Aktienfonds

Billiger Dax-Indexfonds besser als Großteil der gemanagten Produkte

06.12.2004
, 18:58
Anleger erwarten von Fondsmanagern für den Ausgabeaufschlag gute Leistung. Doch bei den auf deutsche Standard-Aktien setzenden Fonds schneidet ein einfacher Indexfonds besser ab als der Großteil der gemanagten Produkte.

Selten war der Deutsche Aktienindex (Dax) so günstig bewertet wie derzeit. Das auf den Ergebnisschätzungen der Analysten für dieses Jahr gründende Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei 14,1 nach 24,2 für 2003. Da die Zahlendeuter bisher unter den Strich die Gewinne zu konservativ geschätzt haben, dürfte der Index sogar etwas günstiger sein. Und das für 2005 geltende KGV beträgt lediglich zwölf. Der besser laufende MDax ist für dieses und das nächste Jahr mit 18 und 13,5 bewertet. Im Vergleich zu zehnjährigen Bundesanleihen ist der deutsche Leitindex so billig wie seit den siebziger Jahren nicht mehr: Das KGV des Dax im Verhältnis zu der entsprechenden Kennziffer des staatlichen Zinstitels, die sich aus der Division von 100 durch die aktuelle Rendite von 3,77 ergibt, liegt bei 0,44 nach etwa 1,52 zu Anfang 2000.

Dennoch haben sich Investoren mit dem Kaufen deutscher Standardaktien in diesem Jahr zurückgehalten. Waren es in der ersten Jahreshälfte die Angst vor aggressiv steigenden Zinsen in Amerika und Zweifel an der Nachhaltigkeit des Wirtschaftsaufschwungs, so hat danach der starke Euro im Verein mit dem Ölpreisanstieg vielen Anlegern das Kaufen verleidet. Das zeigt sich in der Wertentwicklung des Dax: Lediglich knapp elf Prozent hat er binnen Jahresfrist zugelegt, während der MDax um 20,1 Prozent und der SDax um 18,5 Prozent gestiegen ist.

Und die zweite schlechte Nachricht: Viele Fondsanleger haben noch nicht einmal die Jahresperformance des Dax in der Tasche, wie die S&P-Datenbank zeigt. Binnen Jahresfrist hat der einfache und kostengünstige Fonds Dax ex, der lediglich den Index widerspiegelt, 79 von 96 gemanagten Produkten hinter sich gelassen. Und auf Sicht von drei Jahren schneidet er besser ab als die Hälfte der Deutschland-Fonds (siehe Link Deutschland-Aktienfonds).

Beste Dax-Performer bei vielen Fonds keine Spitzen-Positionen

Der Dax ist in den vergangenen zwölf Monaten um 10,60 Prozent gestiegen. Entsprechend fällt die Performance des Dax ex aus, der von der Hypo-Vereinbank-Tochter Indexchange nach dem Vorbild des Index gebaut wird. Bei diesem sogenannten Exchange Traded Fund muß sich kein Fondsmanagement groß Gedanken machen, welche Einzeltitel künftig am besten abschneiden: Die Gewichtung der Aktien im Dax gibt vor, wie der Dax ex auszusehen hat. Gleiches gilt für dessen kleinen Bruder MDax ex, der im Vergleich deutscher Nebenwerte-Fonds herausragt. So sind die größten Einzelposten im Dax ex: Siemens mit 12,3 Prozent, Deutsche Telekom (9,8), Eon (9,1) Daimler-Chrysler (8,9), Deutsche Bank (8,6), BASF (6,7), SAP (6,2), Allianz (4,9), Münchener Rück (3,5) sowie Bayer (3,2).

Bei einer Reihe namhafter Fonds, die wie der DWS Investa, der Metzler Aktien Deutschland, der OP Dax Werte oder der Postbank Dynamik Dax in den vergangenen drei Jahren schlechter abgeschnitten als der Dax ex, tauchen diese Schwergewichte ebenfalls auf. Allerdings anders gewichtet. So beträgt der Anteil von Siemens im DWS Investa 9,8 Prozent, während die T-Aktie wie BASF auf 8,7 Prozent kommt, Eon auf 7,2 Prozent, SAP auf 4,9, Deutsche Bank auf 4,4 und Allianz auf 4,2. Anders gesagt: BASF ist übergewichtet, alle anderen Dickschiffe sind übergewichtet. Da BASF besser gelaufen ist als der Dax, hat das Fondsmanagement den richtigen Entschluß gefaßt. Allerdings sollte es Eon noch stärker gewichtet haben, da dieser Titel den Dax deutlich hinter sich gelassen hat, und etwas mehr Telekom wäre auch nicht schlecht (gewesen).

Was auffällt: Die genannten, aktiv gemanagten Fonds haben die besten Dax-Performer nicht als Spitzentitel. Das sind: Continental mit einem Jahresplus von fast 60 Prozent, RWE mit einem Aufschlag von 48 Prozent, Adidas-Salomon mit 36,4 Prozent und Schering mit 26,7 Prozent. Dagegen könnte man gemessen an der Wertentwicklung auf die Aktien der Deutschen Bank (9,4), Siemens (minus 1,1 Prozent) oder SAP (4,5 Prozent) gut verzichten. Insgesamt haben in den vergangenen drei Jahren 44 aktiv gemanagte Deutschland-Aktienfonds schlechter abgeschnitten als der Dax ex. Und viele davon haben, was nicht verwundert, Aktien als Spitzen-Positionen, die dem Dax hinterher hinken. Die Frage ist nur: warum?

Warum Ausgabeaufschlag für schwaches Ergebnis bezahlen?

Und: Warum sollten Anleger zu aktiv gemanagten Aktienfonds greifen und einen Ausgabeaufschlag von vier bis fünf Prozent zahlen, wenn das Fondsmanagent nicht einmal den Markt schlagen kann? Gerade mit Blick auf das vergangene Jahr ist diese Frage berechtigt. Der Dax ex nimmt in der entsprechenden Rangliste den 16. Platz ein und rangiert vor den Branchenriesen DekaFonds, DIT Aktien Deutschland, DWS Deutschland oder UniFonds und Uni-Deutschland.

Dabei entfällt bei de Dax ex (ISIN: DE0005933931), so er über die Börse erworben wird, der Ausgabeaufschlag. Zudem ist die Managementgebühr mit 0,5 Prozent niedriger als bei den anderen Aktienfonds. Nicht zuletzt reicht der Fonds die einlaufenden Dividenden weiter, indem er sie ausschüttet, und zwar in Form von Anteilen zur Wiederanlage. Folglich wächt dadurch die Zahl der Dax ex-Anteile, die der Anleger erworben hat. Dieser Indexfonds ist, wie andere Exchange Traded Funds auch, einfach zu verstehen. Der Investor muß lediglich den Markt verfolgen, also den Dax in diesem Fall, und weiß, wie es um sein Investement steht. Ein weiterer Vorteil gegenüber aktiv gemanagten Fonds ist auch, daß der Dax ex fortlaufend über die Börse ge- und verkauft werden kann und der Preis regelmäßig ermittelt wird - und nicht nur einmal am Tag.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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