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Eine riskante Wette auf die globale Erholung

Von Christian Siedenbiedel
Aktualisiert am 05.08.2020
 - 09:58
Ölfeld
Die Opec und ihre Verbündeten fahren die Ölförderung hoch. In der Hoffnung auf die Krisen-Lockerungen in aller Welt. Damit könnten sie geradewegs in ein Überangebot steuern.

Der August ist für die Ölstaaten ein Hoffnungsmonat. Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und ihre Verbündeten haben die strengen Förderbeschränkungen, die sie sich selbst auferlegt hatten, um in der Corona-Krise den trudelnden Ölpreis wieder in den Griff zu bekommen, ein wenig gelockert. Man erinnere sich: Sogar bis in den negativen Bereich war zumindest der Preis für amerikanisches Öl im April gefallen, als die Weltwirtschaft stillstand und Amerikas Öllager überquollen. Seither aber hat sich der Ölpreis wieder deutlich erholt, wenn er auch noch nicht wieder auf den alten Ständen ist. Mit dem August soll es den Ölländern jetzt wieder erlaubt sein, rund 1,5 Millionen Barrel (Fass zu 159 Liter) am Tag mehr zu fördern als bislang. Damit wetten die Ölstaaten gleichsam auf eine globale Erholung der Wirtschaft.

Doch die Sache ist riskant. Und zwar zum einen, weil die vom niedrigen Ölpreis gebeutelten Ölförderländer einen hohen Anreiz haben, auch noch mehr Öl zu fördern als vom Kartell vorgesehen. Allein Saudi-Arabien hatte im zweiten Quartal ein Budgetdefizit von 29 Milliarden Dollar, nachdem der Ölpreis um 45 Prozent eingebrochen war. Aber ärmere Ölländer trifft das noch ganz anders. Kein Wunder, dass beispielsweise der Irak schon im Juli rund 80.000 Barrel Öl je Tag mehr gefördert hat als im Vormonat, obwohl das Land eigentlich das Überschreiten der Förderquoten aus den vorhergehenden Monaten nun durch eine geringere Förderung ausgleichen sollte.

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Quelle: F.A.Z.
Christian Siedenbiedel - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christian Siedenbiedel
Redakteur in der Wirtschaft.
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