Mode- und Luxusgütermarken Louis Vuitton und Christian Dior, die Uhren von TAG Heuer und Hublot, die Juwelier-Kette Tiffany oder die Champagnermarken Moët & Chandon und Dom Pérignon sowie den Hennessy-Cognac, konnte bereits im vergangenen Jahr mit neuen Rekordwerten, unter anderem bei den Umsätzen, aufwarten.

Die Erlöse kletterten im Vorjahr um 44 Prozent auf 64,2 Milliarden Euro, während der Nettogewinn auf 17,2 Milliarden Euro mehr als verdoppelt wurde. Auch deshalb gönnten sich Anteilseigner auf der Hauptversammlung im vergangenen Monat für das Geschäftsjahr 2021 eine Dividende in Höhe von 10,00 Euro je Aktie – nach 6,00 Euro im Vorjahr. In diesem Jahr dürfte die Entwicklung bei den Ausschüttungen ebenfalls gut ausfallen.

Christoph Scherbaum
Christoph Scherbaum Bild: Christoph Scherbaum

Trotz des Krieges in der Ukraine und den sich daraus ergebenden negativen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft sowie neuer Corona-Lockdowns in China konnte LVMH einen starken Auftakt in das Jahr 2022 verbuchen. Im Vorjahresvergleich legten die konzernweiten Umsatzerlöse im ersten Quartal um 29 Prozent auf 18 Milliarden Euro zu. Organisch, also um Wechselkurseffekte sowie Übernahmen bereinigt, lag das Plus bei 23 Prozent.

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Sämtliche Sparten, bis auf Weine und Spirituosen, konnten mit zweistelligen Wachstumsraten aufwarten. Dort machten sich Lieferkettenprobleme bemerkbar. Die wichtigste Unternehmenssparte – Mode- und Lederwaren – zeigte sich derweil besonders wachstumsstark. Das Umsatzplus lag bei 35 Prozent (organisch: plus 30 Prozent) bei 9,1 Milliarden Euro.

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Digitalisierung verändert Luxusgüterindustrie

Bei LVMH muss man sich derzeit nicht nur in Bezug auf die Auswirkungen von COVID-19 und der Weltpolitik auf die Geschäfte Gedanken machen. Die Digitalisierung verändert auch in der Luxusgüterindustrie vieles. Viele Entwicklungen rund um den Bereich E-Commerce wurden in Zeiten der Corona-Pandemie zusätzlich angeschoben.

Entsprechend treibt auch LVMH die Digitalisierung bei seinen Marken voran. In dieses Bild passt die Kooperation mit der japanischen Softbank. Diese strategische Partnerschaft soll unter anderem dazu beitragen, das Kundenerlebnis durch den Einsatz von Technologie weiter zu verbessern. So können sich Kunden in Zukunft dank 5G und Virtual Reality in Echtzeit in virtuellen Geschäften bewegen. Selbst gegenüber dem Metaverse ist LVMH offen.

Vorstandschef und Mehrheitsaktionär Bernard Arnault sagte im Rahmen der Hauptversammlung, dass man eine Expansion in das digitale Metaverse anstrebe, allerdings auch weiterhin „echte Produkte“ verkaufen wolle. Dabei wird ihm die Aufgabe zufallen, diese Expansion weiterhin zu begleiten. Für den 73-jährigen sollte ursprünglich in zwei Jahren an der Konzernspitze Schluss sein.

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Jetzt haben die Anteilseigner die Altersgrenze für den Vorstandchef-Posten von 75 auf 80 Jahre angehoben. Kein Wunder, wenn man bedenkt, wie erfolgreich LVMH unter der Leitung des mit einem Vermögen laut „The Bloomberg Billionaires Index“ von zuletzt etwas mehr als 130 Milliarden Dollar reichsten Europäers war.

Gefühl von Luxus im Depot

Wer ein bisschen das berauschende Gefühl von Renditeerfolg im Depot haben möchte, kam in den vergangenen Jahren an der LVMH-Aktie nicht vorbei. Nachdem der Aktienkurs im Zuge des Corona-Börsen-Crashs im März 2020 auf rund 280 Euro zurückgeschlagen wurde, startete eine kräftige Aufhol-Rallye. In den folgenden knapp zwei Jahren verzweieinhalbfachte sich der Kurs und markierte im Januar dieses Jahres ein Rekordhoch bei 759 Euro. Nach einer Korrektur bis zum März auf 540 Euro konnte sich die Aktie inzwischen wieder in den Bereich der 600-Euro-Marke nach oben arbeiten. Die wieder etwas niedrigeren Kurse bei LVMH könnten eine günstige Einstiegsgelegenheit eröffnen, denn die langfristige Kursentwicklung der LVMH-Aktie fällt hervorragend aus.

Bereits seit Anfang 2009 notiert die Aktie in einer übergeordneten Aufwärtsbewegung. Seitdem legten die Notierungen im Schnitt um 22 Prozent pro Jahr zu. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum verzeichnete der französische Leitindex CAC 40, in dem LVMH gelistet ist, nur einen Kursgewinn von durchschnittlich 7 Prozent jährlich.

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Moderate Bewertung

Für die LVMH-Aktie spricht aktuell auch das moderate Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 30. Dieses liegt beispielsweise unter dem des Schweizer Luxusartikel-Konkurrenten Richemont (KGV: 37) und etwa in Höhe des Pariser Wettbewerbers Kering (KGV: 28). Wegen der marktbeherrschenden Stellung wäre bei der LVMH-Aktie durchaus auch ein kräftiger Bewertungsaufschlag gerechtfertigt.

Dass sich Luxusgüter über Jahrzehnte gut verkaufen, spiegelt sich auch bei der Dividende wider. LVMH ist ein sehr zuverlässiger Dividendenzahler. In 27 Jahren gab es hier keine Senkung der Ausschüttung, und seit zwölf Jahren wird die Dividende ohne Unterbrechung jährlich angehoben. Aktuell errechnet sich eine Dividendenrendite von 1,7 Prozent.

Egal wie man persönlich zu Luxusgütern steht – als langfristig orientierter Anleger mit solidem Renditeanspruch kommt man an LVMH nur schwer vorbei. Die jüngste Kursschwäche aufgrund der Unsicherheiten infolge des Ukraine-Kriegs lässt die Aktie als Schnäppchen erscheinen, was angesichts des globalen Luxusmarken-Portfolios nachvollziehbar ist.

Quelle: FAZ.NET
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