Fonds

Höhere Gebühren für Fondskunden

20.08.2003
, 19:51
Die deutschen Fondssparer müssen mit höheren Gebühren rechnen. Nach der Verteuerung vieler Adig-Produkte steigen nun auch die Preise beim DIT. Die Anleger bezahlen den Kampf um die Vertriebsressourcen.

Deutsche Fondsanleger müssen mit höheren Gebühren rechnen. Nachdem die Adig, die Fondsgesellschaft der Commerzbank, bereits im Mai die Gebühren für insgesamt 37 Fonds angehoben hat, ist nun der Deutsche Investment Trust (DIT), die Fondsgesellschaft der Allianz, nachgezogen und hat die Gebühren für zahlreiche Publikumsfonds erhöht. Andere deutsche Fondsgesellschaften, unter ihnen die Deka, die Fondsgesellschaft der Sparkassen, die DWS, die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank und die Union Investment, der Fondsarm der Volks- und Raiffeisenbanken, wollen an ihren derzeitigen Gebührenstrukturen festhalten.

Trotz dieser Beteuerungen müssen Anleger damit rechnen, daß auf lange Frist die Gebührenbelastung ihrer Fonds steigen könnte, gelten die Argumente, welche der DIT für diese Gebührenerhöhung anführt, doch auch für die gesamte Branche. Zum einen haben drei Jahre Baisse in den Ertragsrechnungen der Fondsgesellschaften tiefe Spuren hinterlassen. Das Neugeschäft blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Und mit sinkenden Kursen reduzierte sich auch der Wert der von den Fondsgesellschaften verwalteten Bestände, was wiederum zu sinkenden Verwaltungsprovisionen auf diese Bestände führte.

Hohe Provisionen im Vertrieb

Neben den Problemen auf der Ertragsseite ist es auch der zunehmende Wettbewerb um den Vertrieb, der zu einer Erhöhung der Gebühren führt: Um die eigenen Produkte in den Vertriebskanälen zu lancieren, müssen die Gesellschaften dem Vertrieb hohe Provisionen zahlen, die nun letztlich der Anleger zahlt. Mit dem zunehmenden Markteintritt ausländischer Anbieter, die sehr hohe Provisionen zahlen, um in den Vertrieb zu gelangen, hat sich der Wettbewerb um die Vertriebsressourcen noch verschärft: Wanderten früher etwa zwei Drittel des Ausgabeaufschlages an den Vertrieb, so verbleibt dieser mittlerweile komplett beim Vertrieb.

Doch nicht nur das: Mit dem Aufkommen sogenannter No-Load-Fonds, die keine Ausgabeaufschläge erheben, entdeckte der Vertrieb, daß er sich auch bei den Verwaltungsgebühren eine Scheibe abschneiden kann. Mittlerweile gehen Schätzungen zufolge zwischen 20 und 40 Prozent der Verwaltungsgebühr als Bestandsprovision an den Vertrieb - in der Spitze können es auch bis zu 70 Prozent werden. Ein ausländischer Anbieter hat eine Zeit lang sogar 105 Prozent Bestandsprovision geboten, um ins Geschäft zu kommen - hier zeigt sich, mit welcher Vehemenz der Kampf um den Vertrieb geführt wird.

DIT Dachfonds besonders verteuert

Besonders verteuert haben sich beim DIT Dachfonds - hier steigt die Verwaltungsvergütung um 50 Basispunkte - und Spezialitätenfonds mit einem höheren Freiheitsgrad beim Investieren. Hier wurde die Verwaltungsgebühr von teilweise 1,50 auf 1,75 Prozent angehoben. Zusätzlich soll bei diesen Fonds sukzessiv eine erfolgsabhängige Gebühr eingeführt werden. Möglicherweise setzt der DIT hier wieder Akzente, wie er dies bereits bei der Preiserhöhungsrunde im Jahr 2001 getan hatte: Damals hatte die Fondsgesellschaft die vorgesehene Preiserhöhung offiziell verkündet, anstatt diese wie bis dato üblich klammheimlich im Bundesanzeiger zu verkünden.

Ob die Konkurrenz wie damals auch diesmal nachziehen wird, bleibt offen: Gegenüber dieser Zeitung erklärten die Deka, die Union Investment, die Adig sowie die DWS, daß man die Gebühren vorerst nicht erhöhen werde. Dennoch kann man nicht ausschließen, daß Gesellschaften die Gebühren für Einzelfonds anheben oder ihre "Preisstrategien ändern", wie es dann offiziell heißt.

Der Blick auf den Ausgabeaufschlag sowie die Verwaltungsvergütung verstellt allerdings den Blick auf die Gesamtkostenbelastung der Fonds. Gemessen an dieser Kostenkennziffer, der sogenannten Total Expense Ratio, war der Dit nach dem Finanzdienstleister Fitzrovia vor der Verkündung der neuen Gebührenstruktur mit einer Gesamtkostenbelastung von 1,29 Prozent bei aktiv verwalteten Aktienfonds noch relativ günstig.

Quelle: hbe., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.08.2003, Nr. 193 / Seite 17
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