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Zinssenkung in Amerika

Kein Befreiungsschlag für die Fed

Von Martin Hock
 - 12:00
Hat großen Einfluss auf Wirtschaft und Finanzmärkte: die amerikanische Notenbank in Washington.

Die Entscheidung der amerikanischen Notenbank Fed, die Leitzinsen um 25 Basispunkte zu senken, kam nicht überraschend. Entsprechend gemäßigt fällt die Reaktion der Märkte aus: Der den amerikanischen Aktienmarkt breit abbildende Index S&P-500 fiel um rund 1 Prozent auf 2980 Punkte und der Dollar wertete gegenüber dem Euro von 1,114 Dollar auf 1,104 Dollar auf. Die Marktteilnehmer scheinen vor allem der Darstellung der Fed zu folgen, dass es sich um eine einmalige Zinssenkung handelt und nicht um den Beginn eines Senkungszyklus‘.

Dennoch ist die Zinsentscheidung und ihre Kommunikation ein intensiv diskutiertes Thema. Dabei steht vor allem ein Aspekt im Vordergrund, der schon im Vorfeld, als sich die Entscheidung vom Mittwoch abzuzeichnen begann, stark thematisiert wurde: die Frage nach der Unabhängigkeit der Fed.

Diese steht unter starkem Druck, weniger von Seiten der Finanzmärkte und ihrer Erwartungen als seitens der Politik, namentlich seitens des Präsidenten. Donald Trump twitterte auch sogleich: „Powell let us down”, kritisierte er den Zentralbankpräsidenten, damit wohl meinend dieser habe vor allem ihn, Donald Trump, im Stich gelassen, der gleich seinem türkischen Pendant Recip Erdogan ein Verfechter starker Zinssenkungen ist.

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Die Fed versuchte sich mit einer kleinen Senkung aus der Affäre zu ziehen und diese als eine Anpassung mitten in einem (Zinserhöhungs-)Zyklus zu verkaufen. Glauben tut das nicht jeder: Die Aussagen von Powell ließen darauf deuten, dass weitere Zinsanpassungen kommen werden, meint etwa Nathan Sheets, Chefökonom des Rentenfondsspezialisten PGIM Fixed Income. Er geht davon aus, dass die Fed für das kommende Jahr vielleicht ein oder zwei weitere Zinssenkungen vorgemerkt hat, je nach wirtschaftlicher Entwicklung.

Während Sheets noch zurückhaltender ist, äußert sich etwa David Lafferty, Chefstratege von Natixis Investment Managers deutlich kritischer: Powell habe alle Mühe gehabt, zu erklären, warum die Fed die Zinsen überhaupt senkte, wenn der gesamte Offenmarktausschuss doch glaube, dass die amerikanische Wirtschaft immer noch in guter Verfassung sei. „Mehr noch: der eher falkenhafte Ton der beiden Mitglieder George und Rosengren – die die Zinsen unverändert lassen wollten – unterstreicht weiter, wie verworren die Botschaft geworden ist. Weil die Weltwirtschaft weiterhin gemischte Signale sendet, wird der Konsens immer schwieriger.“

„Der Schwanz wackelt mit dem Hund“

Das zeigt sich nicht zuletzt in der immer wieder bemühten Formulierung, den Zinsschritt als „hawkish cut“ zu bewerten, also als „falkenhafte Senkung“ – was eigentlich ein Widerspruch in sich ist, da Zinssenkungen generell als „dovish“, also „taubenhaft“ klassifiziert werden und „hawkish“ mit Zinserhöhungen verbunden ist.

Neil Wilson, Marktstratege von Markets.com, nennt die ganze Situation verfahren. Die Zinssenkung als Justierung in einem Zyklus zu verkaufen, sei zwar eigentlich vernünftig, doch die Chancen seien groß, dass die Fed nun immer und wieder zu Zinssenkungen gedrängt werde – Donald Trumps Tweet macht dies ja nun mehr als deutlich. „Der Schwanz wackelt zu einem gewissen Grad mit dem Hund“, schreibt Wilson.

Was nun die Märkte betreffe, die seien der Fed mit ihren Erwartungen einfach viel zu weit vorausgelaufen. Dass die jüngste Fed-Entscheidung eher für mehr Unsicherheit als Klarheit gesorgt habe, zeige sich nicht zuletzt in einem deutlichen Anstieg des Index der Kursschwankungen VIX bis auf 16,12 Punkte. Dies ist absolut kein hohes Niveau, doch war die Volatilität im Vorfeld der Entscheidung deutlich gesunken.

„Schwer der Fed noch zu glauben“

Insgesamt gebe es ein Kommunikationsproblem. Es sei schwer, in Anbetracht der Kurswende der vergangenen Monate, der Fed noch zu glauben. Ähnlich wie Sheets fragt auch Wilson, was sich eigentlich in den vergangenen Monaten geändert habe.

Beide Sheets und Wilson fragen sich zudem, ob dieser Zinsschritt überhaupt in irgendeiner Weise effektiv ist. Wilson bezieht sich dabei nur auf die Inflationsbekämpfung, Sheets jedoch zweifelt an der gesamten Begründung: „Die eigentliche Frage ist jedoch, inwieweit der Zinsentscheid die Wirtschaft gegen die von Powell angesprochenen Risiken immunisiert, zu denen unter anderem auch der Handelskrieg gehört.“

Hier sieht Seema Shah, Chefstratege von Principal Global Investors, auch letztlich die Krux für eine Lösung der Situation. Auch er sieht die Fed weiter unter politischem Druck: „Ich fürchte, es braut sich ein weiterer Tweetstorm zusammen.“ Denn wenn die Fed weiter hinter der EZB mit Zinssenkungen zurückbleibe, folge daraus unweigerlich ein stärkerer Dollar. Dessen sei sich Trump nur zu bewusst.

Shah hofft, dass dieser am Ende auf eine andere Strategie ausweicht. Es sei effektiver und sinnvoller, den Dollar durch eine Ende des Handelskriegs statt durch einen verdeckten Währungskrieg via Zinssenkungen zu schwächen. Amerikanische Zölle schwächten die Zielländer und deren Währungen und erzeugten so auf den Dollar Aufwertungsdruck. „Wenn Trump einen schwächeren Dollar will, wäre ein Ende des Handelskriegs das Beste, was er tun kann.“

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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