Scherbaums Börse

Tesla – der ewige Verkaufs-Kandidat

Von Christoph Scherbaum
21.01.2022
, 13:28
Hoffentlich schnell wieder fahrbereit: Ladestation von Tesla
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Geht es um viel diskutierte Aktienwerte, kommt sehr häufig die Antwort Tesla. Zuletzt stieg die Zahl der „Shorties“ bei dem Elektroautobauer wieder an. Bleibt die Frage, ob das von Erfolg gekrönt ist. Schon viele haben gegen Elon Musk gewettet – und sind damit gescheitert.
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Diese Börsengeschichte ist zwar noch nicht so eine alte, aber dennoch eigentlich schon ein Klassiker: Die „Short-Seller„ der Tesla-Aktie, die also auf fallende Kurse des Papiers setzen und noch nicht entnervt aufgegeben haben. Es gibt sie weiterhin und die kleine Gruppe hat sich jüngst wieder vergrößert. Denn nun hält auch der Brite Fraser Perring Short-Positionen auf Tesla. Andere haben dagegen das Handtuch geworfen.

Der berühmteste unter den Handtuchwerfern ist wohl Michael Burry. Sein Wirken im Zuge der amerikanischen Immobilienkrise und seine großen Wetten auf den Zusammenbruch des amerikanischen Häusermarktes wurden im Hollywood-Streifen „The Big Short“ behandelt. Wie die „Financial Times“ berichtete, hat seine Investmentfirma Scion Asset Management jedoch schon im Oktober des Vorjahres die erst im Mai 2021 aufgebaute Short-Position auf den kalifornischen Elektrowagenbauer wieder aufgelöst.

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Viele Short-Seller sind gescheitert

Short-Seller Fraser Perring begründete dagegen im Gespräch mit dieser Zeitung, warum sein Unternehmen Viceroy Research im Fall von Tesla standhaft short bleibt. Besonders hervorgehoben wird von ihm der wachsende Konkurrenzdruck, da nun jeder Autohersteller Elektrofahrzeuge produzieren würde und Teslas Marktanteil sinke. Zudem verweist er auf die Qualitätsmängel bei den Autos sowie die hohe Bewertung.

Christoph Scherbaum
Christoph Scherbaum Bild: Christoph Scherbaum

Diese Kritikpunkte sind nicht besonders neu oder originell. Sie wurden in der Vergangenheit schon des Öfteren von Short-Sellern vorgebracht – diese Investoren haben sich nur regelmäßig die Finger verbrannt. Entsprechend sind auch die Short-Positionen im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Laut Morningstar-Daten lagen sie Ende Dezember 2021 lediglich bei 2,75 Prozent des Streubesitzes. Interessanterweise bleibt aber die Tesla-Aktie gemessen an der Marktkapitalisierung eine der am stärksten geshorteten Aktien. Der Wert der geshorteten Anteile würde sich aktuell auf mehr als 22 Milliarden US-Dollar summieren. Dies liegt jedoch hauptsächlich daran, dass der Kurs der Tesla-Aktie im vergangenen Jahr um knapp 50 Prozent zugelegt und der Konzern mit seinem Börsenwert die Marke von 1 Billion US-Dollar geknackt hat.

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Elon Musk und die taktische Medienpräsenz

Ein wichtiger Grund, warum die Tesla-Short-Seller bisher immer wieder auf die Nase gefallen sind, ist Konzernchef Elon Musk. Seine Medienpräsenz, insbesondere auf dem Kurznachrichten-Dienst Twitter, sorgt für genügend Hype-Momente rund um den Elektroautobauer. An ihm scheiden sich die Geister. Von einigen wird er als Tech-Visionär gefeiert, der mit seinen Ideen, die Menschheit in ein Zeitalter emissionsloser Fortbewegung führen soll – zumal er es selbst sehr gut versteht, mit einigen ambitionierten Prognosen für sein Unternehmen, Euphorie zu entfachen. Dass die meisten der ausgegebenen Prognosen erst mit einiger Verspätung realisiert werden, spielte bisher nur eine untergeordnete Rolle. Das wiederum ist einer der Kritikpunkte der Tesla-Skeptiker.

Zu den besonders ambitionierten Zielen gehört die schon Ende September 2020 in einem Tweet von Musk geäußerte Prognose, bis zum Jahr 2030 jährlich 20 Millionen Autos an Kunden ausliefern zu wollen. 2022 könnte die Millionenmarke fallen, nachdem im vergangenen Jahr 936.172 Autos der höherpreisigen Modelle „S“ und „X“ sowie der günstigeren Fahrzeug-Modellen „3“ und „Y“ an Kunden übergeben wurden. Gegenüber dem Jahr 2020 bedeutete dies einen Anstieg von 87 Prozent, die Erwartungen des Marktes wurden überboten.

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Elektroautomarkt mit viel Luft nach oben

Selbst die zahlreichen Aktienverkäufe von Elon Musk scheinen dem Kurs der Tesla-Aktie wenig anhaben zu können. So hat er seine jüngsten Verkäufe im vierten Quartal 2021 schön verpackt, indem er die Twitter-Gemeinde fragte, ob er seine Anteile verkaufen sollte, um darauf endlich Steuern entrichten zu müssen. Die Twitter-User sprachen sich mehrheitlich für einen Verkauf aus und Musk folgte der Aufforderung. Dass der Zeitpunkt auch mit Blick auf auslaufende Optionen nicht zufällig gewählt war, scheint im Nachhinein für viele Musk-Fans nicht mehr ganz so wichtig gewesen zu sein.

Es ist aber nicht nur die Anziehungskraft des Konzernchefs, die für Potenzial beim Tesla-Aktienkurs sorgt. Das Unternehmen muss mit mehr Konkurrenz leben, nicht nur vonseiten etablierter Hersteller wie Volkswagen, Ford oder Toyota. Auch Branchenneulinge wie Rivian oder Lucid mischen kräftig mit. Dies dürfte Tesla Marktanteile kosten.

Auf der anderen Seite wächst der Elektroautomarkt selbst rapide. Die Regulierungen in Bezug auf Schadstoffemissionen werden immer strenger, so dass in Zukunft immer mehr Elektrofahrzeuge auf die Straßen gebracht werden müssen und der Gesamtmarkt einiges an Wachstumspotenzial bereithält. Das Beratungsunternehmen AlixPartners schätzt, dass der Anteil reiner Elektrofahrzeuge (BEVs) bis 2030 auf 24 Prozent der Neuzulassungen steigen wird. Zuletzt lag er bei rund 2 Prozent. Damit bleibt Luft nach oben, auch für den Tesla-Konzern und wohl ebenfalls für dessen Aktie. In diesem Zusammenhang ist der Blick auf den Langfristchart der Autoaktie spannend.

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Aktie im übergeordneten Aufwärtstrend

Nach einem jahrelangen, volatilen Seitwärtslauf startete die Aktie von Tesla im Oktober 2019 (bei rund 50 Dollar) eine beeindruckende Kurs-Rallye. Dabei konnte sich der Kurs bis zum Januar 2021 rund verneunzehnfachen und markierte in diesem Monat ein Rekordhoch von 900 Dollar. Bis zum März 2021 korrigierte die Aktie auf 539 Dollar, woraufhin der nächste steile Höhenflug folgte. Im Zuge dessen ging es bis zum November 2021 auf ein neues Allzeithoch von 1243 Dollar nach oben. Im Sog der Konsolidierung bei den amerikanischen Technologiewerten brach der Kurs im Dezember noch einmal auf 886 Dollar ein, erholte sich bis Mitte Januar dieses Jahres aber zeitweise bis knapp über die 1000er-Marke. Bei allem Rauf und Runter: Die Tesla-Aktie notiert wieder deutlich oberhalb der bei rund 800 US-Dollar verlaufenden 200-Tage-Linie und damit im übergeordneten Aufwärtstrend.

Auch langfristig betrachtet fällt die bisherige Börsen-Bilanz von Tesla überragend aus. Denn trotz der zum Teil jahrelang andauernden volatilen Seitwärtsläufe der Aktie, wie zuletzt zwischen Mitte 2014 und Mitte 2019, errechnet sich seit dem Börsengang im Jahr 2010 eine Kursrendite von im Durchschnitt 58 Prozent je Jahr. Damit hätte sich eine Einmalanlage knapp verzweihundertfacht.

Angesichts dieser beachtlichen Entwicklung des Aktienkurses dürften es Aktionäre gut verschmerzen können, dass Tesla bisher keine Dividenden ausgeschüttet hat. Interessant ist derzeit, dass nur wenige Analysten derzeit raten, die Aktie (weiter) zu kaufen. Einer der wenigen Häuser ist Goldman Sachs, die zu Jahresbeginn das Kursziel nach den Auslieferungszahlen für das vierte Quartal mit 1125 Dollar belassen hatten. Andere Häuser wie UBS oder Barclays Capital stufen Tesla hingegen nur als „neutral“ oder sogar „underweight“ ein. Zumindest seitens der Analystenhäuser scheint der Hype um Tesla nachgelassen zu haben ...

Quelle: F.A.Z.
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