Agrarbranche

Nahrungsmittel-Aktien werden für Anleger „nahrhafter“

26.01.2005
, 13:18
Waren die Erträge an den amerikanischen Börsen im vergangenen Jahr relativ bescheiden, so schnitten die Nahrungsmittelaktien vergleichsweise gut ab. Das könnte so bleiben. International dürften Nischenwerte interessant sein.

Bei europäischen Anlegern dürfte die Nahrungsmittelbranche in der Regel auf Grund der Subventionitis und des stark reglementierten Marktgeschehens im Agrarsektor einerseits und auf Grund des harten Wettbewerbs im Handel andererseits nur für bedingte Phantasie sorgen. Dabei gibt es auch in diesem Sektor betriebswirtschaftlich recht erfolgreiche Unternehmen wie beispielsweise Müller Milch. Leider ist das Unternehmen nicht an der Börse notiert.

Orientiert man sich an diesem Kriterium, dann fallen einem zunächst die bekannten Namen der Unternehmensriesen wie Nestlé, Unilever oder auch Danone ein. Blickt man allerdings auf die Entwicklung ihrer Aktienkurse in den vergangenen Monaten, dann ist man eher enttäuscht. Denn zumindest diese drei Namen konnten in den vergangenen zwölf Monaten nicht überzeugen.

Blick über den europäischen Tellerrand ...

Will man mehr Dynamik sehen, dann ist ein Blick über den europäischen Tellerrand hinaus interessant. So haben sich beispielsweise die Papiere der amerikanischen Unternehmen wie Sara Lee, General Mills, Cadbury Schweppes, Kellogg, Conagra oder auch Campell Soup mit Kursgewinnen zwischen elf und etwas mehr als 20 Prozent vergleichsweise gut geschlagen.

Bild: FAZ.NET

Geht es nach einer Analyse von BCA-Research, dann könnte diese Entwicklung noch etwas weiter gehen. Denn der S&P-Index für Aktien von Herstellern verpackter Nahrungsmittel hat in den vergangenen Monaten im Vergleich mit dem Gesamtmarkt ein bescheidenes zyklisches Hoch markiert. Gleichzeitig fielen die Gewinnschätzungen in dieser Branche recht bescheiden aus. Dabei gebe es Hinweise, auf „nahrhafte“ Gewinnmargen in der Branche. Gleichzeitig zeigt der Teilindex für Fertiggerichte deutlich mehr Dynamik nach oben, als der Preisindex für Nahrungsmittel an sich.

Gleichzeitig scheint die Nachfrage in diesem Teilsegment des Marktes nicht nur weiterhin robust zu wachsen und zu steigenden Umsätzen zu führen, sondern auch das Verhältnis zwischen Auslieferungen und Lagerbeständen ist vergleichsweise hoch. Das führt zusammen zur Vermutung, die tiefen Gewinnschätzungen für die Branche in Amerika deute nicht auf Risiken hin, sondern sie böten gewisse Chancen. Auf dieser Basis könnten die Papiere der Branche weiterhin einen Blick wert sein.

... und auf Nischenanbieter interessant

International betrachtet dürfte es angesichts der Kursgewinner der vergangenen Monate ratsam sein, auf Nischenanbieter zu setzen. Denn sie scheinen auf Grund ihrer Spezialisierung gute Geschäfte machen zu können. Das gilt sowohl für die etablierten Märkte als auch für die Schwellenländer. Der Unterschied dürfte darin bestehen, daß in den teilweise rasch wachsenden Regionen steigende Einkommen zu einer Veränderung der Konsumgewohnheiten führen dürften. Sollte sich der Wachstumsprozeß ohne größere Friktionen fortsetzen lassen, so dürften Anleger in diesen Regionen in der Nahrungsmittebranche interessante Werte mit deutlichen Wachstumschancen finden können.

Das Problem besteht allerdings darin, daß solche Aktien zumindest in Deutschland selbst oft nicht handelbar sind. Dabei bieten Papiere von Unternehmen wie beispielsweise Select Harvest in Australien zum Teil phantastische Charts und sollten clevere Broker dazu bringen, sie auch in Deutschland anzubieten. Ansonsten bleibt nur die Lösung, entweder einen gewissen Aufwand zu betreiben und selbst vor Ort zu investieren oder auf Fonds zu setzen, die solche Chancen erkennen und auch nutzen.

Grundsätzlich könnte der Nahrungsmittelsektor auch aus einem anderen Grund interessant werden. Denn die Preise vieler Agrargüter sind in den vergangenen Jahren real gesunken. Das führte auch hier dazu, daß vergleichsweise wenig investiert wurde. Gleichzeitig haben nicht nur die globalen Lagerbestände abgenommen, sondern die Nachfrage nimmt stetig zu. Das heißt, die Relation zwischen Nachfrage und Angebot wird immer enger. Auf dieser Basis könnte es in diesem Bereich früher oder später zu deutlichen Preissteigerungen kommen. Manche weitblickende Profis bauen darauf und legen sich entsprechende Kontrakte ins Depot, sei es für Zucker, Weizen oder auch Orangensaft.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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