Aktienfonds Osteuropa

Fondsmanager favorisieren Banken und Energiewerte

27.04.2001
, 17:00
Nach starken Wertrückgängen in den vergangenen zwölf Monaten schreiben einige Osteuropa-Aktienfonds seit Jahresbeginn wieder schwarze Zahlen.
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Manchmal kann sich Martin Hrdina nur wundern. „Immer wieder wird im Zusammenhang mit Aktienanlagen in Osteuropa nach der Ländergewichtung gefragt“, so der Fondsmanager des österreichischen Raiffeisen Osteuropa Aktien, einer der besten Fonds für Osteuropa-Aktien. „Wir haben bereits vor Jahren begonnen, uns neben einer Länderspezialisierung auch auf eine Branchenbeobachtung zu konzentrieren“, erklärt Hrdina weiter.

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Fündig wird Hrdina dabei derzeit vor allem im Bankenbereich, den er in seinem Fonds stark übergewichtet hat. Zu seinen Favoriten gehören dabei zum Beispiel die beiden tschechischen Banken Ceska Sporitelna und Komercni Banka. An Ceska Sporitelna gefällt ihm besonders das starke Management Team, das sich hohe Restrukturierungsziele gesetzt hat. Bei Komercni Banka setzt der Raiffeisen-Mann auf die in den nächsten Monaten anstehende Privatisierung, bei der die italienische Unicredito als geheimer Favorit gilt. Beide Aktien seien zudem mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwas über sieben auf Basis der Gewinnschätzungen für 2002 sehr günstig bewertet.

Übernahmefantasie sorgt für Kursgewinne

Einige seiner Kollegen haben Hrdinas Ruf nach stärkerer Berücksichtigung des Branchen- und Einzelwerteansatzes bereits umgesetzt. Andy Wiles beispielsweise, der den Regent Magna Europa managt. „Wir schauen überhaupt nicht mehr nach einzelnen Ländern“, sagt Wiles, „für uns ist ausschließlich der absolute Return, also die Kursentwicklung einzelner Aktien ausschlaggebend.“

Auch in seinem Fonds steht der Bankensektor auf der Kaufliste. So etwa die slowenische SKB Banka, für die vor kurzem die Société Générale ein Übernahmeangebot abgegeben hat. Der Kurs kletterte innerhalb weniger Monate um 60 Prozent. Eine ähnliche Geschichte erwartet Wiles für die kroatische Zagrebacka Banka, die rund 35 Prozent des gesamten Bankensektors in Kroatien kontrolliert. Außerdem habe die italienische Unicredito bereits Interesse an einer Übernahme signalisiert.

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Der Computer hilft bei der Aktienauswahl

Gut gefallen ihm auch die russischen Energiewerte wie Lukoil und Surgutneftegaz. „Die Opec hat ihre Absicht signalisiert, den Ölpreis auf einem Niveau zwischen 22 und 25 Dollar zu halten“, so Wiles, „die russischen Unternehmen aber arbeiten selbst bei neun Dollar noch profitabel.“

Das ist auch für Jürgen Kirsch ein Grund, die Energiewerte in Russland im Auge zu behalten. Der Fondsmanager des Griffin Eastern European Fund favorisiert allerdings derzeit die wesentlich günstiger bewertete Surgutneftegaz gegenüber Lukoil.

Auch Kirsch ist kein Freund der so genannten Top-Down-Strategie, die zuerst nach der Ländergewichtung schaut. „Wir haben uns eine eigene Datenbank zu osteuropäischen Aktien aufgebaut, die wir aktiv pflegen“, erklärt Kirsch, „das ist ein wichtiger Bestandteil unserer Anlageentscheidungen.“ Nicht nur, um den Überblick über die wichtigsten Unternehmenskennzahlenzahlen und deren Veränderungen zu behalten. Kirsch arbeitet mit seinem Programm auch bestimmte Kurszielmarken für Kauf oder Verkauf einzelner Aktien heraus.

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Niedrige Bewertungen

Einen solchen Wert hat Kirsch beispielsweise in der russischen Norilsk Nickel ausgemacht. Das Unternehmen hat eine führende Position in der weltweiten Versorgung mit Nickel und Palladium. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von eins ist es zudem extrem niedrig bewertet.

Auch der russische Mobilfunkanbieter MTS hat es dem Griffin-Mann angetan. Das Unternehmen, an dem auch die Deutsche Telekom beteiligt ist, verfüge nicht nur über ein hervorragendes Management, sondern sitze auch auf sehr viel Liquidität. In Verbindung mit einer sehr niedrigen Bewertung und vor allem den Expansionsmöglichkeiten in Russland mache das die MTS zu den interessantesten Mobiltelefonfirmen weltweit.

Quelle: @hh
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