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Sorgen um Chinas Yuan

Droht der Welt auch ein Währungskrieg?

Aktualisiert am 30.07.2018
 - 08:26
Zwei Währungen, die die Welt bewegen: Amerikanischer Dollar und Renminbi.
Chinas Landeswährung Yuan wertet rapide ab. Donald Trump vermutet sofort eine Wechselkursmanipulation. Doch der Wertverlust hat handfeste Gründe.

Mit der Eskalation des Handelskonflikts zwischen den Vereinigten Staaten und China geht die Angst vor einem Währungskrieg um. Der chinesische Yuan hat seit Mitte Juni mehr als sieben Prozent auf den Dollar verloren.

Amerikas Präsident Donald Trump wittert einmal mehr Manipulation: „In China fällt die Währung wie ein Stein und unsere Währung geht hoch, und ich muss ihnen sagen, es ist zu unserem Nachteil“, sagte Trump jüngst in einem Interview. Dahinter steckt der Vorwurf, dass China seine Währung, auch als Renminbi bekannt, gezielt abwertet, um Exporte auf den Weltmärkten zu verbilligen und damit die Auswirkungen der amerikanischen Strafzölle aufzufangen.

Das Nutzen einer Abwertung als Waffe im Handelsstreit erscheint logisch. Er könne sich vorstellen, dass man mit dem Blick auf die Beschäftigung in der Exportindustrie in Peking an einer wettbewerbsfähigen Währung interessiert sei, sagte etwa Mark Mobius von Mobius Capital Partners der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Indes hat aber nicht nur der Internationale Währungsfonds (IWF) China gerade bescheinigt, dass der Wechselkurs des Yuan „auf einer Linie“ mit den fundamentalen Gegebenheiten liege. Auch andere Experten sehen Marktkräfte am Werk. Zwar ist Chinas Währung nicht frei konvertibel und kann am Tag nur in einer Handelsspanne von zwei Prozent schwanken, doch orientiert sich Chinas Zentralbank bei der täglichen Festlegung des Wechselkurses am Markt.

Der Kurs des Yuan orientiert sich an einem Korb von mehr als 20 Währungen, die ihrerseits oft eng mit dem Dollar verbunden sind: Wertet der Dollar auf, fällt der Kurs des Yuan. Die amerikanische Währung hat aber in den vergangenen sechs Monaten etwa zum Euro um sechs Prozent zugelegt. Gegenüber einer Reihe anderer Währungen sogar um rund acht Prozent.

Das trifft allerdings nicht mehr für die jüngste Entwicklung zu. Seit Mitte Juni hat der Dollar insgesamt nur leicht aufgewertet. Zum Euro entwickelte er sich gar schwächer.

Längerfristig betrachtet, müsste der Kurs des Yuan eigentlich noch stärker fallen. Die chinesische Zentralbank verhindere das, meinen Währungsexperten. Das sei nicht im Interesse Chinas.

„Es ist unwahrscheinlich, dass China eine starke und anhaltende Abwertung des Yuans will“, stellt der amerikanische Wirtschaftsprofessor Christopher Balding in einer Analyse für den Finanzdienst Bloomberg fest. „Das würde dazu führen, einen Haufen Probleme für einen anderen einzutauschen“, argumentiert der China-Ökonom, der an der HSBC-Business-School in der südchinesischen Metropole Shenzhen unterrichtet.

„Verbraucher und Unternehmen müssten einen doppelten Schlag hinnehmen - Preiserhöhungen durch Zölle und weniger Kaufkraft durch eine schwächere Währung.“ Denn wäre der Yuan billiger, müssten Chinas Bürger bei Importen mehr für ausländische Güter zahlen.

Chinas Wirtschaft läuft nicht mehr rund

Das langsamere Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft und die Eskalation des Handelskonflikts drücken aus Sicht des Pekinger Wirtschaftsprofessor Hu Xingdou vielmehr auch auf den Wechselkurs des Yuan. „Zum einen läuft die chinesische Wirtschaft nur noch schlecht“, sagt Hu Xingdou. „Zum anderen trüben die Auswirkungen des Handelskrieges ziemlich stark die Zuversicht.“ Der unabhängige Ökonom ist überzeugt, dass Peking nicht künstlich eingreift. „Es gibt keine Hinweise, dass die Regierung den Kurs kontrolliert.“

Der Schrecken von 2015, als ein schneller Kursrückgang des Yuan zu massiven Kapitalabflüssen und einer Schockwelle führte, steckt heute noch allen in den Knochen. Anders als heute gab es damals keinen Grund für die plötzliche Yuan-Schwäche, was Unsicherheit an den Märkten weltweit auslöste. „Es gab 2015 Manipulationen“, berichtet Hu Xingdou. „Aber dieses Mal stimmt es mehr mit der Marktentwicklung überein.“ Der Kurs werde auch nicht viel weiter in den Keller sacken. „Die Abwertung wird aus meiner Sicht nicht unbegrenzt weitergehen.“

Kursdruck durch die „Neue Seidenstraße“

Druck auf den Yuan entfaltet auch die zunehmende Tendenz bei chinesischen Unternehmen, sich in Dollar zu verschulden. Hier macht sich zum einen das Bemühen der Zentralregierung, die Verschuldung einzudämmen. Das erschwert die Inlandsfinanzierung. Zum anderen treten chinesische Unternehmen viel häufiger im Ausland als Akquisiteure auf - und Übernahmen kann man nicht in Yuan bezahlen.

Auch die Initiative „Neue Seidenstraße“ befeuert die Auslandsverschuldung. Da Peking mit dieser längerfristig vom Handel mit den Vereinigten Staaten unabhängiger werden will, dürfte die Kreditaufnahme in Dollar kurzfristig eher zunehmen. Chinas Bemühen, den Außenwert des Yuan zu schützen, drückt auf diesem Weg seinen Wert.

„Offensive Abwertung“ ?

Die jüngste starke Abwertung, die übrigens deutlich stärker ist als bei den Turbulenzen der Jahre 2015 und 2016, ist zumindest zum Teil der verstärkten Handelskriegrhetorik geschuldet. Das erklärt auch, warum sich der Dollar gleichzeitig vergleichsweise schwächer entwickelt.

Aber auch andere Deutungen gibt es. Es könne eine „offensive Abwertung“ sein, meinen etwa die Währungsexperten der in Singapur ansässigen großen asiatischen Bank DBS. Investoren rechneten womöglich mit einem Einsatz des Wechselkurses als Waffe im Handelskonflikt. Gerade nach dem Bekenntnis Chinas, dies nicht zu tun, sei der Kurs stark gefallen.

Doch auch die DBS räumt ein, dass dies nicht zur offiziellen Haltung des Landes passe, zu Multilateralismus, Globalisierung, Freihandel und regelbasierten internationalen Richtlinien zu stehen.

Jüngst erst betonte die chinesische Zeitung „Global Times“, die vom Parteiorgan „Volkszeitung“ herausgegeben wird: „Von einem Handelskrieg zu einen Finanzkrieg zu schreiten, würde der Weltwirtschaft zweifellos zusätzlich Chaos aufladen.“

Insgesamt neigt die DBS daher dazu, auch die jüngste Abwertung eher als Aufholbewegung zum vor allem gegenüber anderen asiatischen Währungen stärkeren Dollar zu betrachten. Eine solche Anpassung habe es auch 2017 gegeben, danach habe sich der Kurs des Yuan stabilisiert. Bis Ende des Jahres erwartet Währungsstratege Philip Wee eine moderate Abwertung auf 6,90 Yuan für den Dollar.

Chinas Währungshüter formulieren ihre Absichten anders als 2015, als sie ihr Vorgehen nicht transparent machten, heute unmissverständlich: Der Wechselkurs solle „grundsätzlich auf einem angemessenen und ausgewogenen Niveau stabil gehalten werden“, so Zentralbankchef Yi Gang. Und der Sprecher der Devisenbehörde, Wang Chunying, versicherte: „China ist in der Lage und zuversichtlich, mit allen möglichen Herausforderungen umzugehen.“

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Altmaier ist zuversichtlich
Einigungschancen im Handelsstreit

Quelle: bard./mho./dpa
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