Nachhaltige Finanzen

Neue grüne Bundesanleihe stößt auf großes Interesse

Von Markus Frühauf
12.05.2021
, 09:14
Trotz der Verkaufswelle am Anleihemarkt bleiben ökologische Schuldtitel des deutschen Staats sehr begehrt. Sie ermöglichen auch günstigere Zinskonditionen. Investoren fragen den neuen Titel mit 38,9 Milliarden Euro nach.

Grün ist auch am Anleihemarkt ein großer Verkaufsschlager. Davon hat der deutsche Staat am Dienstag profitiert, als er erstmals eine grüne Bundesanleihe mit 30-jähriger Laufzeit begeben hat. Das Emissionsvolumen von 6 Milliarden Euro fragten die Investoren mit 38,9 Milliarden Euro nach. Auch die beiden ersten grünen Bundesanleihen, eine über zehn Jahre, die andere über fünf Jahren, waren auf ein hohes Interesse am Finanzmarkt gestoßen. Dies sorgt für günstige Finanzierungskonditionen.

Die für die Schuldenverwaltung des Bundes zuständige Finanzagentur verfolgt bei grünen Anleihen das von ihr entwickelte Zwillingskonzept. Jedem für nachhaltige Ausgaben dienenden Titel steht eine konventionelle Anleihe gegenüber. Die grüne Anleihe mit 30-jähriger Laufzeit lag um 0,02 Prozentpunkte oder zwei Basispunkten unterhalb der Rendite der konventionellen Anleihe. Der Zinskupon des grünen Titels beträgt 0,0 Prozent. Allerdings liegt die Rendite 30-jähriger Bundesanleihen derzeit mit knapp 0,4 Prozent im positiven Bereich.

Die erfolgreiche Platzierung des neuen Schuldtitels ist deshalb bemerkenswert, weil es am Dienstag aufgrund der Inflationssorgen zu einer Verkaufswelle am Anleihemarkt kam. Die sinkenden Kurse ließen die Renditen steigen. Die Rendite der 30-jährigen Bundesanleihe zog um gut vier Basispunkte an. In der zehnjährigen Laufzeit sprang der Marktzins um fast fünf Basispunkte auf minus 0,163 Prozent.

Grüne Zinskurve ist das Ziel

Sehr zufrieden mit dem Platzierungserfolg zeigte sich Tammo Diemer, Geschäftsführer der Finanzagentur: „Die heutige Nachfrage nach diesem Langläufer ist in ihrer Höhe und Diversität sehr beeindruckend. Dieses erneut hohe Interesse bestätigt unser innovatives Zwillingskonzept“, ließ er sich in der Pressemitteilung zitieren. Die Finanzagentur will als staatlicher Emittent, dessen Renditen als Referenzzinsen für den Euroraum gelten, eine grüne Renditekurve entwickeln. „Wir sind sehr motiviert, dieses fortzuführen und damit weiter zur Entwicklung des nachhaltigen Finanzmarkts beizutragen“, fügte Diemer hinzu. Der Bund hat mit der 30-jährigen Laufzeit die bislang am längsten laufende Staatsanleihe in grüner Form auf den Markt gebracht.

Die Emissionen nachhaltiger Anleihen haben im ersten Quartal mit 231 Milliarden Euro ein Rekordvolumen erreicht, wie die Ratingagentur Moody’s berichtete. Noch nie zuvor wurden so viele Anleihen, die dem Klima- und Umweltschutz oder sozialen Zielen dienen, in einer Dreimonatsperiode begeben. An grünen Anleihen, mit denen ökologische Projekte wie zum Beispiel Erneuerbare Energien finanziert werden, wurden 99 Milliarden Euro emittiert. Soziale Anleihen, die zum Beispiel für Wohnungsbau oder Bildung verwendet werden können, beliefen sich auf 90 Milliarden Euro. Die restlichen 42 Milliarden Euro wurden über Titel, die sowohl ökologischen als auch sozialen Zwecken dienen, aufgenommen.

Insgesamt machten die nachhaltigen Anleihen im ersten Quartal 9,4 Prozent der gesamten Anleiheemissionen aus, das ist der bislang zweithöchste Wert. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum hat sich das Emissionsvolumen nach Angaben von Moody’s mehr als verdreifacht, während es sich gegenüber dem vierten Quartal 2020 um 19 Prozent erhöht hat.

Die 30-jährige grüne Bundesanleihe wurde im Syndikatsverfahren unter Führung von BNP Paribas, Bank of America, Citi, Commerzbank, DZ Bank und HSBC begeben. Anders als im üblichen Auktionsverfahren sprechen die Banken hier gezielt Investoren an. Dadurch fällt die Nachfrage in der Regel höher aus.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Frühauf, Markus
Markus Frühauf
Redakteur in der Wirtschaft.
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