Chancen 2022

Worauf Sie bei Ihren Anlageentscheidungen achten sollten

Von Inken Schönauer
23.10.2021
, 11:58
Investitonstrend Nachhaltigkeit: Windräder in der Nähe von Mainz
2021 ist fast Geschichte. Die perfekte Zeit also, sich Gedanken um die nächsten Anlagen zu machen. Der Anlagedruck ist hoch, die Meinungen gehen auseinander. Diese Serie möchte Orientierung geben.
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Prognosen sind eine schwierige Sache, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. In diesem Jahr aber ist der Blick auf 2022 vielleicht besonders schwierig. Mit der Inflation ist plötzlich ein Phänomen für Investoren Wirklichkeit geworden, mit dem sich viele Jahre nur Ökonomen, und das nur sehr theoretisch, beschäftigt haben. Diese von der EZB ausgegebene Zahl des Inflationsziels von „nahe, aber unter 2 Prozent“, war über Jahre hinweg die Messlatte. Inzwischen sind wir in Deutschland bei über vier Prozent Inflation angekommen – dem höchsten Wert seit 28 Jahren. Nicht alle finden das besorgniserregend, sprechen von Nachhol- oder auch Basiseffekten, sehen die Inflation in wenigen Monaten schon wieder im Sinkflug. Die andere Gruppe aber warnt, dass so ein vorübergehendes Phänomen dann ganz schnell vielleicht doch zu einer Dauereinrichtung werden könnte, vor allem dann, wenn nun auch Gewerkschaften – wegen der Inflation – höhere Löhne erstreiten. Das Gespenst von der Lohn-Preis-Spirale geht um.

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Für Anleger sorgt die Inflation für zu­sätzlichen Stress. Seit Jahren schon ist der Anlagedruck immens. Wo lässt sich noch ein gutes Investment finden, das eine einträgliche Rendite verspricht? Es hängt eine Menge daran, denn das Thema Altersvorsorge wird immer brisanter. Wenn nun das Geld auf Konten nicht nur nicht ordentlich angelegt wird, sondern auch noch von der Inflation geschmälert wird, dann wird es allmählich brenzlig.

Chancen 2022: Betongold, Gold und Nachhaltigkeit

In den kommenden Wochen wollen wir in unserer Serie „Chancen 2022“ etwas Orientierung bieten. Es soll um Ideen gehen, die die Anlageentscheidungen vielleicht etwas erleichtern. Natürlich wird es in einem Beitrag um das Thema Immobilien gehen. Lange galt das Betongold als die einzig wahre Alternative angesichts der so niedrigen Zinsen. Aber Ungemach zieht auf. In einer Studie der Schweizer Großbank UBS ist Frankfurt auf Platz 1 aufgestiegen: im globalen Ranking der Ri­siken für Immobilienblasen. Damit liegt die Mainmetropole vor Städten wie Toronto, Hongkong oder München. Das alles muss nicht bedeuten, dass die Blase mit einem großen Knall schon bald platzen muss. Es zeigt aber, welche Bewegung in den Immobilienmärkten herrscht und dass es längst nicht mehr nur die Mega-Cities sind, in denen hohe Immobilienpreise zu einem echten Problem werden können.

Auch das Gold wird in unserer Serie eine Rolle spielen. Es erfreut sich seit Jahren steigender Beliebtheit. Nicht zuletzt deswegen, weil man es anfassen kann und Gold als sehr wertbeständig gilt. Die Preise aber sind im Laufe des vergangenen Jahres immer wieder so in die Höhe geschossen, dass sich Anleger fragten: „Lohnt sich das eigentlich noch?“ Es wird bei der Goldanlage oft vergessen, dass Geld mit Gold nur dann verdient werden kann, wenn man es verkauft. Bei Aktien können Anleger auf Dividenden spekulieren, bei Immobilien mit Mieteinnahmen rechnen. Wer selbst in seiner Immobilie wohnt, spart die Miete. Gold aber bringt über die Dauer des Besitzes nichts ein. Für wen sich die Goldanlage trotzdem lohnt, das wollen wir in einem der nächsten Serienbeiträge klären.

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Natürlich wird auch das Mega-Thema der Finanzindustrie, die Nachhaltigkeit, eine Rolle spielen. Die Banken und Assetmanager sehen sich einer gigantischen Nachfrage nach Produkten gegenüber, die auf die ESG-Kriterien ausgerichtet sind. ESG steht für Environment (ökologisch) Social (sozial) und Governance (Unternehmensführung). Derzeit sind die Diskussionen sehr auf die Ökologie ausgerichtet. Der Green Deal der Europäischen Kommission ist nur ein Beispiel dafür. Das Thema ist nicht frei von Konflikten, die wir auch in den Chancen 2022 beleuchten werden.

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Vielleicht zeigt die derzeitige Diskussion um die Kernkraft am deutlichsten, wie schwierig es sein wird, alle Interessen unter einen Hut zu bekommen. In Deutschland scheint es undenkbar, den vor zehn Jahren nach der Fukushima-Katastrophe beschlossenen Ausstieg aus der Atomenergie umzukehren. In Frankreich gilt die Atomkraft dagegen als eine Zukunftstechnologie. Wie sollen sich Banken also verhalten, die europäische Finanzierungen anbieten, wie Anleger, die nach ESG-konformen Renditemöglichkeiten suchen? Kernkraft ja oder nein? Was kann die europäische Regelung, die auf den Weg gebrachte Taxonomie, da eigentlich leisten? In manchen Bereichen wirkt der Versuch zu mehr Nachhaltigkeit wie die Qua­dratur des Kreises.

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Zukunftsthemen und Altbewährtes

Wie auch immer sich diese Diskussion kurzfristig weiterentwickelt, so gibt es schon jetzt Gewinner. Alles, was mit Wasserstoff zu tun hat, ist ein solcher Gewinner. Auch darum soll es in der Serie gehen. Wasserstoff gilt als Antriebskraftstoff der Zukunft. Aber welcher ist der richtige? Und haben nicht die Betrügereien rund um Nikola, ein Unternehmen, das mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellen-Trucks herstellt, gezeigt, wohin auch zu viel Begeisterung führen kann?

Wir wollen aber auch die Zukunft der Finanzindustrie beleuchten. Zum einen anhand der sogenannten Robo-Advisor, die den klassischen Banken und deren Beratern mehr und mehr das Wasser abgraben. Sie arbeiten mit Algorithmen und Künstlicher Intelligenz, sind günstiger und schneller. Aber die Frage ist: Sind sie auch besser? Und dann ist da zum anderen das Glaubensthema rund um Bitcoin & Co. Digitalwährungen haben in den vergangenen Monaten eine Berg-und-Tal-Fahrt hingelegt, die so manchem Anleger schwer an den Nerven zerrte. Diese neue Kryptoklasse ist hochspekulativ und als Beimischung zur Altersvorsorge sicher nicht zu empfehlen. Nichtsdestotrotz ist Bitcoin gekommen, um zu bleiben. Vielleicht nicht in der Form, in der er jetzt ist, denn allein sein hoher Energieverbrauch ist mehr als kritikwürdig, aber eine weiterentwickelte Form wird die Zukunft des Bezahlens bestimmen.

Auch 2021 haben die ETF ihren Höhenflug fortgesetzt. Es ist nicht zu erwarten, dass die Begeisterung 2022 abebbt. Ge­rade auch Börseneinsteiger schätzen die börsengehandelten Indexfonds. Auch wenn Deutschland noch immer kein Land der Aktionäre ist, so sorgen immerhin doch die ETF für ein bisschen Belebung unter den deutschen Aktienmuffeln. Aktien immerhin sind seit Jahren die lukrativste Anlageklasse. Im Frühjahr 2020 gab es den schwarzen Montag, an dem die Kurse wie ein Stein fielen, seitdem geht es wieder stetig aufwärts. Und so werden wir in der Serie auch fragen, was man als Anleger eigentlich noch mit Anleihen erreichen kann. Sie nämlich haben in Sachen Rendite nur wenig Erfolge zu vermelden. Die Sache verspricht also spannend zu werden, von jetzt an jeden Samstag in der Serie „Chancen 2022“.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schönauer, Inken
Inken Schönauer
Redakteurin in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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