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Anlagestrategie

Schroders empfiehlt für unsichere Zeiten Wandelanleihen

Von Martin Hock, Frankfurt
 - 12:14

Aktien sind in den vergangenen Jahren gut gelaufen, und so mancher fragt sich, ob dies so weitergehen kann. Doch auch mit dem Blick auf Anleihen mehren sich angesichts möglicher Zinserhöhungen die Sorgenfalten. In einer solchen Situation drängen sich einmal mehr Wandelanleihen als Alternative auf. Das meint zumindest Stefan Krause, Manager eines konservativen Wandelanleihenfonds bei der Gesellschaft Schroders.

„Derzeit befinden wir uns im sogenannten ,Balanced‘-Bereich, in dem Wandelanleihen nach oben hin besonders gute Erträge versprechen. Die Gelegenheit ist also günstig.“ Wandelanleihen sind Anlagen, die eine Kaufoption auf eine Aktie mit einer Anleihe verbinden. Sie können zu einem festen Preis in Aktien getauscht werden, so dass sie mit steigenden Aktienkursen immer lohnenswerter werden. Fallen die Aktienkurse unter den Wandlungspreis, so bleibt Anlegern am Ende immer noch eine herkömmlich zu tilgende Anleihe. „Dadurch sind sie risikoärmer als Aktien. Wer also etwas Risiko aus seinem Aktienportfolio herausnehmen möchte, ist mit Wandlern gut beraten“, sagt Krause.

Auf der anderen Seite seien ja auch die Anleihemärkte wahnsinnig gut gelaufen. „Weil aber Wandelanleihen auch von den Aktienkursen abhängen, sind sie auch weniger abhängig von Faktoren, die ansonsten Anleihenkurse beeinflussen.“ Irgendwann in der nahen Zukunft werde die EZB die Zinsen erhöhen, und dies werde sich auf die Kurse herkömmlicher Anleihen negativ auswirken. Wandelanleihen hätten aber eher unterdurchschnittlich unter höheren Zinsen zu leiden.

Eignen sich selten für Privatanleger

Allerdings eigneten sie sich trotz großer Vorteile nicht generell für jeden Anlegertyp, und mit einer Mindeststückelung von oft 100 000 Euro am wenigsten für Privatanleger. Eine Ausnahme sei Frankreich, wo Wandelanleihen in Stücken notiert werden. Doch auch dort laufe der größte Teil des Handels nicht über die Börse, sondern im Inter-Bankenhandel. Auch institutionelle Anleger täten sich nicht immer leicht mit Wandelanleihen. So ließen sich diese nicht eindeutig in der Portfoliostruktur zuordnen und seien generell eher komplex.

Krause achtet mit seinem Fonds darauf, sich nicht zu weit vom Vergleichsindex zu entfernen. Was Kritiker Fondsmanagern immer wieder als mutloses Kleben am Index vorhalten, hat durchaus einen Sinn. „Man sollte zwar nicht am Vergleichsindex kleben, aber doch das Risiko im Auge behalten, wenn man davon abweicht. Das heißt, dass man nie zu große Wetten auf einmal eingehen und Einzeltitel mit Augenmaß übergewichten sollte.“

Es ist vor allem eine Frage der Liquidität. 150 Millionen Dollar stecken in Krauses Fonds. Kleine Emissionen überzugewichten ist nicht unbedingt sinnvoll. Denn das vergleichsweise hohe Engagement in einem solchen Titel macht die Position illiquide und riskant, ohne dass sich dies auf die Wertentwicklung des Fonds nennenswert auswirken würde. „Deswegen investieren wir nur in Anleihen ab einem Gesamtvolumen von 100 Millionen Dollar.“

Konservativer Anlagestrategie

Stattdessen empfehle es sich, ein Portfolio technisch zu optimieren, etwa auf eine höhere Durchschnittsverzinsung zu achten. Auch gehöre es zum Management eines Wandelanleihenfonds, die Bedingungen jedes Produkts gut zu prüfen. „Attraktiv sind derzeit etwa Angebote in Europa, bei denen man im Fall einer Übernahme zusätzliche Aktien als Bonus erhält.“ Genau achten müsse man auch darauf, wie die Ausübungsbestimmungen seien, ob diese etwa nur zu einem bestimmten Zeitpunkt oder dauerhaft möglich sind. Oder wie es um Andienungsrechte und Kaufoptionen bestellt ist.

Im Übrigen hält sich Krause an die Anlagestrategie eines konservativen Fonds. Er geht keine Währungswetten ein, hält das Amortisationsrisiko niedrig und kauft keine synthetischen Wandelanleihen, die etwa von Investmentbankern kreiert werden. Denn diesem Gegenstück zur Aktienanleihe fehle es mit nur einem Handelspartner auch wieder an Liquidität.

Krause sieht derzeit vor allem in Japan gute Chancen, denn hier hätten die Aktienkurse noch Nachholpotential. Mit dem vergangenen Jahr ist Krause sehr zufrieden. Vor allem kam ihm zugute, dass er rechtzeitig die Wandelanleihen des angeschlagenen Möbelhändlers Steinhoff verkauft hatte. Den Vergleichsindex habe der Fall sehr belastet.

Für Umbruchphasen geeignet

„Insgesamt gibt es bei Wandelanleihen gute Möglichkeiten, Mehrerträge gegenüber einer passiven indexfolgenden Strategie zu erzielen, etwa auch durch Arbitrage“, sagt Krause. „Deswegen sind die wenigen Wandelanleihen-ETFs, die es gibt, auch weniger erfolgreich als gedacht.“ Vor allem machten den Fonds hohe Abstände zwischen Angebots- und Nachfragekursen zu schaffen. Dadurch wichen sie zwangsläufig vergleichsweise stark von dem Index ab, den sie nachbilden sollten.

Auch andere Häuser empfehlen Wandler. Sie seien für Umbruchphasen an den Kapitalmärkten wie etwa Zeiten steigender Zinsen geeignet, heißt es von Lupus Alpha. Auch das Angebot wächst. Mit mehr als 15 Milliarden Dollar erreichte das Emissionsvolumen im Januar den höchsten Stand seit zehn Jahren.

Quelle: F.A.Z.
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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