Kolumne: Frag den Mohr

Kann auch ich anlegen wie Norwegens Staatsfonds?

Von Daniel Mohr
14.06.2021
, 13:24
Der vermögendste Staatsfonds der Welt weckt viele Illusionen. Doch den Gral der Geldanlage hat er auch nicht gefunden. Ein schneller Rat in zwei Minuten.

Den Fonds exakt nachzubilden ist nicht möglich. Dazu müssten die Verwalter des norwegischen Ölreichtums tagesaktuell berichten, welche Aktien sie gekauft und verkauft haben. Das tun sie aber nicht. Wer sich aber auf der englischsprachigen Seite www.nbim.no umschaut, findet jede Menge über die Prinzipien des Fonds und auch die jüngsten Berichte über seine Investitionen.

Demnach befand sich zuletzt ein Vermögen von 1,1 Billionen Euro im Fonds, investiert zu 72 Prozent in Aktien, zu 25 Prozent in Anleihen und zu 3 Prozent in Immobilien. Die Aktien brachten in den vergangenen Jahren die höchsten Renditen. Der Fonds sollte aber auch nicht verklärt werden. In der Finanzkrise verlor der Aktienanteil des Fonds im Jahr 2008 mehr als 40 Prozent, und der Fonds insgesamt brach um 23 Prozent ein. Auch 2018, 2011, 2002 und 2001 gab es Verluste, wie für die meisten Anleger am Aktienmarkt auch.

Die langfristige Rendite beträgt 6,3 Prozent. Der Fonds beherzigt, was auch Anleger tun sollten: die langfristig überdurchschnittliche Aktienrendite nutzen, Geduld haben und das Vermögen breit streuen. In mehr als 9000 Aktien auf der Welt verteilen die Norweger ihr großes Vermögen. Wer eine ähnliche Streuung in einem einzigen Aktienfonds haben will, kann den SPDR MSCI ACWI IMI wählen, der in fast 9000 Aktien aus Industrie- und Schwellenländern anlegt und damit so breit gestreut ist wie kein anderer ETF. Unter der WKN A1JJTD ist er an der Frankfurter Börse zu erwerben. Die jährliche Gebühr beträgt 0,4 Prozent.

Zusätzlich stecken die Norweger aber auch noch Geld in Anleihen, um die starken Schwankungen der Aktienkurse ein wenig abzufedern. Hier ist der Xtrackers Global Government ein breit gestreuter Staatsanleihen-Index (WKN DBX0NM). Damit wird zwar nicht genau das Depot der Norweger kopiert, aber in der Struktur zumindest ähnlich angelegt. Weitere Fonds, die dazu passen, nennt auch die ETF-Informationsseite unter diesem Link. Also auf Norwegisch alles Gute: Lykke til!

Haben Sie Fragen rund um das Thema Geld? Bitte an Daniel Mohr unter fragdenmohr@faz.de

Quelle: F.A.S.
Daniel Mohr  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Mohr
Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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