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FAZ.NET exklusiv

Schwere Vorwürfe gegen ehemalige Alno-Manager

Von Michael Ashelm
 - 15:32

Nach der teilweisen Rettung Ende vergangenen Jahres des zahlungsunfähigen Küchenherstellers Alno hat jetzt der Insolvenzverwalter schwere Vorwürfe gegen ehemalige Vorstände und auch Aufsichtsräte erhoben. In einem 72 Seiten umfassenden Bericht für die Gläubigerversammlung, welcher FAZ.NET vorliegt, geht es vor allem um die Frage, ob das Management des wirtschaftlich seit Jahren schwer angeschlagenen Unternehmens nicht schon im Jahr 2013 eine Insolvenz hätte beantragen müssen. Nach vorläufigem Stand der Untersuchungen sei die Insolvenzreife „bereits deutlich“ vor dem Insolvenzantrag am 12. Juli 2017 eingetreten, heißt es in den Ausführungen des vorläufigen Insolvenzverwalters Martin Hörmann.

So erstreckten sich die Prüfungen auf mögliche Ansprüche wegen „Insolvenzverschleppung“ und „Verstoßes gegen das Zahlungsverbot“. Aber nicht nur das: Verfolgt würden ebenso verschiedene Zahlungen an konzernfremde Gesellschaften, von denen eine mit dem früheren Alno-Vorstandschef Max Müller verbunden sei, sowie „vielfältig hohe Prämien“ an ehemalige Vorstandsmitglieder. „Der Vorstand einer AG muss treuhänderisch wie ein Gutsverwalter und nicht wie ein Gutsherr agieren. Wie das bei Alno war, muss jetzt weiter nüchtern geprüft werden“, sagte Hörmann FAZ.NET.

Ehemaliger Bauknecht-Chef hängt mit drin

Als Insolvenzverwalter werde er in jedem Fall die Interessen der Gläubiger vertreten und auch, wenn es nicht anders ginge, den Klageweg bestreiten, um unrechtmäßige Geschäftsvorgänge im früheren Konzern rückabzuwickeln. Als Anfechtungssumme hat der Insolvenzverwalter in seinem Bericht pauschal vorläufig 25 Millionen Euro angesetzt. Das potentielle Volumen der Organhaftung für mögliche verbotene Auszahlungen beläuft sich seit dem Jahr 2013 bis 2016 auf rund 961 Millionen Euro.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte Anfang September vergangenen Jahres schon darüber berichtet, dass Müller zusätzlich zu seinem üppigen Millionengehalt Jahr für Jahr zwischen 300.000 und 700.000 Euro Kosten für Reisen, Telekommunikation, Personaldienstleistungen, Mieten, Beratung und für eine „Organleihe“ zu Gunsten von Gesellschaften abrechnete, an denen er beteiligt ist. Der Schweizer betonte damals auf Anfrage, dass der Aufsichtsrat immer die Genehmigung dafür gegeben hätte.

Mit hineingezogen in den brisanten Fall wird der Haushaltsgerätehersteller Bauknecht und sein einstiger Chef Marc Bitzer. Der saß bis Ende Oktober 2014 im Alno-Aufsichtsrat und ist heute Vorstandsvorsitzender des amerikanischen Whirlpool-Konzerns, zu dem Bauknecht gehört. Whirlpool war Hauptlieferant für die Küchen des Pfullendorfer Unternehmens und bis November 2016 Aktionär und mit mehr als 10 Prozent am Grundkapital der börsennotierten Alno AG.

Es handele sich insgesamt um einen rechtlich hochkomplexen Sachverhalt, sagte Hörmann. Er bestätigte den Kontakt zu Ermittlungsbehörden. „Die strafrechtliche Dimension im Falle einer Insolvenzverschleppung ist Sache der Staatsanwaltschaft. Die spezialisierte Wirtschaftsstaatsanwaltschaft in Stuttgart hat hierzu Dokumente von uns angefordert und diese von uns erhalten.“

In der Stadthalle von Hechingen wurden an diesem Dienstag Alno-Gläubiger vom Insolvenzverwalter über dessen Prüfbericht und das weitere Vorgehen informiert. Besonders heikel ist auch die Frage, wie eine Unternehmensanleihe aus dem Jahr 2013 über 45 Millionen Euro, die bis Mai dieses Jahres läuft, betrachtet wird, wenn sich der Tatbestand einer Insolvenzverschleppung ergeben sollte. Dann könnte es auch um Kapitalanlagebetrug gehen.

ALNO AG 13/18

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Hörmann führt in seinem Bericht auf, dass der Alno-Konzern seit dem Börsengang im Jahr 1995 nahezu durchgehend ein negatives Periodenergebnis ausgewiesen hätte. Der monatliche Finanzstatus habe bereits seit dem Jahr 2013 nahezu durchgehend eine Unterdeckung gezeigt. Trotz wiederholten Plan-Verfehlungen habe der Vorstand an positiven Umsatz- und Ertragserwartungen unverändert festgehalten. Diese seien nicht realistisch gewesen.

Die Bugwellentheorie

Müller war zwischen April 2011 und Mai 2017 Vorstandvorsitzender der Alno AG. An seiner Seite wirkte im Vorstand die Finanzchefin Ipek Demirtas zwischen Juli 2011 und Dezember 2016. Vorvergangenes Jahr war die Gesellschaft Tahoe Investment aus dem Unternehmensverbund der bosnischen Familie Hastor als Hauptaktionär von Alno eingestiegen. Sie sieht sich heute von den früheren Vorständen über die Leistungsfähigkeit des Küchenherstellers getäuscht. Doch auch in den ersten Monaten unter Tahoe wurde erst im Juli vergangenen Jahres ein Insolvenzantrag gestellt.

Würde in der insolvenzrechtlichen Betrachtung die „Bugwellentheorie“ zur Anwendung kommen, nach der im Finanzplan nur die fällig werdenden Ansprüche der Gesellschaft (Aktiva II), nicht jedoch die gleichzeitig fällig werdenden Verbindlichkeiten (Passiva II) einzustellen wären, hätte Alno zwar nicht im Jahr 2013, sondern spätestens im Dezember 2016 in die Insolvenz gehen müssen. So beschreibt es Hörmann. Aber ob die Anwendung der Bugwellentheorie überhaupt möglich ist, darüber muss der Bundesgerichtshof erst noch entscheiden.

Es wurde kein Wertpapier gefunden!

Als fragwürdig wird im Bericht vor allem die Rolle des Hauptlieferanten und langjährigen Gesellschafters Bauknecht (Whirlpool) betrachtet. Auf eine Alno-Zahlung in Höhe von 5,5 Millionen Euro bestünden Anfechtungsansprüche – auch auf weitere 1,5 Millionen. Mit der Unternehmensanleihe von 2013 über 45 Millionen Euro seien unmittelbar 20 Millionen Euro an Bauknecht geflossen. Hörmann nennt im Bericht ihm vorliegende Erkenntnisse, aus denen sich ergebe, dass der Haushaltsgerätehersteller die Lage der Alno-Gruppe schon seit längerer Zeit als „extrem schwierig“ einschätzt habe. So habe Bauknecht eigene Forderungen gegen Alno mit erheblichen Abschlägen (80 Prozent) an Dritte verkauft.

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Bauknecht habe sich an allen Sanierungsmaßnahmen beteiligt, ohne dass die Sanierungswürdigkeit der Alno AG anhand von Sanierungsgutachten bestätigt worden seien. Nach bislang gesichteten Dokumenten habe sich Bauknecht lediglich mit schriftlichen Bestätigungen von den Alno-Vorständen begnügt, dass kleine Insolvenzreife vorläge. Zudem müsse untersucht werden, so Hörmann, ob Zahlungen der Alno-Konzerngesellschaften für Lieferungen von Bauknecht marktgerecht gewesen wären. Nach Hinweisen aus dem Unternehmen habe Alno „über Jahre hinweg“ Elektrogeräte von Bauknecht erworben, die laut Vergleich der Listenangaben „über den Preisen für vergleichbare Konkurrenzprodukte lagen“.

Mitte Dezember hatte der britische Finanzinvestor Riverrock die Kerngesellschaft des insolventen Küchenhersteller übernommen. Die Produktion soll im März unter dem Alno-Label wieder aufgenommen werden.

Quelle: FAZ.NET
Michael Ashelm
Redakteur in der Wirtschaft.
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