Staatsschulden

Nach Rekordaufnahme wird der Bund bescheidener

Von Markus Frühauf
Aktualisiert am 28.09.2020
 - 16:02
Das Emissionsvolumen der Bundesanleihen steigt auf 407 Milliarden Euro. Doch im vierten Quartal werden weniger Titel begeben als getilgt.

Der deutsche Staat genießt an den Finanzmärkten fast unbegrenzt Kredit, was er in der Corona-Krise auch genutzt hat. Wie die für die Schuldenverwaltung des Bundes zuständige Finanzagentur im Rahmen ihrer Emissionsplanung für das vierte Quartal am Montag mitteilte, wird das Emissionsvolumen in diesem Jahr auf 407 Milliarden Euro steigen. Gegenüber der ursprünglichen Planung zum Jahresende 2019, also vor Ausbruch der Pandemie, ist das fast doppelt so viel.

Im Vorjahr, in dem Bundesfinanzminister Olaf Scholz die „schwarze Null“, also einen ausgeglichenen Haushalt, angepeilt hatte, lag das Emissionsvolumen nur bei 202 Milliarden Euro. Allerdings hatte die Finanzagentur im Frühjahr, als sie ihre Emissionsplanung wegen der Corona-Krise deutlich aufstocken musste, noch bis zu 445 Milliarden Euro für denkbar gehalten. Aber auch das nun niedriger geplante Emissionsvolumen stellt nach Aussage von Tammo Diemer, Geschäftsführer der Finanzagentur, einen Rekordwert dar.

Er kann mit dem Jahr zufrieden sein, weil der Bund im September sehr erfolgreich seine erste grüne Anleihe über 6,5 Milliarden Euro begeben hat. Die Nachfrage nach dem zehnjährigen Titel belief sich auf mehr als 33 Milliarden Euro. Im November soll die zweite grüne Bundesanleihe folgen. Diesmal wird es eine fünfjährige Laufzeit über 5 Milliarden Euro sein. Im nächsten Jahr kann sich Diemer eine grüne Bundesanleihe über 30 Jahre vorstellen.

Der Markt hat das sogenannte Zwillingskonzept seinen Worten zufolge sehr gut aufgenommen. Jeder grünen Anleihen steht eine konventionelle Anleihe mit gleicher Fälligkeit zur Seite. So können Investoren die grünen Titel jederzeit und in jedem Volumen in den konventionellen Zwilling tauschen. So soll die hohe Liquidität der Bundesanleihen auch im grünen Segment sichergestellt werden.

29 Millionen Euro für Investmentbanken

Ungewöhnlich war in diesem Jahr auch das Syndikatsverfahren, in dem ausgewählte Investmentbanken die Investoren direkt ansprechen. Das war unter anderem bei der grünen Anleihe der Fall oder auch in der neuen Laufzeit von 15 Jahren. Die Nachfrage fiel hier deutlich höher aus als im herkömmlichen Auktionsverfahren, wo die Bietergruppe Banken die Anleihen zeichnet, um sie dann an die Investoren weiterzureichen. Allerdings weiß die Finanzagentur dann nicht, an wen die Titel gehen, während sie im Syndikatsverfahren den vollen Einblick hat.

Nach Diemers Aussage ist das Syndikatsverfahren dann interessant, wenn entweder neue Produkte mit noch unbekannt Preisfindungsprozess begeben werden oder das Emissionsvolumen außergewöhnlich hoch ausfällt. Der Nachteil für den Steuerzahler besteht in den Gebühren, die sich nach Angaben Diemers in den Syndikatsplazierungen des laufenden Jahres auf 29 Millionen Euro belaufen. Zu den Konsortialbanken zählten unter anderen Bank of America, BNP Paribas, Commerzbank, Crédit Agricole oder HSBC. Die grüne Anleihe im November soll über kein Syndikat plaziert werden.

Im vierten Quartal wird der Bund rund 52 Milliarden Euro aufnehmen, deutlich weniger als im zweiten und dritten Quartal, als insgesamt mehr als 300 Milliarden Euro am Markt finanziert wurden. Hinzu kommt, dass der Bund in den letzten drei Monaten 2020 mehr tilgen wird, nämlich 67 Milliarden Euro. Nichtsdestotrotz wird das Umlaufvolumen an Bundesanleihen deutlich von 1130 Milliarden Euro Ende 2019 auf 1441 Milliarden Euro steigen.

Darüber hinaus verfügt die Finanzagentur noch über weitere Pfeile in ihrem Köcher: den Eigenbestand an Bundesanleihen, der im Frühjahr um 142 Milliarden Euro aufgestockt worden war. Diese Titel können jederzeit am Markt verkauft werden oder als Sicherheiten für Kredite des Bundes eingesetzt werden. Das wurde in diesem Jahr aber nur in einem niedrigen zweistelligen Milliardenvolumen wahrgenommen. Den gesamten Eigenbestand gab Diemer mit 180 Milliarden Euro an.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Frühauf, Markus
Markus Frühauf
Redakteur in der Wirtschaft.
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