Aktienanlage

Der Börsencrash von 1987 - und seine Chancen

Von Sam Stovall
17.10.2007
, 12:28
Der Börsencrash von 1987 bot gewieften Anlegern gute Möglichkeiten zum Einstieg. Ein Blick auf die Sektorperformance vor und nach dem Einbruch der Kurse lohnt sich heute noch.

In den kommenden Tagen werden einige Marktveteranen ihre Erlebnisse während des Börsencrashs im Oktober 1987 wachrufen und sich selektiv - und höchstwahrscheinlich nicht ohne Ausschmückungen - an die Ereignisse erinnern, die zu diesem Zusammenbruch führten, und inwieweit sie diejenigen waren, die das Unheil kommen sahen und allen anderen zu einem rechtzeitigen Ausstieg rieten.

Ich möchte gleich vorausschicken, dass ich seinerzeit noch nicht lange an der Wall Street tätig war. Ich verwaltete weder das Geld anderer noch hatte ich eigenes investiert, und so wurde ich von diesem gewaltigen Ereignis mit der Begeisterung eines Historikers fortgerissen, der froh war, in interessanten Zeiten Augenzeuge zu sein.

Ich werde in diesem Artikel weder über die Ursachen dieses Ereignisses noch über die Emotionen an jenem Tag berichten, sondern einen Vergleich mehrerer Wirtschafts- und Marktdaten von damals und heute vornehmen. Daneben werde ich die Sektorperformance für drei Zeiträume rund um den Crash analysieren.

Waren die Kurse damals wirklich so niedrig?

Ich beginne dabei mit dem Achtmonatszeitraum bis zum Höchststand des S&P-500 im Jahr 1987 (wobei Daten von Dezember 1986 bis August 1987 herangezogen werden), blicke anschließend auf den Marktrückgang zwischen dem Augusthoch 1987 bis zur Bodenbildung Anfang Dezember 1987 und verfolge anschließend die Spanne von diesem Boden bis zum Zeitpunkt im späten Juli 1989, an dem die gesamten Verluste des Baissemarktes wieder aufgeholt waren.

Wenn ich mir frühere Aktienkursniveaus ansehe, frage ich mich jedes Mal, ob die Kurse seinerzeit wirklich so niedrig waren. Am Ende des dritten Quartals 1987 befand sich der Dow Jones Industrial Average (DJIA) bei 2.596 Punkten, was das Ausmaß des Einbruchs um 508 Zähler am 19. Oktober noch gewaltiger erscheinen lässt. Bei einem Stand von 13.896 Punkten am Ende des dritten Quartals 2007 würde ein Rückgang des DJIA um die vor 20 Jahren eingebüßten 22,6 Prozent heute 3.165 Punkten entsprechen. Seit damals konnte der DIJA eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 8,7 Prozent erzielen.

In dieser Zeitspanne von 20 Jahren stieg der Aktienindex S&P-500 von 322 auf 1.554 Punkte und verzeichnete ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 8,1 Prozent, wobei andere maßgebliche Indizes wie der Nebenwerteindex Russell 2000 (171:805; 8,1 Prozent) und der technologielastige Nasdaq-Index (444:2.702; 9,4 Prozent) ähnliche Werte aufweisen. Im Jahr 1987 betrug das nach GAAP ausgewiesene Kurs-Gewinn-Verhältnis für den S&P-500 im zurückliegenden Zwölfmonatszeitraum 20,3; heute liegt dieser Wert bei 17,9.

Die Dividendenrendite des S&P-500 betrug seinerzeit 2,69 Prozent, verglichen mit heute 1,77 Prozent. Aufgrund des seinerzeit niedrigen Niveaus der Marktrendite kam zeitweilig eine Faustregel zur Anwendung, die besagte, dass bei Werten unter drei Prozent Vorsicht geboten sei, während man bei Werten unter 2,7 Prozent aussteigen solle. Diese Regel ist heute augenscheinlich außer Mode.

Das BIP hat sich seither fast verdoppelt

Interessant ist auch ein vergleichender Blick auf andere Größen, etwa auf das amerikanische Bruttoinlandsprodukt (BIP): Die Wirtschaft hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt und eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von fast vier Prozent erzielt. Die Inflation gemessen am Verbraucherpreisindex ist um drei Prozent pro Jahr gestiegen, legte in den zurückliegenden zwölf Monaten indes weniger stark zu als im Jahr 1987.

Gold notiert heute zwar 60 Prozent höher als 1987, die Zuwächse liegen im gesamten Zeitraum jedoch unterhalb der Teuerungsrate. Das Preisniveau für die in den Vereinigten Staaten wichtigste Rohölsorte West Texas Intermediate (WTI) erhöhte sich dagegen gewaltig von 18,50 Dollar pro Barrel 1987 auf heute über 81 Dollar pro Barrel; das durchschnittliche Jahreswachstum beträgt 7,7 Prozent und liegt damit höher als die Inflation und das Wachstum des amerikanischen BIP, jedoch niedriger als die Wertsteigerung des S&P-500 oder das jährliche Gewinnwachstum der in diesem Index vertretenen Unternehmen.

Die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihen ist heute etwa 50 Prozent niedriger als 1987, während der amerikanische Leitzins (Fed Funds Rate) heute 250 Basispunkte unter dem Stand von vor 20 Jahren liegt. Und last but not least dürfte es niemanden überraschen, dass der Wert des Dollars gegenüber einem handelsgewichteten Korb ausländischer Währungen heute 21 Prozent unter dem Niveau von 1987 liegt.

Kursentwicklung der S&P-500-Sektoren

Nach diesem vergleichenden Blick auf Wirtschaftsgrößen und Aktienindizes wenden wir uns nun einer Analyse der Kursentwicklungen von Branchen innerhalb der Sektoren des S&P-500 zu, um ein besseres Verständnis der Branchenführer und -nachzügler in den drei oben genannten Zeiträumen rund um den Börsencrash von 1987 zu erhalten.

Da für den S&P-500 vor 1990 keine Sektordaten zur Verfügung stehen und Branchenstatistiken lediglich auf Grundlage von Monatsdurchschnitten vorgenommen wurden, sollten die nachfolgenden Ergebnisse eher als allgemeine Performance-Richtwerte denn als exakte Messwerte in Gestalt täglicher Schlusskurse betrachtet werden.

Während des Anstiegs des S&P-500 von Jahresbeginn 1987 bis zu seinem Höchststand im späten August stammten fünf der zehn Branchen mit der besten Wertentwicklung aus dem Grundstoffsektor: Aluminium, Behälter und Verpackungen, Kupfer, Gold und Stahl. Der Industriesektor war mit zwei Branchen vertreten: Maschinenbau und Entsorger. Die schwächste Performance zeigte der Sektor Finanzdienstleistungen mit acht von zehn Nachzüglern, was nach unserer Ansicht mit der von der Fed seit Dezember 1986 betriebenen moderat restriktiven Zinspolitik zusammenhängen könnte.

In 101 Tagen ein Drittel Wert vernichtet

Der Baissemarkt des Jahres 1987 vernichtete in 101 Kalendertagen 33,5 Prozent des Wertes des S&P-500 und liegt damit seit 1945 auf Platz zwei hinter dem Baissemarkt von 1990, als der S&P-500 in 84 Tagen einen Rückgang von 20 Prozent hinnehmen musste.

Während des Börsencrashs von 1987 ging es für alle 73 Branchen des S&P-500 abwärts. Die Branchen mit den geringsten Rückgängen fanden sich in den Sektoren Verbrauchsgüter, Informationstechnologie und Versorger. Die Branchen mit der schlechtesten Wertentwicklung - mit Kursrückgängen zwischen 37 und 64 Prozent - kamen hauptsächlich aus dem Sektor dauerhafte Konsumgüter, aber auch die Sektoren Finanzdienstleistungen und Industrie waren mit mehreren Branchen vertreten.

Nachdem der Baissemarkt zu Ende ging und der Markt auf Erholung einschwenkte, kamen jedoch fünf der führenden Branchen aus dem zuvor stark gebeutelten Sektor dauerhafte Konsumgüter, neben jeweils zwei Branchen der Sektoren Verbrauchsgüter und Industrie. Die Branchen, die sich während der Erholungsphase weniger erfolgreich schlugen - drei von ihnen waren gar rückläufig - kamen vorwiegend aus den Sektoren Industrie und Informationstechnologie.

Auch wenn im Oktober 1987 viele die Barbaren vor den Toren sahen, so erkannten zukunftsorientierte Anleger auch Gelegenheiten, die zu vielversprechend waren, um sie ungenutzt vorüberziehen zu lassen. Heute können sie zufrieden auf ihre weisen Entscheidungen zurückblicken.

Quelle: Business Week Online
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