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Rohstoffmarkt

Trump und Putin wollen den Ölmarkt kontrollieren

Von Christian Siedenbiedel
 - 14:17

Das Treffen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump und des russischen Staatschefs Wladimir Putin hat den Ölpreis weiter nach unten gedrückt. Hatte er noch vor kurzem die Marke von 80 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter) für die Nordseesorte Brent nach oben durchdrungen, so ist er mittlerweile wieder der Marke von 70 Dollar recht nahe. Allein am Helsinki-Montag fiel er um mehr als 4 Prozent. Auf dem Treffen hatte Putin verkündet, Amerika und Russland seien wichtige „Öl- und Gasmächte“ – und sie könnten bei der Regulierung der globalen Energiemärkte in Zukunft enger kooperieren.

Die Worte machten am Ölmarkt offenkundig Eindruck, sie werfen aber auch einige Fragen auf. Eine stärkere Zusammenarbeit von Russland und Amerika auf dem Ölmarkt? Wie realistisch ist das? Was könnten gemeinsame Interessen sein? Und welche Macht hätten Russland und die Vereinigten Staaten überhaupt, den Ölpreis zu beeinflussen?

Putin selbst äußerte sich auf der Pressekonferenz nach dem Treffen zu den gemeinsamen Interessen. Er sagte, beide Länder könnten weder an zu hohen noch an zu niedrigen Ölpreisen ein Interesse haben. Einerseits wären die zu niedrigen Ölpreise aus Produzentensicht nicht wünschenswert, andererseits seien zu hohe Ölpreise schlecht für die Verbraucher.

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Putin trifft Trump
Konkurrenz auf dem Energiemarkt

Hohe Benzinpreise auf der Urlaubsreise

Heinrich Peters, Ölanalyst der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), deutet das so: Trump habe kurzfristig die Kongresswahlen in den Vereinigten Staaten im Blick. In Amerika sei Reisesaison. Und zu den wenigen Dingen, bei denen der Amerikaner keinen Spaß verstehen, gehörten hohe Benzinpreise auf der Urlaubsreise. Ein Ölpreis von mehr als 80 Dollar sei also nicht im Sinne Trumps, der schließlich mit dem Thema Wahlmanipulation genug zu kämpfen habe.

Mehrfach hatte Trump getwittert, der Ölpreis sei aus seiner Sicht zu hoch, und dafür unter anderem die Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) verantwortlich gemacht. Seine Drohungen in Richtung Saudi-Arabien blieben dabei nicht ungehört. Das in vielem von Amerika abhängige Land hat seine Ölförderung schon hochgefahren. Die Erfüllung der Opec-Kürzungsvorgaben („Compliance“) durch Saudi-Arabien war zuletzt von 122 auf weniger als 30 Prozent reduziert worden, zugleich hatten die Saudis das Ölangebot in Asien zu relativ niedrigen Preisen deutlich erhöht.

Die Vereinigten Staaten hatten schon die Möglichkeit ins Spiel gebracht, ihre nationale Ölreserve („Strategic Petroleum Reserve“, SPR), die eigentlich für Notfälle gedacht ist, jetzt zum Drücken des Ölpreises einzusetzen. Der Wunsch, mit Russland beim Öl zu kooperieren, könnte zumindest auf kurze Sicht einem ähnlichen Motiv entspringen.

Auch Putin habe ein Interesse, sein Ansehen in der russischen Bevölkerung zu stärken, meint Peters. Wenn der Ölpreis länger sehr hoch bleibe, könnte das auch in Russland der Konjunktur schaden. Wirtschaftsprobleme aber kämen in der Bevölkerung nie gut an: „Auch Putin hat kein Interesse an einem Ölpreis von mehr als 80 Dollar“, sagte der Analyst. Zumal sowohl die russischen als auch die amerikanischen Ölförderer mit einem Ölpreis von um die 70 Dollar eigentlich gut klarkämen, meint Peters.

Russische Ölunternehmen im Iran investiert

„Ziel ist es, die Ölpreise zu glätten“, glaubt auch Jan Edelmann, Ölanalyst der HSH Nordbank. Er meint, Russland habe durchaus Spielraum, seine Ölförderung kurzfristig hochzufahren, was dann auch den Wünschen Trumps entgegenkäme. Die HSH Nordbank schätzt die freien Kapazitäten der bestehenden Felder in Russland auf etwa 440 000 Barrel je Tag – die Helaba rechnet mit einer halben Million Barrel. In der Größenordnung könnte das Land also kurzfristig seine Förderung ohne Schwierigkeiten ausweiten, außerdem gebe es viele russische Pläne zur Erschließung neuer Ölquellen. Mehrfach hatte Russland in den Gesprächen mit Vertretern der Opec den Wunsch zum Ausdruck gebracht, mehr Öl zu fördern.

BRENT

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Dazu passt: Am Dienstag wurden Zahlen veröffentlicht, dass die Entwicklung sogar schon in diese Richtung geht. Die russische Ölproduktion sei Mitte Juli um 273 000 Barrel je Tag gegenüber dem Referenzniveau von 2016 erhöht worden, hieß es. „Mit anderen Worten, Russland hat die mit der Opec vereinbarte Produktionskürzung vollständig rückgängig gemacht“, sagte Carsten Fritsch, Ölanalyst der Commerzbank.

Strittig könnte noch sein, wie man mit Iran umgeht. Während Trump verkündet hat, Ende November die Ölimporte aus dem Land möglichst einstellen zu lassen, haben russische Ölunternehmen in Iran investiert. Zum Teil springt das Land dort sogar bei Projekten für die Europäer ein.

Eine Art Dach-Kartell

Spannend bleibt, ob Putin und Trump ihren Worten auch Taten folgen lassen werden. Sind das wieder nur sprunghafte Gedankenspiele Trumps, die morgen schon wieder ganz anders aussehen können? Die Investmentbank Goldman Sachs jedenfalls rechnet weiterhin damit, dass der Ölpreis die Marke von 80 Dollar testen wird; nur werde das jetzt später im Jahr passieren als bislang geglaubt, schreiben die Analysten um Damien Courvalin in einem aktuellen Ölmarkt-Ausblick. Bislang hatten die Goldman-Fachleute die Preisspitze für Juli erwartet.

Zumindest denkbar wäre aber auch, dass mehr hinter der plötzlichen Einmütigkeit von Trump und Putin in Bezug auf das Öl steckt: eine neue, langfristige Strategie. Analyst Peters jedenfalls hält es für möglich, dass es künftig eine neue, große strategische Öl-Allianz zwischen den Vereinigten Staaten, Russland und Saudi-Arabien geben könnte.

Eine Art Dach-Kartell gleichsam, eine Koordination des Ölmarktes sozusagen „oberhalb“ der Opec. Seit Amerika vom Öl-Nettoimporteur zum Exporteur geworden sei, hätten sich seine Interessen verändert. „Eine Abstimmung der Interessen mit Russland und Saudi-Arabien wäre jetzt plausibel“, meint Peters. China, Indien, Europa – sie alle wären dann von diesem Großkartell mehr oder weniger abhängig.

Quelle: F.A.Z.
Christian Siedenbiedel
Redakteur in der Wirtschaft.
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