Gaskrise

Uniper-Aktie auf Achterbahnfahrt

Von Martin Hock
05.07.2022
, 11:23
Es läuft nicht gut für Uniper.
Sinkende Gasflüsse aus Russland lassen den Kurs der Aktie stark schwanken, durch mögliche Staatshilfen schöpfen Aktienanleger aber immer wieder Hoffnung. Die möglichen Hilfsgelder sollen bis zu neun Milliarden Euro betragen.
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Starke Kursschwankungen sind normalerweise ein Kennzeichen kleiner Unternehmen, deren Aktien ein niedriges Handelsvolumen aufweisen oder deren Geschäftsmodelle nicht erprobt sind – oder deren Werthaltigkeit umstritten ist. Betrachtet man den jüngsten Kursverlauf der Uniper-Aktie, so könnte man daraus schließen, dass die Anleger zur letzteren Ansicht gelangt sind.

Bis Ende des vergangenen Jahres entwickelte sich der Kurs des einstigen konventionellen Stromerzeugungsgeschäfts des Energieriesen Eon ziemlich proper. Im September 2016 zu 10,30 Euro gestartet, markiert die Notierung mit 42,11 Euro am 28. Dezember des Vorjahres ihr Kurshoch. Nicht nur, dass der Kurs in diesem Jahr um mittlerweile 70 Prozent gefallen ist und mit aktuell 12,31 Euro sich dem Ausgangsniveau von 2017 immer mehr annähert. An jedem sechsten Börsentag bewegte sich der Kurs um mehr als 5 Prozent. Das war in den Jahren davor nur überhaupt an drei Tagen der Fall gewesen.

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Besonders schlimm waren die vergangenen Tage: Am Donnerstag und Freitag der vergangenen Woche ging es erst um 14 Prozent nach unten dann um 10 Prozent nach oben. Am Montag betrug das Minus 27 Prozent und jetzt am Dienstag das Plus zeitweilig wieder 10 Prozent.

Überraschend kommt diese Bewegung, die nun einmal wirklich als Achterbahnfahrt bezeichnet werden kann, wohl kaum. Wegen der sinkenden Gasflüsse aus Russland ist der Konzern binnen kürzester Zeit in Schieflage geraten. Doch mögliche Staatshilfen geben Aktienanlegern immer wieder Hoffnung, dass die Kursverluste zu weit gegangen sind.

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Aktuell wird auch ein Einstieg des Bundes nicht ausgeschlossen. Das Wirtschaftsministerium arbeitet nach Angaben einer Sprecherin „unter Hochdruck“ an einer Lösung. Man sei in Gesprächen über Stabilisierungsmaßnahmen. Innerhalb der Regierung liefen zudem weiter Gespräche über Änderungen des Energiesicherungsgesetzes. Ziel sei es, sich für eine weiter angespannte Lage auf den Energiemärkten zu wappnen und den Instrumentenkasten zu füllen.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg geht es um mögliche Hilfsgelder von bis zu neun Milliarden Euro, bestehend aus einer Mischung aus Krediten und der Übernahme eines Anteils am Unternehmen. Ein Hilfspaket in diesem Umfang erscheine insbesondere im Vergleich zu Unipers aktueller Marktkapitalisierung von 4,1 Milliarden Euro und rund 15 Milliarden Euro zu Beginn des Jahres hoch, findet indes Vincent Ayral, Analyst der Bank JP Morgan.

Für den Markt stelle sich die Frage, ob der Versorger zur „Lufthansa 2.0“ werde, kommentierte Lueder Schumacher, Analyst der französischen Société Générale am Dienstag. Uniper hatte erklärt, es seien auch Beteiligungen in Form von Eigenkapital möglich. Die Anleger sorgten sich dagegen wegen einer womöglich massiv verwässernden Kapitalerhöhung, meint Schumacher. Ein Staatseinstieg würde zudem zwar Banken beruhigen, aber das Problem hoher Gaspreise nicht lösen. Die Sorgen der Anleger erklären auch, warum der Kursgewinn von 10 Prozent abermals nicht hielt und das Plus wieder zusammenschrumpfte.

Die Sprecherin Habecks wies darauf hin, Uniper habe einen bestehenden Kreditrahmen über die Staatsbank KfW über 2 Milliarden Euro noch nicht gezogen.

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Der Konzern mit Sitz in Düsseldorf spielt als großer Gasimporteur eine zentrale Rolle für die deutsche Energieversorgung und beliefert viele Stadtwerke. Uniper kann aber derzeit Mehrkosten beim Einkauf von Gas nicht an die Kunden weitergeben – daraus entstünden signifikante finanzielle Belastungen, hatte das Unternehmen bekannt gegeben.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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