Scherbaums Börse

Kommt jetzt die schnelle Erholung für Kreuzfahrt-Aktien?

Von Christoph Scherbaum
04.06.2021
, 11:46
Die Aidaprima wartet in Warnemünde auf ihre erste Fahrt nach der Corona-Krise.
Tourismusaktien waren durch die Corona-Krise besonders betroffen. Ein Sonderfall sind Kreuzfahrtaktien, die nach einem herben Absturz wieder zunehmend Fahrt aufnehmen. Kommt hier nun die schnelle Erholung – nicht nur für Schiffreisende?
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Der weltweite Corona-Lockdown im vergangenen Jahr hat die meisten Unternehmen stark getroffen. Eine Branche, die es besonders hart erwischt hatte, war der Tourismus. Reisen und Hotelbuchungen mussten massenweise storniert werden, die Umsätze brachen teilweise um mehr als 70 Prozent ein. Der weltweit größte Reisekonzern TUI musste beispielsweise von März 2020 an sein Geschäft nahezu vollständig einstellen. Milliardenverluste waren die Folge und ohne Staatshilfen wären viele Unternehmen in die Pleite geschlittert.

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So wie TUI ging es auch den großen Kreuzfahrt-Unternehmen Carnival Corporation und Royal Caribbean Cruises. Waren Kreuzfahrten in den vergangenen zehn Jahren immer beliebter und für die Unternehmen renditebringender geworden, so zeichnete sich im Corona-Jahr 2020 ein Bild des Grauens: Die meisten Kreuzfahrtschiffe standen still, Crews wurden entweder nach Hause geschickt oder fuhren mit dem Schiff auf den Meeren leer umher – um teure Hafengebühren zu sparen. Ebenso wurden Schiffe von heute auf morgen einfach ausgemustert. Carnival hatte fast 20 Schiffe auf Halde gestellt.

Wer im Frühjahr 2020 wirklich den Mut hatte, nach dem Crash unmittelbar in eine Touristik-Aktie zu investieren, wurde belohnt. Der letztere Satz lässt sich natürlich im Nachhinein einfach schreiben und dann das Ganze am besten noch unter der Börsenweisheit „Buy on bad news“ verbuchen. Diese Börsenweisheit aber in einer solchen Marktsituation umzusetzen, das haben sich die wenigsten getraut. Es war schwer abzusehen, was mit dieser Branche passiert und wie es überhaupt nach Corona weitergeht. Nicht zuletzt auch vor den Diskussionen um die Umweltproblematik der Kreuzfahrt-Branche, die schon weit vor Corona stattgefunden hatte.

Anlegermut wurde bisher belohnt

Letztlich gibt einem das Ergebnis aber natürlich immer Recht: Aktien von Kreuzfahrt-Unternehmen haben in den vergangenen 12 Monaten eine gute Kursentwicklung aufgewiesen. Vor allem die Nummer Eins im Geschäft, Carnival, die einen Anteil von 40 Prozent am Kreuzfahrt-Markt hat. Der Aktienkurs hat sich seit dem Crash bis heute mehr als verdreifacht. Das gleiche Bild ergibt sich bei der Nummer Zwei auf dem Markt, Royal Caribbean Cruises. Mit dieser Aktie konnte ein Anleger aus 10.000 Euro seit dem Crash mehr als 17.000 Euro machen.

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Geht da noch mehr, inwieweit hat diese Geschichte noch weiteres Potential? Durch die geplanten Reiseerleichterungen in vielen Ländern dürfte auch die Kreuzfahrt-Branche wieder mehr Rückenwind bekommen. So will Carnival im amerikanischen Heimatgeschäft von Florida aus wieder groß starten und auch mit der deutschen Tochter Aida Cruises soll in den nächsten Wochen das Europa-Geschäft wieder langsam beginnen. Mitbewerber TUI mit seiner Mein-Schiff-Flotte ist ebenfalls schon am Start. Doch bis einmal das Vor-Corona-Niveau erreicht ist, wird noch Zeit vergehen. Vor Corona zählte die Branche bis zu 30 Millionen Passagiere im Jahr. 2020 waren es weltweit keine Million. Wie attraktiv sind im Augenblick (noch) die Mein-Schiff und Aida-Aktien überhaupt?

Tui-Aktie im Aufwärtstrend

Nachdem die Tui-Aktie (Mein Schiff) zwischen Mitte 2018 und Mitte 2019 um über 60 Prozent auf 4,90 Euro einbrach, folgte bis zum November 2019 eine Aufholbewegung bis auf 8 Euro. Im Zuge des Ausbruchs der Corona-Pandemie startete im Anschluss der nächste kräftige Abverkauf. Dabei stürzten die Notierungen bis zum März 2020 auf 1,50 Euro in die Tiefe. Doch bis Anfang Juni dieses Jahres konnte sich der Kurs zeitweise wieder in den Bereich der Fünf-Euro-Marke nach oben kämpfen. Die Aktie notiert damit deutlich über der 200-Tage-Linie, womit die Trendpfeile derzeit nach oben zeigen.

Setzt sich der Aufwärtstrend fort, dürfte in den kommenden Monaten wieder das Zwischen-Top vom November 2019 bei 8 Euro angesteuert werden. Trotz der aktuell aussichtsreichen Charttechnik dürfte sich die Tui-Aktie für die Mehrheit der Aktionäre langfristig als Verlustbringer erwiesen haben. Auf 20-Jahressicht verzeichnen Anleger hier Kursverluste von im Schnitt zehn Prozent jährlich.

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Carnival ist eine Turnaround-Wette

Nicht arg viel besser sieht es bei Carnival (Aida Cruises) aus. Die Aktie des Marktführers bei Kreuzfahrten legte nach dem 2017er-Top bei 59,90 Euro den Retour-Gang ein und setzte bis zum Oktober 2019 auf 36,60 Euro zurück. Nach einer kurzfristigen Gegenbewegung auf 47 Euro sorgte der Corona-Börsen-Crash zwischen Januar und April 2020 für einen tiefen Fall auf in der Spitze sieben Euro. Von dieser Talsohle aus konnten sich die Notierungen bis heute aber zeitweise wieder mehr als verdreifachen.

Die Aktie notiert derzeit im Abstand von rund 40 Prozent über der 200-Tage-Linie und damit in einem starken Aufwärtstrend. Hält die Kurs-Rallye weiter an, würde sich theoretisch bis zum Vorkrisen-Kursniveau (Januar-2020-Hoch: 47 Euro) ein weiteres Aufholpotential von fast 90 Prozent eröffnen. Als Turnaround-Wette bleibt Carnival damit nach wie vor spannend. Langfrist-Anlegern hat der Titel dagegen bisher wenig Freude bereitet. Wegen der zwischenzeitlich heftigen Kursrückschläge verbuchte die Aktie in den vergangenen 20 Jahren unter dem Strich Kursverluste von im Schnitt einem Prozent pro Jahr.

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Sail away ...

Als Fazit könnte man zusammenfassen, dass es für die Branche sicher 2021 einen Silberstreifen am Horizont gibt. Die jüngsten Kursgewinne könnten durchaus nur ein kleiner Vorgeschmack auf das Szenario sein, das kommen könnte, wenn die Umsätze bedingt durch weiterhin erfolgreich verlaufende Impfkampagnen wieder Vor-Corona-Niveau erreichen werden.

Diese nackten Tatsachen dürfte wiederum aber einen echten Mein-Schiff- oder Aida-Fan wohl kaum abhalten, erstens wieder selbst an Bord zu gehen und Freude am Auslaufen haben sowie zweitens – wenn er Aktien-affin ist – vielleicht (mit einem Schmunzeln und einer kleinen Aktien-Position) den „persönlichen Return On Investment“ zu betreiben und mit Kursgewinnen der eigenen Lieblings-Flotte die nächsten Kreuzfahrten zum Teil zu finanzieren.

Quelle: FAZ.NET
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