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Scherbaums Börse

Die Vision der Deutschen Telekom

Von Christoph Scherbaum
Aktualisiert am 21.02.2020
 - 09:50
Gute Zahlen im Blick: Telekom-Chef Höttges auf der Bilanzpressekonferenz
Das Unternehmen hat als einst gescheiterte Volksaktie eine unrühmliche Börsengeschichte hinter sich. Doch nun legt Konzernchef Höttges einen Rekordgewinn hin. Daher sollten Anleger die Vergangenheit ruhen lassen und in die Zukunft blicken.

Die Deutsche Telekom hat für das vergangene Jahr 2019 sehr gute Zahlen geliefert. Der Konzern sprach am Mittwoch von „Rekordzahlen“. Insgesamt erwirtschaftete der Bonner Konzern 2019 rund 80,5 Milliarden Euro und damit rund 6,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 3,9 Milliarden Euro, der damit um rund 79 Prozent höher liegt als 2018. Konzernchef Tim Höttges sieht damit die Telekom als klare Nummer eins der Branche in Europa bestätigt. „Wir sind stärker denn je zuvor“, so Höttges.

Für den Ex-Staatskonzern mit mehr als 210.000 Mitarbeitern bleibt das Amerika-Geschäft sehr wichtig, von dem rund die Hälfte der Erlöse kam. Die Amerika-Sparte beendete das Jahr mit 86 Millionen Kunden. Das waren 6,4 Millionen mehr als zwölf Monate zuvor. 2019 war damit das sechste Jahr in Folge mit einem Kundenplus von mehr als 5 Millionen. Die vielen neuen Kunden machen sich bezahlt. T-Mobile US steigerte den Gesamtumsatz im abgelaufenen Jahr um 5,0 Prozent auf 45,2 Milliarden Dollar, weitere Steigerungen sind in den kommenden Jahren realistisch.

In Amerika Nummer eins werden

Denn endlich hat ein amerikanisches Gericht den Weg freigemacht, damit sich T-Mobile US mit dem kleineren Rivalen Sprint zusammenschließen kann. Die Deutsche Telekom hegt mit dem Sprint-Deal große Ambitionen.

Man will nicht weniger als die großen Wettbewerber AT&T und Verizon überholen und als „New T-Mobile“ die Nummer Eins in den Vereinigten Staaten werden, kündigte Telekom-Chef Tim Höttges am Mittwoch in Bonn an. „Zumindest ist das unser Anspruch“. Nach der bis Anfang April angepeilten Übernahme käme „New T-Mobile“ dann auf 140 Millionen Mobilfunkkunden. Derzeit belegen T-Mobile US und Sprint die Plätze Drei und Vier im US-Mobilfunkmarkt.

„Es tut uns Deutschen gut, wenn ein deutsches Unternehmen es einmal schafft, in einer Schlüsselindustrie, in einer Hightech-Industrie, in den USA eine führende Rolle einzunehmen“, sagte Höttges weiter. Ein Satz, den Aktionäre sicher gerne hören – aber auch bestätigt sehen wollen. Das hängt bei der Deutschen Telekom auch stark mit der Entwicklung der T-Aktie zu Beginn ihrer Parkettkarriere zusammen.

Viele Anleger haben beim Platzen der Technologie-Blase viel Geld verloren. Wer am 18. November 1996 beim Börsengang zu 28,50 Mark (umgerechnet 14,57 Euro (Mark) stolzer Aktionär war, konnte bis zum Allzeithoch im März 2000 bei mehr als 103 Euro Riesengewinne verbuchen. Aus 10.000 Euro wurden 70.000 Euro. Was danach passierte, wissen auch alle Deutschen, die sich sonst weniger für die Börse interessieren: Die Technologie-Blase platzte und riss auch solide Werte wie die Deutsche Telekom mit nach unten.

Intaktes Inlandsgeschäft

Anleger sollten aber auch bereit sein, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Im Jahr 2020 ist die Deutsche Telekom ein anderes Unternehmen als zur Jahrtausendwende. Wer vor zehn Jahren 10.000 Euro in Telekom-Aktien investiert hat, kann heute immerhin auf mehr als 16.000 Euro bei dieser Position blicken. Das ist nicht überragend, aber eine solide Anlagerendite.

DT. TELEKOM

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Die Deutsche Telekom ist (wieder) ein Konzern, der auch abseits des florierenden Amerika-Geschäfts zurück auf den Wachstumspfad gefunden hat. Das gilt auch für das Inlandsgeschäft. In Deutschland treibt die Telekom derzeit den Ausbau des neuen Mobilfunkstandards 5G voran und setzt beim Schließen von verbleibenden Funklöchern im Mobilfunk auf Kooperationen – darunter auch mit Wettbewerbern. Beim Ausbau der glasfaserbasierten Anschlüsse kamen 2019 rund 2,2 Millionen Anschlüsse hinzu, damit sind es insgesamt 14,4 Millionen.

Das Bonner Unternehmen steht aber auch unter starkem Druck. Mitbewerber Vodafone hat seine Marktposition durch die Übernahme des Kabelnetzbetreibers Unitymedia deutlich gestärkt. Mit den TV-Kabeln von Unitymedia kommt Vodafone nun auf schnellere Geschwindigkeiten als die Bonner. Nicht umsonst hat sich die Telekom für eine Klage gegen die Übernahme-Genehmigung bei der EU-Kommission entschieden. Bei allen Rekordzahlen für 2019 und den guten Perspektiven für das künftige Amerika-Geschäft – ein Wermutstropfen bleibt.

Hohe Schulden

Die Telekom hat weiterhin hohe Schulden. Zuletzt lagen die Netto-Finanzverbindlichkeiten bei rund 76 Milliarden Euro. Dass Finanzchef Christian Illek da auf die Bremse tritt ist wirtschaftlich verständlich. Aktionäre werden es derweil nicht gut finden, sie bekommen es bei der Dividendenausschüttung zu spüren. Auf der Hauptversammlung will der Konzern die Dividende kürzen lassen. Für 2019 sollen nur 60 Cent je Aktie ausgeschüttet werden, 10 Cent weniger als im Vorjahr.

Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hat ein bisschen Verständnis für die Deutsche Telekom: „Das sehr gute Ergebnis weckt natürlich Begehren. Ein Rekordergebnis sollte eigentlich auch eine Rekorddividende für die Aktionäre bedeuten“, so der Aktionärsschützer. Man dürfe aber nicht außer Betracht lassen, dass zugleich sehr hohe Investitionen anstehen. „Da schmerzt die Kürzung der Dividende auf den ersten Blick, die massiven Investitionen in den nächsten Jahren erklären den Zuschnitt aber dann doch wieder.“ Alles entscheidend sei das Anziehen des Wachstums in Deutschland und Europa, so Tüngler weiter.

Für 2020 hat der Konzern auch schon wieder Besserung in Aussicht gestellt. Für das Geschäftsjahr 2020 rechnet die Deutsche Telekom mit einem erneut steigenden Umsatz. Das bereinigte EBITDA soll auf rund 25,5 Milliarden Euro wachsen.

Solide Dividendenaktie

An der Börse hat der Kurs der T-Aktie nach der Zahlenbekanntgabe am Mittwoch mit deutlichen Aufschlägen reagiert. Im bisherigen Jahr zählt die Aktie zu den Top-Werten im Dax. Seit Anfang Januar ging es bereits um rund 13,5 Prozent nach oben, während der Index nur um 4 Prozent gestiegen ist.

Aktuell ist das Papier mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,5 bewertet – eine moderate Bewertung, vor allem da sich die Deutsche Telekom in den vergangenen Jahren als solider Dividendenzahler bewährt hat und der Konzern als einer von nur sechs deutschen Konzernen neben der Allianz, Daimler, Siemens, BASF und Bayer zu den Top 100 der größten Dividendenzahler weltweit, laut einer neuen Studie, gehört.

Auch wenn Opa vielleicht mit der T-Aktie vor 20 Jahren kein Glück am Ende hatte, ist das kein Grund für den Enkel, sich die Telekom-Aktie heute im Jahr 2020 nicht einmal näher anzuschauen. Der deutsche Branchenprimus verdient gutes Geld – im Gegensatz zu Wettbewerbern wie beispielsweise Telefónica Deutschland (O2), die für 2019 wieder Verluste verzeichnete. Aktuell raten acht Analysten die T-Aktie zu kaufen, zwei empfehlen das Papier zu halten und vier Analystenhäuser geben das Rating „verkaufen“ aus.

Quelle: FAZ.NET
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