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Von Tiefs erholt

Spekulation um Schuldenbremse stützt Börsen

Von Markus Frühauf
 - 17:43
Wie tief noch?

Der Schock an den Finanzmärkten durch die Ausbreitung des Coronavirus hat am Mittwoch nachgelassen. Das dürfte auch an Nachrichten gelegen haben, wonach die Bundesregierung bereit ist, die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse etwas zu lockern. Höhere staatliche Ausgaben könnten den Wachstumseinbußen einer Pandemie teilweise entgegenwirken.

Am Vormittag hatte es nach einer Fortsetzung der heftigen Kursverluste der Vortage ausgesehen: Der deutsche Aktienindex Dax war um mehr als 3 Prozent abgestürzt. Doch mit den ersten Nachrichten zur Lockerung der Schuldenbremse erholte sich der Aktienmarkt. Am späten Nachmittag notierte der Dax mit 12 796 Punkten wenig verändert. Dazu trug auch die Kurserholung an den New Yorker Aktienmärkten bei. Der Dow-Jones-Index lag im frühen Geschäft mit 27 448 Punkten 1,4 Prozent höher. Hier spielten Hoffnungen auf eine Lockerung der amerikanischen Geldpolitik eine wesentliche Rolle.

Zwar hatte der Vizepräsident der amerikanischen Notenbank Federal Reserve, Richard Clarida, den Zeitpunkt als zu früh bezeichnet, um den Wirtschaftsausblick wegen des Coronavirus zu ändern. Doch an den Märkten stellen sich die Investoren auf mögliche Zinssenkungen der Fed ein. Am Dienstagabend sank daher auch die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihe auf ein Rekordtief von 1,3055 Prozent. Mit der Erholung der Aktienmärkte zog dieser Dollar-Referenzzins am Mittwochnachmittag wieder auf 1,3621 Prozent an. Aber selbst dieses Niveau ist für amerikanische Staatsanleihen historisch niedrig. Da die zweijährige Rendite mit 1,1926 Prozent über der der 30-jährigen von 1,1846 Prozent liegt, sehen einige Marktteilnehmer eine inverse Zinskurve, die als Rezessionssignal gilt.

US TREASURY 2026

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Sollte die Gefahr einer Pandemie das Wachstum der Weltwirtschaft belasten, halten Analysten einen Rückgang der Rendite auf 1 Prozent für möglich. Der Analyst der niederländischen Großbank ING, Antoine Bouvet, erwartet zunächst, dass die fünfjährige Treasury (aktuell 1,187 Prozent) unter diese Marke fallen wird und danach die zehnjährige. Sollten sich die Auswirkungen des Coronavirus in Grenzen halten, hält Chris Low, Analyst des auf Anleihen spezialisierten Handelshauses FHN Financial, einen Rückgang der zehnjährigen Rendite bis März oder April in den Bereich 1,25 bis 1,00 Prozent für möglich. Er unterstellt hier das „beste Szenario“, worunter Low einen Rückgang der Wachstumsrate der Weltwirtschaft um 1,25 bis 1,75 Prozentpunkte versteht.

Mit der Erholung an den Aktienmärkten stiegen auch die Renditen der Bundesanleihen wieder. Die zehnjährige Rendite lag am späten Mittwochnachmittag bei minus 0,486 Prozent nach einem Tief von minus 0,531 Prozent. Die Rendite der 30-jährigen Bundesanleihe pendelte weiter um die null Prozent, am Nachmittag trug sie wieder ein positives Vorzeichen. Auch Bundesanleihen waren in den Vortagen im Zuge der Kursverluste an den Aktienmärkten stark gefragt gewesen.

Das galt nicht für Staatsanleihen aus den für ihre hohen Staatsschulden bekannten Euroländern Italien und Griechenland. Deren zehnjährige Renditen liegen wieder über 1 Prozent, nachdem sie die Kursgewinne in den Wochen zuvor darunter gedrückt hatten. Italien ist vielen Investoren nach dem Anstieg der Zahl der von Coronavirus-Infektionen und Sorgen um die Konjunktur zu heikel geworden. Ein Wachstumsdämpfer kann auch die Erholung Griechenlands bremsen.

Auch am Aktienmarkt gab es in den vergangenen Tagen Kursgewinner. An der Börse Tokio stürzten sich Anleger auf die Titel kleiner Technologieanbieter, die sich auf Technik für die Arbeit von zu Hause aus spezialisiert haben. Einer ist V-Cube: Dessen Kurs war um mehr als die Hälfte in die Höhe gesprungen. Doch am Mittwoch ging es wieder 17 Prozent runter.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Frühauf, Markus
Markus Frühauf
Redakteur in der Wirtschaft.
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