BioNTech-Aktie

Allheilmittel für das Portfolio

Von Gregor Brunner
10.09.2021
, 08:26
Der Corona-Impfstoff machte BioNTech weltberühmt. Doch das Unternehmen hat auch andere Krankheiten im Blick.
Den größten Erfolg erzielte das Unternehmen während der Pandemie. Doch die BioNTech-Aktie hat Potenzial, sich auch langfristig als feste Größe im Portfolio zu etablieren.
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Krebs war der erste Kandidat auf der Abschussliste des 2008 gegründeten und bis 2020 recht unbekannten Mainzer Biotechnologie-unternehmens BioNTech. Mithilfe neuartiger, individualisierter Immuntherapien, unter anderem basierend auf der Anwendung von Boten-Ribonukleinsäure (mRNA), sollte vornehmlich dem Hautkrebs der Garaus gemacht werden. Die Website des Unternehmens suggeriert auch weiterhin einen starken Fokus auf Krebstherapien. Im weiteren Programm führt BioNTech die Bekämpfung der Grippe, von HIV, Malaria sowie weiterer Infektions- und seltener Krankheiten.

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Viele der Therapien befinden sich nach wie vor in der Versuchsphase. Allerdings konnte seit Ende 2020 der Erfolg des Ansatzes von BioNTech bewiesen werden. Mit der Entwicklung eines hochwirksamen Impfstoffs gegen das Virus SARS-CoV-2 trat das Unternehmen auf die Weltbühne, auch wenn im Ausland eher vom Vertriebspartner Pfizer die Rede ist. Einige Monate vor Ausbruch der Pandemie, im Oktober 2019, betrat BioNTech auch das Börsenparkett an der Nasdaq. Damals wurde die Aktie zu 15 Dollar ausgegeben und galt Beobachtern noch als Geheimtipp mit Wachstumspotential. Dass sich dieses in weniger als zwei Jahren entfalten würde, konnten sicherlich nur wenige erahnen. Anfang August notierte die Aktie bei 463,67 Dollar, ein Anstieg um nahezu 3000 Prozent. Zum 7. September betrug der Wert der Aktie noch immerhin 334,30 Dollar, die Marktkapitalisierung 81,08 Milliarden Dollar.

Seit Beginn der Pandemie war der Kursverlauf der BioNTech-Aktie eng mit den Erfolgen des Corona-Impfstoffs Comirnaty verwoben. Ankündigungen zu Effizienz des Wirkstoffs, ersten Notzulassungen und Lieferverträgen mit einer Vielzahl von Staaten trieben den Kurs Stück für Stück nach oben. Ende März 2021 legte das Unternehmen seinen Abschluss für das Pandemiejahr 2020 vor – und unterstrich damit seinen Erfolg. 2020 setzte BioNTech 482 Millionen Euro um, verglichen mit 109 Millionen Euro im Vorjahr. Unter dem Strich erwirtschafteten die Mainzer einen Profit von 15 Millionen Euro, während für 2019 ein Verlust von 179 Millionen Euro stehen blieb.

Mitte August wurden nun die Halbjahreszahlen veröffentlicht und der vorhergehende Erfolg nochmals in den Schatten gestellt. 7,357 Milliarden Euro Umsatz allein in den ersten sechs Monaten des Jahres stehen 69 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum 2020 gegenüber. Der Gewinn betrug 3,915 Milliarden Euro, davon 2,787 Milliarden im zweiten Quartal. Im ersten Halbjahr 2020 machte BioNTech noch 142 Millionen Euro Verlust. Parallel zu der Gewinnentwicklung nahm auch der Aktienkurs von April bis Juli Anlauf auf seinen bisherigen Höchststand. Stand die Aktie zum 1. April noch bei rund 110 Dollar, erreichte sie am Quartalsende die Marke von 315 Dollar. Der mithin größte Konkurrent von BioNTech, der amerikanische Arzneimittelhersteller Moderna, welcher rein auf die mRNA-Technologie setzt, hat im Vergleichszeitraum umgerechnet rund 5,3 Milliarden Euro Umsatz und einen Gewinn von 2,4 Milliarden Euro erwirtschaftet.

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Analysten sind vorerst gespalten

Die Pandemie, die schnelle Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs und die Zulassung in vielen Ländern als erstes Mittel gegen eine Infektion mit dem Virus beziehungsweise gegen schwere Krankheitsverläufe waren sicherlich außergewöhnliche Umstände für BioNTech. Sind solche Geschäftszahlen also nachhaltig? Analysten geben sich skeptisch. Während der Umsatz 2022 noch auf 17,3 Milliarden Euro anwachsen soll, sagen sie für 2023 bereits einen Rückgang auf 10,8 Milliarden Euro voraus. 2024 sollen dann noch 4,6 Milliarden Euro verbleiben. Dementsprechend verhalten sind auch die Einschätzungen der Aktie. Von 14 Analysten, welche die Aktie beobachten, empfehlen vier den Kauf, acht halten ihr Urteil neutral, und zwei raten zum Verkauf der Aktie. Zuversicht sieht anders aus.

Viel an der neutralen Stimmung erklärt sich wohl anhand der bisherigen Abhängigkeit des Biotech-Unternehmens von einem einzigen Produkt. Die Auslieferungen von geschätzt 2,1 Milliarden Dosen Impfstoff im Jahr 2021 und zusätzlichen in den folgenden Jahren sollten mittlerweile im Aktienkurs eingepreist sein. Der Vertrieb im Massenmarkt China könnte nochmals Auftrieb geben, scheitert aber momentan an einer fehlenden Zulassung. Im weiteren Verlauf wird wichtig, wie mit Auffrischimpfungen verfahren wird. Viele Staaten und Menschen hadern hier noch mit sich. Sollte das Virus ein ständiger Begleiter der Menschheit werden und die jährliche Corona-Impfung einen ähnlichen Status wie die Influenza-Impfung erlangen, werden es wohl immer weniger Menschen in Anspruch nehmen, bis nur noch die verwundbarsten Gruppen eine regelmäßige Auffrischung nachfragen.

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Um aber nicht komplett am Tropf des Impfstoffs zu hängen, gibt es noch die weiteren Produkte, die BioNTech in Entwicklung hat. Im Halbjahresbericht stellt der Konzern klinische Versuche mit einem Influenza-Impfstoff für das dritte Quartal 2021 in Aussicht. Ende 2022 soll ein erster Wirkstoff gegen Malaria erprobt werden. Und das eigentliche Kernanliegen des Unternehmens, Krebs, wird mit 18 laufenden Versuchsreihen flankiert. Gelingt auf einem dieser Gebiete nochmals der große Wurf, besteht großes Potential, dass sich BioNTech als feste Größe im Biotech-Sektor etabliert und dabei nicht nur Allheilmittel für einige der schwersten Krankheiten der Menschheit herstellt, sondern sich auch als Panazee für das Aktienportfolio erweist.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Brunner, Gregor
Gregor Brunner
Redakteur in der Wirtschaft.
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