Aktienfonds

Branchen-ETFs haben mehr Aufmerksamkeit verdient

29.01.2004
, 15:38
Börsengehandelte Fonds, die Branchen abbilden, fristen neben auf großen Indizes laufenden Fonds und gemanagten Produkten ein Schattendasein. Angesichts ihrer Wertentwicklung verdienen sie aber mehr Aufmerksamkeit.

Exchange Traded Funds, die Aktien- oder Rentenindizes abbilden, sind weiter auf dem Vormarsch. Die Summe des verwalteten Kapitals ist in den vergangenen Quartalen stetig angestiegen und hat im letzten Vierteljahr 2003 einen neuen Rekord erreicht (In börsengehandelten Fonds soviel Kapital wie noch nie). Zwar halten sich Privatanleger bei diesen als auch börsengehandelte Fonds bezeichneten Produkten zurück - doch institutionelle Investoren greifen gerne und vermehrt zu ihnen.

Aus mehreren Gründen: Beim Kauf von Exchange Traded Funds (ETFs) über die Börse fällt im Gegensatz zu üblichen Aktienfonds kein Ausgabeaufschlag an, der erst hereingeholt werden muß. Zweites liegt die Jahresverwaltungsgebühr mit durchschnittlich 0,5 Prozent deutlich unter den entsprechenden Kosten für aktiv gemanagte Fonds. Drittens können ETFs jederzeit an der Börse verkauft werden. Und nicht zuletzt werden die ETF-Preise fortlaufend festgestellt und nicht nur einmal am Tag wie bei üblichen Investmentfonds.

Diese Vorzüge weisen auch börsengehandelte Fonds auf, die eine Branche abbilden, also auf einen Teilindex laufen. Nun fristen diese Produkte unter den ETFs ein Schattendasein im Vergleich zu Produkten, die große Indizes wie den Dax, den TecDax, den MDax oder den Euro Stoxx abbilden. Dabei haben Anleger binnen Jahrefrist mit Branchen-ETFs zum Teil erhebliche Gewinne einfahren können - und besser abschneiden können als mit gemanagten Fonds. Dies zeigt ein Blick auf Produkte des Marktführers IndexChange.

Den Durchschnitt aktiv gemanagter Fonds geschlagen

Die größten Kursgewinne stehen bei den Technologie-Fonds von IndexChange zu Buche, die die entsprechenden Branchenindizes Dow Jones Stoxx SM 600 und DJ Euro Stoxx abbilden. Der weltweit investierte DJ Stoxx 600 Technologie Ex (WKN 62 89 36) hat sich binnen Jahresfrist um 65 Prozent verbessert und in den vergangenen drei Monaten um 18,1 Prozent. Er spiegelt insofern die Rally bei Internet- und Computeraktien wider. Gleiches gilt für den DJ Euro Stoxx Technology Ex (ISIN: DE00 06 28 93 25), dessen Wert seit Mitte Januar 2002 um fast 57 Prozent gewachsen ist und um knapp ein Fünftel seit Oktober.

Damit haben diese Index-Fonds die aktiv gemanagten Produkte geschlagen. Denn: Weltweit investierte Technologie-Fonds legten laut FAZ.NET-Datenbank um 44,8 Prozent, auf Europa begrenzte Produkte um 27,5 Prozent.

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei ETFs zum Finanzsektor. Der DJ Stoxx 600 Banks Ex (WKN: 62 89 34) stieg binnen Jahresfrist im Wert um 34 Prozent, der auf Europa ausgerichtete DJ Euro Stoxx Banks Ex (ISIN: DE 00 06 28 93 09) um 46,3 Prozent. Dieser war in den vergangenen drei Monaten mit einem Plus von 15,1 Prozent relativ besser als der breiter angelegte Fonds, der im selben Zeitraum einen Zuwachs von 10,3 Prozent aufzuweisen hat. Auch in diesem Fall haben aktiv gemanagte Branchen-Aktienfonds im Schnitt schlechter abgeschnitten: Ein Plus von 26,5 Prozent steht bei Fonds mit europäischen Finanz-Aktien zu Buche, während entsprechende international ausgerichtete Fonds um 16,5 Prozent schwerer geworden sind.

Größe des Fonds sagt nichts über Kurschancen aus

Nette Zuwächse waren auch mit dem DJ Stoxx 600 Telecommunications Ex (WKN: 628 931) mit einem Plus vom 28 Prozent auf Jahresbasis und dem DJ Euro Stoxx Telecommunications Ex (WKN: 628 935), der sich um 28 Prozent verbessert hat, zu erzielen. Lediglich bei Exchange Traded Funds, die Pharma-Indizes abbilden, blieb der Wertgewinn bei knapp einem Fünftel. Die entsprechenden Produkte weisen auch im Vergleich zu den anderen genannten Branchen-ETFs mit jeweils weniger als 19 Millionen Euro den geringsten Börsenwert auf. Am schwersten ist der DJ Stoxx 600 Telecommunikations, der 73,2 Millionen Euro wert ist, während der erfolgreichere europäische Bruder DJ Euro Stoxx Telecommunications lediglich auf eine Marktkapitalisierung von 27,5 Millionen Euro kommt.

Zum Vergleich: Der auf den deutschen Leitindex Dax gemünzte Dax ex ist aktuell etwa 1,35 Milliarden Euro schwer und hat sich in den vergangenen zwölf Monaten um 54,7 Prozent verbessert. Der TecDax ex weist ein Volumen von 148 Millionen Euro auf und hat sich im selben Zeitraum um 75 Prozent verbessert, während der 42 Millionen Euro schwere MDax ex ein Plus von knapp 61 Prozent aufweist. Dies zeigt nebenbei: Die Größe eines Fonds sagt über die Kurschancen nichts aus.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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