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Schwacher Euro, starker Franken

Von Johannes Ritter, Zürich
30.11.2021
, 16:02
Der Löwe schaut gelassen zu.
Noch wehrt sich die Schweizer Notenbank nur verhalten gegen den Aufwertungsdruck. Willkommene Schützenhilfe kommt vom Inflationsgefälle.
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Das Spiel ist altbekannt: Sobald Unsicherheit um sich greift, fliehen Investoren in den sicheren Hafen des Schweizer Frankens. Doch dieses übliche Muster reicht nicht, um zu erklären, wieso die Schweizer Währung aktuell wieder so zulegt, dass ein Euro jetzt 1,04 Franken kostet. Das ist das höchste Niveau seit Juli 2015. Mitte September waren noch 1,09 Franken für einen Euro zu bezahlen. Dass der Franken erstarkt, ist vor allem das Ergebnis der allgemeinen Schwäche des Euros. Die europäische Einheitswährung ist aus zwei Gründen unter Druck: Die durch die neue Corona-Variante Omikron angeheizte Infektionswelle und die daraus folgenden Einschränkungen dürften die Wirtschaftsentwicklung in Europa bremsen. Außerdem sind Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) wegen der hohen Inflationsrate in der Eurozone in weite Ferne gerückt. Daher hat jüngst auch der Dollar gegenüber dem Euro an Kraft gewonnen.

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Für die exportstarke Schweizer Wirtschaft ist ein starker Franken Gift, weil er die Waren im Ausland verteuert und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beeinträchtigt. Daher gehört es zu den Grundübungen der Schweizerischen Nationalbank (SNB), sich mittels Interventionen am Devisenmarkt einer allzu starken Aufwertung der heimischen Währung entgegenzustellen. Mit selbst gedruckten Franken hat sie über die Jahre im großen Stil Fremdwährungen wie Euro oder Dollar gekauft und so einen gewaltigen Devisenbestand von mehr als 950 Milliarden Franken angehäuft.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Ritter, Johannes
Johannes Ritter
Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.
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