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„Deutsche Commerz-Bank“

Welchen Sinn eine Fusion hätte

Von Martin Hock
 - 14:13
Interessante Farbenspiele: Mischt man blau (Deutsche Bank) und gelb (Commerzbank), kommt grün (Dresdner Bank) raus. Hoffentlich eher nicht.

Seit die Banken, deren Geschäft jahrzehntelang unangreifbar schien, mit der Finanzkrise in Bedrängnis geraten sind, ist die Bankenlandschaft in Bewegung. Noch stärker bewegt sich die Gerüchteküche, welche Bank denn nun mit welcher fusionieren oder welche Bank welche übernehmen könnte.

Tatsächlich ist aber, soweit es Europa betrifft, bislang nicht viel geschehen. Weder hat etwa die italienische Unicredit mit der französischen Société Générale fusioniert, noch hat sie die Commerzbank übernommen. Grenzüberschreitend liegt das nicht zuletzt am Nebeneinander europäischer und nationaler Regulierungen, die für eine solche internationale Bank derzeit noch ein zu großes Hindernis darstellen.

Konsolidierung tut Not

Weil aber angesichts der Lage der Banken eine Konsolidierung unausweichlich scheint, konzentriert sich die Politik zunehmend auf die Banken im eigenen Land. Letztlich möchte jedes Land am Ende eine Bank beheimaten, die im internationalen Finanzgeschäft zu den wichtigsten Instituten zählt und großer Finanzierer der heimischen Industrie sein könnte – nicht zuletzt, wenn die Handelsstreitigkeiten weiter zunehmen.

In Deutschland sieht die Politik die Lösung offenbar in einem Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) etwa beklagte jüngst das Fehlen einer international wettbewerbsfähigen deutschen Bank, die mit den großen amerikanischen Banken Schritt halten kann. Aus Koalitionskreisen hieß es, das Finanzministerium stelle Überlegungen über die Sinnhaftigkeit einer solchen Fusion an.

Diese Frage ist durchaus berechtigt. Denn Deutsche Bank und Commerzbank stecken beide in der Restrukturierung. Beide Institute haben vor rund zehn Jahren andere deutsche Banken übernommen: Die Deutsche Bank die eher renditeschwache Postbank, die Commerzbank die Dresdner. Für beide waren diese Zukäufe letztlich kein Gewinn. Während die Commerzbank immer noch damit beschäftigt ist, Strukturen sinnvoll zusammenzuführen und zu gestalten, fremdelt die Deutsche Bank seit eh und je mit dem Kleinkundengeschäft. Das ist aber nun mal die Kernkompetenz der Postbank.

DT. BANK

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Führt man nun zwei mit sich selbst beschäftigte Banken zusammen, so potenzieren sich die Probleme eher, als dass sie einer Lösung näher kommen. Zwar ist zu hören, dass ja Restrukturierungsprogramme 2020 ausliefen und dann die Zeit für eine Fusion gekommen sein könnte, vielleicht. Doch zum einen wäre es nicht das erste Mal, dass Restrukturierungen länger dauern. Zum anderen ist die Frage, ob auch dann ein Zusammengehen wirklich erfolgversprechend wäre.

Die Deutsche Bank wolle ein globales Institut bleiben, sagte zuletzt der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing. Doch zu einer internationalen Bank hat die Commerzbank eher wenig beizutragen. Sie erzielt kaum 4 Prozent ihrer Erlöse außerhalb Europas, mehr als 70 Prozent aber in Deutschland. In den vergangenen Jahren ist die Bedeutung des Heimatlandes zudem gestiegen.

Bei der Deutschen Bank hingegen ist der Anteil des Deutschlandgeschäfts halb so hoch. Fast ebenso groß ist dagegen das Geschäft außerhalb Europas. Allenfalls innerhalb Europas könnte die Commerzbank eine Verstärkung darstellen. Indes hat ihr Geschäft auch hier nur ein Viertel des Umfangs der Deutschen Bank. Es fragt sich also, ob sich der positive Effekt nicht weitgehend darin erschöpft, dass die Deutsche Bank in Europa nicht mehr mit der Commerzbank konkurrieren würde – doch ist diese bestimmt nicht der größte Konkurrent.

COMMERZBANK

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Auf dem deutschen Markt bringt die Commerzbank einerseits Kleinkundengeschäft mit, andererseits viel ähnliches Geschäft. Letztlich würde ein Zusammenschluss also dazu führen, dass Filialen geschlossen und Stellen abgebaut würden – sicher zum Unbill der Politik, die sich die Entstehung eines großen „nationalen Champions“ gewiss anders vorstellt.

Und wenn es um „nationale Champions“ geht, so stehen hier der Deutschen Bank in Deutschland zwei ganz andere Kaliber gegenüber: die Volksbanken und die Sparkassen. Ihre Bilanzsummen reichen an die der Deutschen Bank heran, wohingegen die Commerzbank nur rund ein Drittel dessen auf die Waage bringt.

Dass dennoch über eine Fusion der beiden Häuser spekuliert und diese mitunter sogar propagiert wird, scheint fast eher dem geschuldet zu sein, dass es die einzig verbliebene Option ist, nachdem seit den neunziger Jahren eine Großbank nach der anderen miteinander fusioniert wurde. Die nächst größte deutsche Privatbank nach der Commerzbank ist die Deutsche Pfandbriefbank PBB, selbst entstanden aus der missglückten Fusion der Depfa und der Hypo Real Estate. Mit einer Bilanzsumme von 63 Milliarden Euro ist die PBB aber ein Winzling.

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Muster: Bankenfusion statt Bankenkrise

Angesichts der Krisen, in den sich die beiden verbliebenen größeren Privatbanken befinden, kommt aber noch ein historisches Erklärungsmuster zu tragen. Seit der Krise von 1931 fürchtet die deutsche Politik eine Bankenkrise enorm, der skandalumwitterte Zusammenbruch der Herstatt-Bank in den siebziger Jahren machte es nicht besser.

Daher hat sich das Muster herausgebildet, dass Krisenbanken von einem stärkeren Institut übernommen werden, bevor mögliche Leichen im Keller zu riechen anfangen. Später kommen die Lasten auf den Tisch in der Hoffnung, dass das neue Institut sie bewältigen kann. Dies war etwa in den neunziger Jahren der Fall, als die Bayerische Hypobank mit Immobilienkrediten in den neuen Ländern in Schieflage zu geraten drohte. Im Zuge dessen entstand die Hypo Real Estate. Diese griff dann später bei der Depfa zu, als diese mit kurzfristig finanzierten Infrastrukturprojekten in Schwierigkeiten geriet. Der Ausgang ist bekannt. Und als die Dresdner Bank von der Commerzbank übernommen wurde, galt sie als heruntergewirtschaftet und es schien aussichtslos, dass sie die Finanzkrise überstehen könnte.

Dies alles lässt die Vermutung zu, dass es weniger um einen „nationalen Champion“ als um die Lösung eines Problems geht, das akut werden könnte. Denn das Geschäftsumfeld der Banken war schon deutlich besser. Ihre Eigenkapitalrendite werde bis zum Jahr 2022 ohne Gegenmaßnahmen auf 4,2 Prozent von zuletzt 7,1 Prozent fallen, prognostizierte erst am Mittwoch der Banken-Strategieberater ZEB. Druck komme insbesondere von hohen regulatorischen Anforderungen und den niedrigen Zinsen. Nur die wenigsten Banken könnten ihre Kapitalkosten decken.

Insofern scheint eine Fusion von Deutscher und Commerzbank früher oder später nicht unwahrscheinlich, dagegen schon eher, dass daraus ein „nationaler Champion“ wird. Auch die anderen Fusionen der vergangenen 20 Jahre sind nicht eben Erfolgsausweise. Im Kanzleramt soll die Idee vom „nationalen Champion“ in der Vergangenheit übrigens auf Skepsis getroffen sein.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Hock, Martin (mho.)
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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