Aktienfonds/Zertifikate

Beim Index-Kauf fließt das meiste Geld in enttäuschende Märkte

31.01.2005
, 18:15
Wer vom Trend an den Aktienmärkten profitieren, aber nicht in Einzeltitel investieren will, kauft Index-Produkte. Das meiste Geld fließt dabei aber nicht in die Märkte mit der besten Wertentwicklung, sondern in die liquidesten.

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Trotz des schon vor knapp einem Jahr von diversen Aktienstrategen angestimmten und zum Jahresende 2004 wieder aufgenommenen Abgesangs auf Nebenwerte, laufen sogenannte Small und Mid Caps weiter klar besser als die Blue Chips im Dax oder EuroStoxx 50.

Performance-Spitzenreiter ist aus deutscher Sicht das Kleinwertesegment SDax mit einem Plus von 18,1 Prozent binnen Jahresfrist und einem Zuwachs von gut sieben Prozent seit Anfang Januar. Der MDax hat sich als zweitbester Index im gleichen Zeitraum um 17,4 Prozent und 3,9 Prozent verbessert. Der Dax bringt es dagegen nur auf ein mageres Jahresplus von 1,24 Prozent und hat sich in den vergangenen vier Wochen sogar um 1,4 Prozent abgeschwächt. Der EuroStoxx 50 tritt sich seit dem Jahreswechsel auf der Stelle und ist in den vergangenen zwölf Monaten um bescheidene zwei Prozent schwerer geworden. Mithin schlägt auch der junge German Entrepreneurial Index (Gex), in dem inhabergeführte Unternehmen zusammengefaßt sind, die ganz großen Brüder: Er weist ein Jahresplus von 13,3 Prozent und einen Monatsgewinn von 5,9 Prozent aus (Jüngstem Dax-Bruder Gex gelingt glänzender Start).

Dax, EuroStoxx 50 und MDax haben gemeinsam, daß Anleger mit Index-Fonds (Exchange Traded Funds) auf sie wetten können. Zum SDax und zum Gex gibt es (wie zu den anderen Indizes) entsprechende Zertifikate. Der Blick auf die Umsätze fördert etwas zutage, was angesichts der Wertentwicklung der einzelnen Märkte erstaunlich anmutet: Auf Dax und EuroStoxx gemünze Fonds und Zertifikate werden ungleich häufiger und mit mehr Geld gekauft als entsprechende Produkte, die auf den MDax, den SDax oder den seit Jahresbeginn gelisteten Gex laufen. Anbieter von Fonds und Zertifikaten liefern mehrere Gründe.

HSBC: Dax macht bei Zertifikaten zwei Drittel des Volumens aus

„Die meisten Anleger sind kein homo oeconomicus. Sie handeln nicht opportunistisch, kaufen also nicht die beste Performance, sondern sie sind auf die großen Indizes fixiert“, sagte Heiko Weyand von HSBC Trinkaus & Burkhardt, einem Emittenten von Zertifikaten. Die Fixierung liege auch und gerade an der Bekanntheit großer Titel und deren Erwähnung in den Medien, vor allem in den Börsennachrichten im Fernsehen. „Viele Anleger gucken auf den Dax und die entsprechenden Werte, also etwa auf Siemens, die Deutsche Telekom oder Infineon. Eine Techem etwa, die sich im MDax und im Gex findet, wird dagegen selten erwähnt, obwohl sie viel besser läuft als die meisten Dax-Aktien.“ Die Folge: Privatanleger gingen zu ihrem Bankberater und kauften Dax-Fonds.

Dazu passen die Handelsvolumina bei HSBC. Der Dax mache etwa zwei Dritttel des gesamten Volumens aus, wie Weyand sagte. Der EuroStoxx mache 20 Prozent aus. Auf die Nebenwerte MDax und SDax einerseits und TecDax andererseits entfielen jeweils rund zehn Prozent. Dabei handele es sich um Durchschnittswerte. Produktempfehlungen in Medien hätten zum Teil spürbare Auswirkungen auf das Verhältnis.

„Viele Anleger hätten im Nachhinein wohl gerne den MDax gekauft“

Mit dem unterschiedlichem Bekanntheitsgrad argumentiert auch Indexchange, ein Anbieter von Indexfonds, der bis vor kurzem mit seinem Produkt Dax ex das Monopol beim Dax hatte und keinen Konkurrenten zu fürchten hatte. Wie bei HSBC ist die Schere zwischen großen Indizes und Nebenwerten beachtlich. Mit dem Dax ex sind im vergangenen Jahr 14,9 Milliarden Euro umgesetzt worden, mit dem entsprechenden Fonds auf den EuroStoxx 8,1 Milliarden Euro. Dagegen wurden beim MDax ex nur 135 Millionen Euro verzeichnet und beim TecDax ex 207 Millionen Euro, wobei dieser Fonds Verluste produzierte, weil der Index an Wert verlor.

Angesichts der Wertentwicklung hätten zuletzt viele Anleger offenbar auf das falsche Pferd gesetzt. „Viele Investoren hätten wahrscheinlich im Nachhinein gerne einen MDax-Fonds gekauft“, heißt es bei der Tochter der Hypo-Vereinsbank. Allerdings lasse sich die unterschiedliche Wertentwicklung von Indizes rückblickend gut darstellen und vergleichen - aber eben schlecht prognostizieren.

„Der Dax verträgt viel mehr Geld als der MDax“

Ein wesentlicher Punkt für die Umsätze bei Indexfonds, die im Gegensatz zu Indexzertifikaten zum überwiegenden Teil von institutionellen Investoren gekauft würden, sei die Größe des Marktes. Der Dax zähle wie der EuroStoxx zu den liquidesten Märkten, die zudem anders als MDax oder SDax mit Futures unterlegt seien. Die Folge: „Der Dax verträgt viel mehr Geld als der MDax, ohne daß ein paar größere Transaktionen auf die Kurse durchschlägt.“ Schließlich muß gewährleistet sein, daß hinter dem jeweiligen Index die entsprechenden Titel stehen. Denn andernfalls würden die Indexfonds nicht den entsprechenden Markt abbilden.

Gedanken über etwaige Marktbewegungen durch eigene Orders müssen sich Privatanleger gemeinhin nicht machen. Ihre Aufmerksamkeit sollte sich zuvörderst auf die Wertentwicklung richten: Bis dato laufen Nebenwerte klar besser als Blue Chips. Und die Trends stimmen: Der MDax hat am Montag mit knapp 5.637 Punkten ein weiteres Mal sein Rekordhoch ausgebaut, der SDax steht mit 3.365 Punkten so hoch wie seit Ende September 2000 nicht mehr und schickt sich an, den Widerstand bei 3.390 Zählern zu knacken.

Quelle: @thwi
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