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Nachhaltiges Investieren

Zement ist ein größeres Ökoproblem als das Fliegen

Von Martin Hock
 - 16:32
Die Zementproduktion ist nicht eben klimaneutral.

Seit einiger Zeit dreht sich in der Vermögensverwaltungsbranche alles um das Thema nachhaltiges Wirtschaften, kurz ESG. Während einige Gesellschaften dies neu für sich entdeckt haben, ist es für andere schon lange Kernthema. So auch für DNB, Teil der norwegischen Norske Bank. Sie gehört zu den Gesellschaften, die für sich in Anspruch nehmen, keinen Unterschied mehr zwischen konventionellen und nachhaltigen Anlagen zu machen.

Schon Ende der Achtziger hatte DNB begonnen, seine Fonds unter diesen Kriterien neu auszurichten. Vor einigen Jahren sei man einen Schritt weitergegangen und engagiere sich aktiv, wobei das Thema Unternehmensführung derzeit im Vordergrund steht. „ESG-Gesichtspunkte sind Risikoparameter, die nicht mehr ausgeblendet werden können“, sagt Jon Sigurdsen, Leiter des Erneuerbare-Energien-Teams und Portfoliomanager des „Renewable Energy Fund“. Schon seit 2007 arbeitet der Norweger an gleicher Stelle, seit zehn Jahren mit einem Team in gleicher Besetzung.

Zu kurz gedacht

Die Themen im Umweltbereich wandeln sich beständig, sagt Sigurdsen. Aktuell seien Emissionen das große Sorgenkind. „Als Investor muss man allerdings einen längerfristigen Blick auf das Thema haben“, sagt Co-Portfoliomanager Christian Rom. „Man muss in die Unternehmen investieren, die Technologien oder Materialien entwickeln, die zur Reduzierung beitragen, auch wenn sie selbst womöglich Emissionen haben.“

Deswegen findet Sigurdsen auch in der europäischen Politik manches zu kurz gedacht. „Derzeit richten sich viele Blicke auf den Luftverkehr. Aber das ist nur ein Beispiel für die derzeitigen Probleme. Die Zementproduktion ist in dieser Hinsicht viel bedeutender, immerhin verursacht sie 6 Prozent aller Emissionen. Und während die Luftfahrtgesellschaften viel tun, ist die Zementbranche hier deutlich weniger weit.“

Rom hat dazu allerdings ein Gegenbeispiel parat. Die französische Hoffmann Green Cement stelle den Baustoff mit 80 Prozent geringeren Emissionen her. Angesichts der CO2-Debatte habe das Unternehmen einen klaren Wettbewerbsvorteil. Und mit der Zeit werde der Herstellungsprozess noch wirtschaftlicher werden.

Rohstoffherkunft bei E-Fahrzeugen ein Problem

Auch in puncto Diesel haben die Norweger eine ihrem Investmentstil entsprechend eher konträre Meinung. „Der Diesel ist verhältnismäßig gar nicht so umweltbelastend. Und mit weniger Dieselfahrzeugen ist der Fahrzeugmix nicht besser geworden“, sagt Rom. Der käme mit batterieelektrischen Fahrzeugen natürlich besser voran, vor allem je mehr Strom aus erneuerbaren Energien produziert werde. Das Segment Elektroautos werde enorm wachsen, das sei „irgendwie gegeben“, meint Sigurdsen – vor allem eben dort, wo mehr Strom aus erneuerbaren Quellen komme.

Die Fahrzeuge seien ein bedeutsamer Gewinn für die Umwelt. „Es ist allerdings richtig, dass die Rohstoffproduktion derzeit mitunter noch etwas fragwürdig ist. Hier müssen die Hersteller eine aktivere Rolle einnehmen und mehr darauf achten, aus welchen Quellen sie ihre Vorprodukte beziehen.“

Eine „grüne Blase“ wäre hilfreich

Sigurdsen und Rom setzen vor allem auf profitable Unternehmen mittlerer Größe. „Großunternehmen wie BASF investieren viel in umweltfreundlichere Technik. Doch auf die Gesamtgröße des Unternehmens bezogen, ist der Effekt nicht wirklich signifikant“, findet Rom. „Kleine Unternehmen wiederum leisten in der Regel keinen großen Beitrag zur Wertentwicklung des Fonds.“ Und die gilt es als Vermögensverwalter eben auch stets zu berücksichtigen.

Kernfeld der Investitionsstrategie bleiben aber die erneuerbaren Energien. Immerhin seien Energiekosten der wichtigste Teil der Produktionskosten. Hier setzen die Norweger vor allem auf Unternehmen, die zur Energieeinsparung und effizienteren Rohstoffwirtschaft beitragen. „Es gibt hier viel Gelegenheiten, etwa im internationalen Transportgeschäft. Im Rohstoffbereich sehen wir einige Gewinner der Zukunft. Hohe Markteintrittsbarrieren sichern zudem die Geschäftsmodelle ab“, sagt Sigurdsen. Dagegen sei in die Energiespeicherung zu viel Geld geflossen und diese daher überbewertet.

Sigurdsen und Rom sind überzeugt, dass das Thema Nachhaltigkeit nicht verschwinden wird. „Das ist keine grüne Blase“, sagt Rom. „Und wenn, dann wäre sie im Sinne der Umwelt sogar hilfreich.“ Zwar sei davon auszugehen, dass ein langsameres Wirtschaftswachstum das Tempo der Umgestaltung der Wirtschaft verlangsamen werde, aber aufhalten werde es dies nicht. „Auch in den Vereinigten Staaten bewegt sich das Geld in eine grünere Richtung – trotz Präsident Trumps Politik. Zum einen durch die Bundesstaaten, zum anderen durch die Unternehmen. Die Aufträge für Windkraftwerke kommen aus der Wirtschaft: Erstens weil es billiger ist und zweitens ist es gutes Marketing“, sagt Rom.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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