Wegen Bafin-Anforderungen

Crowdinvesting sackt im Jahr 2020 ab

Von Martin Hock
21.04.2021
, 09:15
Erstmals ist das Volumen von Crowdinvesting in Deutschland im Vorjahr gefallen. Der deutliche Rückgang sei aber weniger der Pandemie als irritierten Banken geschuldet, heißt es aus der Branche.

Die Corona-Pandemie hat die deutsche Crowdinvesting-Branche hart getroffen. Erstmals seit den Anfängen im Jahr 2011 ging das Investitionsvolumen zurück – und zwar deutlich von 418 Millionen Euro im Jahr 2019 auf nur noch 328 Millionen Euro. Das zeigen die vom Internetportal crowdinvest.de im Jahresbericht 2020 präsentierten Daten. Im zweiten Quartal habe die Corona-Pandemie bei den Investoren zu Verunsicherung geführt, heißt es dazu vom Bundesverband Crowdfunding. Seitdem habe sich jedoch gezeigt, dass das Interesse nach wie vor groß sei. Im ersten Quartal des laufenden Jahres sei wieder das Niveau von 2019 erreicht worden.

Von diesem Rückgang entfiel der größte Teil zwangsläufig auf Immobiliendarlehen, die im Jahr 2019 drei Viertel des Marktes ausmachten. Besonders aber litt die Fremdkapitalvergabe an Unternehmen, die praktisch vollständig zum Erliegen kam: Nur noch 14 Projekte mit einem rekordniedrigen Gesamtvolumen von 3,6 Millionen Euro wurden finanziert. Im Vorjahr waren es mehr als 400 Projekte gewesen. Eigenkapital- und Mezzanine-Investments gingen dagegen nur leicht zurück. Für das laufende Jahr sind die Plattformen durchweg optimistisch, dass das Plazierungsvolumen deutlich höher ausfallen wird.

Im Immobilienbereich hatten den Rückgang vor allem der Marktführer Exporo (Marktanteil nach Volumen: 62 Prozent) und die Nummer zwei, Bergfürst (Anteil 10 Prozent) zu tragen. Bergfürst rutschte sogar auf Rang drei hinter Engel & Völkers, die das plazierte Volumen mehr als verdoppelt haben. Erhöhte Eigenkapitalanforderungen der Bafin für Kredite hätten zu empfindlicher Zurückhaltung auf Bankenseite geführt, heißt es von Bergfürst. Dies habe eine verstärkte Fokussierung auf Vorhaben mit größeren Gesamtvolumen nach sich gezogen, bei denen häufig öffentliches Interesse an einer zügigen Umsetzung bestanden habe.

Die ergänzende Finanzierung durch ein Crowd-Darlehen ist hier weniger oft anzutreffen. Auf Anlegerseite habe man dagegen trotz Pandemie in dieser Form keine Zurückhaltung festgestellt. Exporo nennt zudem verminderte Marketingaktivitäten als Ursache, weil man die wirtschaftlichen Entwicklungen in der Pandemie erst einmal beobachtet habe. Im Energiebereich stieg dagegen das Volumen auf eine neuen Rekordwert. Mit 13,4 Millionen Euro Investitionsvolumen ist der Bereich aber sehr klein.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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