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Studie

Unternehmen verfehlen immer häufiger ihre Prognosen

Von Kerstin Papon
 - 11:08

Die Lage der Weltwirtschaft ist so positiv wie lange nicht. Dennoch bleibt die Zahl der wirtschaftlichen und politischen Unwägbarkeiten für das Geschäft der Unternehmen groß. Und so verwundert es wenig, dass hierzulande offenbar immer mehr börsennotierte Unternehmen ihre ursprünglichen Gewinn- oder Umsatzprognosen korrigieren müssen – sehr häufig auch nach unten. Dies bekommen auch Anleger zu spüren. Denn die Unsicherheit und vor allem die Bekanntgabe der Prognoseänderungen kann zu einem kräftigen Auf und Ab der Kurse führen.

2017 veröffentlichten deutsche Unternehmen 95 sogenannte Warnungen, weil ihr Gewinn oder Umsatz niedriger als erwartet ausfiel. Dies war ein Anstieg um 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Wert seit 2011. Dies sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY.

Immer mehr Korrekturen

Das Positive an der Entwicklung: Auch die Zahl der veröffentlichungspflichtigen Prognoseanhebungen der börsennotierten deutschen Unternehmen hat zugenommen und ist ebenfalls auf einen neuen Höchststand seit 2011 gestiegen. Damals hatte EY die Analyse erstmals durchgeführt. Die Zahl der positiven Überraschungen habe sich von 89 im Jahr 2016 auf 199 im Jahr 2017 mehr als verdoppelt.

Insgesamt stieg die Zahl der positiven oder negativen Prognosekorrekturen von 155 auf 294 und damit um 90 Prozent, Über alle Börsensegmente hinweg hätten im vergangenen Jahr 59 Prozent der deutschen Unternehmen mindestens einmal ihre eigene Prognose kassiert, heißt es von EY. Auch das sei ein neuer Höchstwert. Im Jahr 2016 seien es noch 38 Prozent gewesen.

Besonders positiv überrascht haben im vergangenen Jahr offenbar die Dax-Konzerne. Denn 57 Prozent dieser Unternehmen hätten ihre Prognose im Verlauf des Jahres mindestens einmal nach oben korrigiert – mehr als in allen anderen Segmenten, heißt es von EY. Und nur 10 Prozent der Dax-Unternehmen hätten vor einem schlechter als erwarteten Gewinn oder Umsatz gewarnt, womit auch hier der Dax besser abgeschnitten habe als die anderen Börsensegmente. 21 Mal hätten die Dax-Konzerne im vergangenen Jahr das Übertreffen ihrer Prognose angekündigt und nur drei Mal ihren Ausblick nach unten korrigiert.

Härtere Strafen als Belohnungen

Und was heißt das an der Börse? Nach wie vor würden negative Überraschungen von den Anlegern stärker bestraft, als Anhebungen der Prognosen belohnt würden, haben die Fachleute von EY festgestellt. Im Durchschnitt sanken die Aktienkurse der betroffenen Unternehmen am Tag der Ergebniswarnung um 7 Prozent und konnten sich auch in der Folgewoche nicht wieder erholen. Im Gegenteil: Eine Woche danach lag der Aktienkurs im Durchschnitt laut EY um 8 Prozent niedriger als vor der Bekanntgabe.

Wenn hingegen Unternehmen ein Übertreffen ihrer Gewinnprognosen ankündigten, habe dies im Durchschnitt zu einem unmittelbaren Anstieg des Aktienkurses um nur 2 Prozent geführt. Sieben Tage später sei es ein Plus von 3 Prozent gewesen. EY hat hierfür die 304 Unternehmen des Prime Standard der Frankfurter Börse analysiert.

Viele Unternehmen hätten das Geschäftsjahr vorsichtig geplant und seien durch eine positive Entwicklung überrascht worden, sagt Marc Förstemann, Partner von EY. Auf der anderen Seite gebe es aber auch belastende Faktoren wie steigende Rohstoffpreise, der Höhenflug des Euro, der neue Kurs der amerikanischen Regierung und die nachlassende Dynamik der britischen Wirtschaft. Dies habe bei einigen Unternehmen zu spürbaren Einbußen geführt. Der Anstieg der Prognoseänderungen sei ein Abbild gestiegener Unsicherheiten und gleichzeitig eine erhebliche Herausforderung.

Die großen Unsicherheiten bestünden fort, sagt Förstemann. Politische Entscheidungen seien weniger berechenbar, weitere geopolitische Spannungen könnten jederzeit ausbrechen, neue Technologien hätten teils massive Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle. Die amerikanische Steuerreform habe zum Teil deutliche Auswirkungen auf die Gewinnentwicklung der Unternehmen. So hätten zum Beispiel Daimler und BMW ihre Gewinnprognosen erheblich nach oben revidiert. Andere Unternehmen wie Qiagen, Heidelberger Druckmaschinen und die Deutsche Bank hätten dagegen auf zusätzliche Belastungen hingewiesen. Die Deutsche Bank etwa habe den negativen Effekt auf rund 1,4 Milliarden Euro im vierten Quartal beziffert.

Quelle: FAZ.NET
Kerstin Papon
Redakteurin in der Wirtschaft.
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