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Hohe Schulden sind für Athen kein Problem mehr

Von Tobias Piller, Rom
01.08.2021
, 17:56
 Eine Touristin macht Fotos vom Parthenon auf der Athener Akropolis. Der Tourismus bleibt eines der wirtschaftlichen Standbeine des Landes.
Griechenlands Schulden waren Mal ein Problem für ganz Europa. Wie sind die Aussichten für die Zukunft derzeit?

Rund 209 Prozent Schuldenstand in Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sagt die Europäische Kommission den Griechen für Ende 2021 voraus und der Internationale Währungsfonds sogar mehr als 210 Prozent. Dennoch erscheint die Lage rund um die griechischen Staatsschulden beruhigend wie schon lange nicht. Der Risikozuschlag für zehnjährige griechische Staatstitel gegenüber den deutschen liegt bei wenig mehr als einem Prozentpunkt, in etwa auf dem Niveau Italiens. Griechische Unternehmen nutzen dieses günstige Klima und begeben Unternehmensanleihen, deren Zinssatz zwar etwas höher liegt als der des griechischen Staates, aber aus Unternehmenssicht dennoch einen Tiefststand für die Finanzierungskosten bedeutet. Selbst der früher krisengeschüttelte, nunmehr auf dem Weg der Sanierung befindliche staatliche Energiekonzern PPC platzierte zuletzt siebenjährige Anleihen mit einem Zinskupon von 3,375 Prozent.

Wenn nun darüber spekuliert wird, dass spätestens 2023 die Zentralbankzinsen angehoben werden könnten, würde das normalerweise die Anleger nervös machen. Die Griechen können dieses Mal aber gelassen bleiben: „Für jedes Land mit hoher Schuldenlast können hohe Schuldenlasten ein Problem werden“, sagt Tasos Anastasatos, Chefökonom von Eurobank. „Doch die günstigen Umstände rund um die griechischen Schulden – lange Laufzeiten, niedrige und zudem auch noch feste Zinssätze – machen die Lage erträglicher, als man aus den Daten des absoluten Schuldenstandes schließen könnte. Wenn die Wachstumsrate auch noch größer ausfällt als die Zinsen, verbessert sich die Tragfähigkeit für die Schulden.“

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Piller, Tobias (tp.)
Tobias Piller
Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.
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