Deutsche Bank

Überraschender Gewinn treibt Aktienkurs

Von Hanno Mußler
27.04.2020
, 00:49
Von der Krise offenbar unberührt: Die Deutsche Bank rechnet im ersten Quartal mit einem Gewinn.
Die Deutsche Bank hat die Erwartungen der Analysten übertroffen und im ersten Quartal einen Gewinn erzielt. Jedoch steigt die Risikovorsorge stärker als erwartet.
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Der überraschende Gewinn, den die Deutsche Bank im ersten Quartal 2020 gemacht hat, lässt am Montagmorgen den Aktienkurs deutlich steigen. Die Notierung eröffnete mit einem Aufschlag von mehr als 6 Prozent auf 5,80 Euro.

Längerfristig macht sich das allerdings wenig bemerkbar. Die Aktien bleibt damit in der Spanne zwischen rund 5,50 und 6,50 Euro, in der sie seit Mitte März handelt.

Wie Deutschlands größtes Kreditinstitut am Sonntag Abend kurz vor Mitternacht mitteilte, erzielte die Deutsche Bank zwischen Anfang Januar und Ende März einen Gewinn von 206 Millionen Euro vor und 66 Millionen Euro nach Steuern. Analysten hatten mit einem Verlust gerechnet und gingen durchschnittlich von einem Minus von 248 Millionen Euro vor und 338 Millionen Euro nach Steuern aus. Dieser Erwartung trat die Deutsche Bank mit ihrer Ad-Hoc-Mitteilung am Sonntag Abend ausdrücklich entgegen.

Das in Umrissen skizzierte Quartalsergebnis überrascht auch in den Details. So muss die Bank für Kreditausfälle, die wegen der drohenden Rezession steigen werden, mehr zurücklegen als Analysten erwartet hatten. Statt 345 Millionen Euro, wie geschätzt - was immerhin 200 Millionen Euro mehr gewesen wären als im Vorjahresquartal - legte die Deutsche Bank sogar 500 Millionen Euro für Kreditausfälle zurück. Dass sie dennoch Gewinn und nicht Verlust im ersten Quartal machte, lag offenbar an den deutlich höheren Erträgen.

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Beobachter halte es für möglich, dass dies an höheren Erträgen aus dem Wertpapierhandel aufgrund der hohen Volatilität der letzten Wochen des Quartals gelegen haben könnte. Gemäß Mitteilung erzielte die Deutsche Bank im ersten Quartal 2020 Erträge von 6,4 Milliarden Euro, deutlich mehr als die Analysten mit 5,7 Milliarden zuvor geschätzt hatten. Amerikanische Banken wie J.P. Morgan hatten schon über Rekordeinnahmen im Wertpapierhandel im ersten Quartal berichtet. Analysten hatten allerdings gezweifelt, ob sich diese Zahlen auf die Deutsche Bank übertragen ließen. Während der Anleihehandel zumindest traditionell eine Domäne der Deutschen Bank ist, hat sie sich seit Juli 2019 aus dem globalen Aktienhandel komplett zurückgezogen. Aufschluss werden aber erst die vollständigen Quartalsergebnisse bringen, die die Deutsche Bank an diesem Mittwoch vorlegen wird.

Kernkapitalquote könnte leicht unterschritten werden

Allerdings haben die am Sonntagabend bekannt gegebenen Quartalszahlen auch eine Schattenseite, und die betrifft die Kapitalausstattung. Um die Kunden in der bevor stehenden Rezession zu stützen, hat der Vorstand der Deutschen Bank am Sonntag entschieden, mehr Kredite zu vergeben als geplant. Der Vorstand entschied auch, dass das Eigenkapital vorübergehend den Zielwert der Bank unterschreiten dürfe. Die harte Kernkapitalquote, die nach der Mitteilung der Deutschen Bank schon von Anfang Januar bis Ende März von 13,6 Prozent auf 12,8 Prozent gefallen ist, könnte in den nächsten Quartalen das bisherige Ziel von 12,5 Prozent leicht unterschreiten, heißt es warnend von der Deutschen Bank.

„Wir sind fest entschlossen, unsere Bilanz zu nutzen, um Kunden zu unterstützen, die uns jetzt ganz besonders brauchen“, sagte Christian Sewing. Der seit April 2018 amtierende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank ließ sich weiter zitieren: „Durch diese Entscheidung könnte unsere harte Kernkapitalquote vorübergehend unser Ziel von mindestens 12,5 Prozent leicht unterschreiten, ohne die solide Bilanz unserer Bank zu schwächen.“

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Die Anforderungen der Bankenaufsicht, die seit kurzem in Reaktion auf die Corona-Krise statt 11,6 nur noch eine Kernkapitalquote von 10,4 Prozent von der Deutschen Bank verlangt, will das Kreditinstitut natürlich einhalten. Auch für 2022 soll die Kernkapitalquote das alte Ziel von 12,5 Prozent erreichen – ebenso wie die Leverage Ratio. Die Einhaltung des bisherigen Ziels für die Verschuldungsquote von 4,5 Prozent für 2020 hält die Deutsche Bank angesichts des „möglichen zusätzlichen Wachstums der Bilanz“ nun für „unwahrscheinlich“. 2022 soll dann aber eine Leverage Ratio von 5 Prozent erreicht werden. Ansonsten bekräftigte die Deutsche Bank ihre Finanzziele. Ausdrücklich erwähnt sie in der Mitteilung von Sonntagabend, dass 2020 die Kosten nach der Übertragung des Hedge-Fonds-Geschäftes auf die französische Bank BNP Paribas auf 19,5 Milliarden Euro sinken sollen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Mussler, Hanno
Hanno Mußler
Redakteur in der Wirtschaft.
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