Aktienfonds

Die ideale Fondsgröße gibt es nicht

19.09.2003
, 19:00
Ein hohes Volumen hat Vorteile bei den Kosten und der Infrastruktur, macht den Fonds aber gleichzeitig schwerfällig. Kleinere Fonds dagegen haben oft ein hohes Risiko - das wiederum schnelle Gewinne verspricht.
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Die Größe eines Fonds hat keinen systematischen Einfluß auf dessen Wertentwicklung. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Finanzdienstleisters Lipper, der damit einen interessanten Beitrag zur Diskussion um den Zusammenhang zwischen Fondsvolumen und Wertentwicklung liefert. Für den Zeitraum zwischen 1991 und 2001 fanden die Lipper-Experten keinen statistisch signifikanten Unterschied in der Wertentwicklung großer und kleiner Fonds.

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In der Theorie sprechen zwei Argumente dafür, daß große Fonds besser abschneiden als kleine: Sie verfügen in der Regel - was Forschung und Analyse betrifft - über eine bessere Infrastruktur und haben aufgrund ihrer Größe Kostenvorteile. So kann etwa der hohe Fixkostenblock einer Fondsgesellschaft auf ein größeres Mittelvolumen umgelegt werden.

Als Nachteil für größere Fonds gilt hingegen der Umstand, daß ihre Transaktionen einen größeren Einfluß auf den Preis der jeweiligen Wertpapiere haben: Muß der Fonds eine größere Position verkaufen, so drückt diese Transaktion selbst den Preis des Wertpapiers - mit entsprechenden Folgen für die Erfolgsbilanz des Fonds. Kleine Fonds hingegen können sich jederzeit problemlos von ihren Positionen trennen, ohne daß der Preis des jeweiligen Papiers stark leidet. Sie sind damit wesentlich flexibler.

Anlageuniversum sollte mit dem Fonds wachsen

Als weiterer Vorteil kleiner Fonds gelten deren Möglichkeiten in bezug auf das Anlageuniversum: Sie können bei kleinem Investitionsvolumen problemlos in alle Papiere investieren, die ihnen attraktiv erscheinen, während große Fonds aufgrund der Höhe ihrer anzulegenden Mittel auch gezwungen sein können, in die zweitbeste Anlageidee zu investieren - schließlich müssen die Kundengelder angelegt werden. Ein großer Fonds braucht also ein entsprechend großes Anlageuniversum. „Das Anlageuniversum sollte mit dem Fondsvolumen wachsen", sagt Rolf Drees von Union Investment.

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Große Fonds können zudem in Werte mit geringer Marktkapitalisierung nur einen Bruchteil ihrer Mittel investieren, während solche Nebenwerte, prozentual gesehen, in einem kleinen Fonds einen wesentlich größeren Anteil am Gesamtportfolio haben können. Die Konsequenz: Kleine Fonds können mit Nebenwerten ihre Wertentwicklung stark beeinflussen.

Investiert ein Fonds beispielsweise in einen Nebenwert, der rasant steigt, so steigt die gesamte Wertentwicklung des Fonds bei kleinen Fondsvolumina ungleich stärker als bei großen Fonds, da dieser Nebenwert in einem kleinen Fonds einen wesentlich höheren Anteil am Gesamtportfolio haben kann als bei einem großen Fonds.

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Riskante Wetten

Doch so gut sich das für den Anleger anhört, so riskant kann es auch sein: Da kleine Fonds sich für die Gesellschaft ab einer bestimmten Größe nicht mehr rechnen, droht ihnen die Schließung. Deswegen kann die Gesellschaft bei kleinen Fonds versucht sein, riskantere Wetten mit ebensolchen Nebenwerten einzugehen. Laufen die Nebenwerte gut, so gewinnt der Fonds an Wert und neue Kunden. Geht die Wette schief, wird der Fonds geschlossen und die Anleger tragen die Verluste. So können kleine Fonds rasch zu einer Wette auf Kosten des Fondskunden mutieren.

Zu allem Übel läßt sich das Fondsvolumen für den Anleger nicht immer exakt bestimmen. „Entscheidend ist nicht die Größe des Fonds, sondern wie viele Mandate der Fondsmanager zum gleichen Anlagethema insgesamt betreut", sagt Wolfgang Kaiser vom Finanzdienstleister Fondsconsult. Oft betreue er neben dem offiziellen Publikumsfonds auch noch Spezialfondsmandate, so daß die Höhe der tatsächlich verwalteten Fondsvolumina höher sei als von außen ersichtlich.

Quelle: hbe. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.09.2003, Nr. 219 / Seite 19
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