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Geplante Übernahme

Vorteil AMS im Bieterkampf um Osram

Von Rüdiger Köhn
 - 18:06
Die Osram-Zentrale in München

Der Optimismus von Alexander Everke und Michael Wachsler-Markowitsch ist nicht zu erschüttern. Der Vorstandsvorsitzende und der Finanzvorstand des österreichischen Sensorherstellers AMS sind trotz vieler Zweifel überzeugt, dass ihr Übernahmeangebot für Osram fliegen wird; zu sehr würden die von ihnen präsentierten Fakten und die strategische Logik am Ende alle Beteiligten, vor allem die Investoren überzeugen. Im Gegensatz zu dem gegnerischen Angebot der Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle Group setzt AMS auf eine gemeinsame Basis in der Aktionärsstruktur: Anteilseigner von Osram sind nämlich auch an AMS beteiligt.

Zunächst wird es aber zeitlich eng: Spätestens am Freitag muss der Vorstand von Osram das mit AMS vereinbarte Stillhalteabkommen aufheben, damit die Übernahmeofferte starten kann. „Wir reden offen mit dem Vorstand, und ich gehe davon aus, dass die Freigabe rechtzeitig kommen wird“, sagte Everke der F.A.Z. am Dienstag. Doch ein weiterer Tag ist verstrichen, zumindest bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe lag keine entsprechende Entscheidung des vor. Wie berichtet (F.A.Z. vom 13. August), wurde die Vereinbarung über die Geheimhaltung getroffen, damit der Interessent aus Premstätten bei Graz die Unterlagen von Osram einsehen kann. Der Münchner Lichttechnikkonzern hat bislang das Finanzierungskonzept von AMS nur als „verbindlich und tragfähig bezeichnet“, man werde Gespräche über die Zusammenschlussvereinbarung führen.

Überlappende Aktionäre als Trumpf

Die Terminnot ergibt sich aus den vorgeschriebenen Abläufen. Die Österreicher müssen ihre Übernahmeofferte von 38,50 Euro noch vor dem 5. September den Osram-Aktionären unterbreiten. Bis dahin läuft das Angebot über 35 Euro der amerikanischen Finanzinvestoren Bain und Carlyle. Zuvor muss die deutsche Börsenaufsicht Bafin bis zu zehn Werktage das Angebot prüfen. Beobachter rechnen damit, dass der Osram-Vorstand unter dem Vorsitzenden Olaf Berlien noch rechtzeitig eine Freigabe beschließt. Sonst müssten sich die Führung vorwerfen lassen, nicht im Sinne der Aktionäre gehandelt zu haben. Bislang stand das Management den Österreichern ablehnend gegenüber und favorisierte das Konzept der Finanzinvestoren, die Osram mit Hauptsitz in München eigenständig weiterführen wollen. Mit AMS ist das nicht der Fall.

Auch die hoch gesteckte Mindestannahmequote von 70 Prozent, wie sie auch Bain und Carlyle festgesetzt haben, sehen die AMS-Vorstände gelassen. „Wir sind überzeugt, dass wir sie erreichen“, sagte der Finanzvorstand Wachsler-Markowitsch. In dem Bieterstreit habe der Aktionär nun die Wahl, 10 Prozent mehr zu bekommen. Und er zog eine Trumpfkarte: „Wir haben überlappende Aktionäre.“ Denn nach seinen Schätzungen könnten AMS-Eigner zwischen 20 und 25 Prozent Osram-Aktien halten. Mehr noch: Allianz Global Investors (AGI) hält mehr als 3 Prozent an den Österreichern, die an der Schweizer Börse gehandelt werden.

Vorstände sprechen von solider Basis

Das ist eine schlechte Nachricht für Bain und Carlyle. Vergangene Woche hatte AGI als größter Osram-Aktionär mit 9,4 Prozent deren Offerte als zu niedrig abgelehnt, was Signalwirkung auf andere institutionelle Investoren haben und die Offerte der Finanzinvestoren scheitern lassen dürfte. Auch die Schweizer Bank UBS, die mit der HSBC die Brückenfinanzierung für einen Osram-Erwerb über 4,2 Milliarden Euro sichert, ist AMS-Aktionärin – und seit vergangener Woche mit 6,8 Prozent als Osram-Eigner gemeldet. Trotz des Optimismus des AMS-Vorstandes wird für die Österreicher die Hürde von 70 Prozent anzudienender Aktien schwer zu nehmen sein. Bain/Carlyle wie die Österreicher wissen: So hoch muss mindestens der Anteil sein, um Osram zu beherrschen und von der Börse zu nehmen. Sonst gehen die Pläne nicht auf. Die Finanzinvestoren liegen mit ihrem Angebot von 3,4 Milliarden Euro und einem Unternehmenswert (mit Schulden) von 4 Milliarden Euro um jeweils 300 Millionen Euro unter der Bewertung von AMS mit 3,7 beziehungsweise 4,3 Milliarden Euro.

Dennoch betonen die Vorstände, auch im Hinblick auf die Finanzierung eine solide Basis zu haben. „Ein großer Vorteil für uns ist, dass wir unsere eigene Finanzkraft haben und generieren“, wirbt der Finanzchef. „Wir haben eine bessere Finanzierungsstruktur“, spielt Wachsler-Markowitsch auf die hohen Zinsen von 7,75 bis 9,75 Prozent an, die Bain/Carlyle zu stemmen haben.

Seitenhieb auf die Strategie von Berlien

Hinzu käme, dass für die notwendigen Investitionen in der neuen AMS/Osram-Gruppe mit einem gebündelten Umsatz von 5 Milliarden Euro (davon lediglich 1,4 Milliarde Euro von AMS) vom nächsten Jahr auch der positive freie Mittelzufluss als wichtige Finanzierungsquelle zur Verfügung stehe. Auch Osram würde wieder positive Beiträge leisten, nachdem die Belastungen aus hohen Investitionen der vergangenen Jahre abnähmen. Die Aufwendungen für die Forschung und Entwicklung mit 10 bis 12 Prozent des Umsatzes würden absolut hoch bleiben. Die einmaligen, über zwei Jahre verteilten Integrationskosten von 400 Millionen Euro seien so zu bewerkstelligen.

Was AMS besser mache mit Osram als die Finanzinvestoren? Vorstandschef Everke ist sicher, dass die Strategie überzeugend ist, die Sensortechnik mit den modernen Technologien im Lichtbereich zum Beispiel etwa mit den Mikro-LEDs – also lichtstarke, energiesparende Mini-Leuchtdioden – neue Märkte zu erschließen würden; wenn es um die Bestückung von Smartphone-Displays geht. Mit der neuen Technik könnten so viel mehr Sensoren verbaut und damit neue Einsatzmöglichkeiten geschaffen werden.

Einen Seitenhieb auf die Strategie von Berlien konnte er sich nicht ersparen. „Osram hatte eine andere Strategie und Vision mit einem Angebot“, spielt er auf die Massenproduktion von LED-Chips an. „Wir haben seit jeher auf hochprofitable Produkte in neuen Anwendungen gesetzt, die vor wenigen Jahren noch nicht abzusehen waren.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Köhn, Rüdiger (kön.)
Rüdiger Köhn
Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.
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