Aktienmarkt Amerika

Weitere Schwierigkeiten bei Dow Jones & Co. in Sicht

Von Mark Arbeter
11.10.2005
, 10:22
S&P erwartet weitere Kursverluste bei Aktien in den kommenden ein bis zwei Monaten, obgleich eine Kurserholung entgegen dem Trend kurzfristig durchaus möglich ist.

Die Börse hat den September ohne größere Schwierigkeiten überstanden, aber im Oktober sieht es bislang anders aus. Die wichtigen Indizes wurden von einer wahren Verkaufswelle hart getroffen und haben dabei unserer Meinung nach einige entscheidende technische Unterstützungsebenen durchbrochen. Obwohl wir in den kommenden ein bis zwei Monaten mit weiteren Kursverlusten bei Aktien rechnen, halten wir eine Kurserholung entgegen dem Trend kurzfristig dennoch für möglich.

Der S&P-500 durchbrach in der vergangenen Woche einige entscheidende technische Unterstützungsbereiche und bestätigte bedauerlicherweise die pessimistische Doppelspitzen-Formation. Am vergangenen Mittwoch schloß der Index bei 1.196,39 Punkten und unterbot damit sein jüngstes Schlußtief bei 1.205 Punkten von Ende August und auch sein August-Tagestief bei 1.201 Punkten. Darüber hinaus ist dieser Rückgang um 1,5 Prozent die schlechteste Tagesperformance des S&P-500 seit dem 15. April, als der Index um 1,7 Prozent einbrach.

Hohe Verkaufsvolumina stimmen bedenklich

Das überaus starke Handelsvolumen in der vergangenen Woche verstärkt zudem unsere Bedenken im Hinblick auf den Aktienmarkt. Am Dienstag lag das Handelsvolumen bei 1,7 Milliarden Aktien und stieg am Mittwoch auf 1,9 Milliarden bzw. am Donnerstag auf 2,1 Milliarden. Dieses hohe Verkaufsvolumen lag deutlich über dem 50-Tage-Durchschnitt von 1,5 Milliarden Aktien. Der Drei-Tage-Durchschnitt des Handelsvolumens von 4. bis 6. Oktober war der höchste seit April. Wir glauben, daß vor allem die institutionellen Anleger in der vergangenen Woche Aktien abgestoßen haben und sehen in dieser Entwicklung ein Warnsignal für Anleger.

Bild: FAZ.NET

Kurzfristig gesehen halten wir eine Kurserholung am Aktienmarkt für möglich, glauben aber, daß diese gegen dem Trend liefe und daher letztlich scheitern würde. Der S&P-500 fiel am Donnerstag auf einige deutliche technische Unterstützungsbereiche zurück und bereitet somit angesichts der zusätzlich kurzfristig vorherrschenden stark überverkauften Situation dem Markt den Weg für eine mögliche Kurserholung. Die bedeutendste Unterstützungsebene, von der der S&P-500 am Donnerstag abprallte, ist eine aus den Tiefs vom August 2004 und April 2005 abgeleitete Trendlinie.

Darüber hinaus bot eine aus den jüngsten Tiefs resultierende kurzfristige Trendlinie dem S&P-500 am Donnerstag ebenfalls Unterstützung. Der untergeordnete Chartunterstützungsbereich zwischen 1.180 und 1.190 Zählern aus den Tiefs Ende Juni/Anfang Juli mag unter Umständen auch zur Stabilisierung am Donnerstag und Freitag beigetragen haben. Nach oben hin findet sich Chartwiderstand im Bereich zwischen 1.200 und 1.210 Punkten. Der Index hat eine Reihe niedrigerer Hochs und Tiefs nachgezeichnet, so daß eine Kurserholung bis zum oberen Ende der Abwärtsbewegung den Index bis in den Bereich bei 1.224 Zählern führen könnte.

Kurserholung dürfte nicht von Dauer sein

Der jüngste schnelle Kurseinbruch hat die Börse in eine relativ extrem überverkaufte Situation gebracht. Auch deshalb halten wir eine Erholung für möglich. Der Sechs-Tage-Relative-Stärke-Index (RSI) fiel am Donnerstag auf 19 und somit auf den niedrigsten Stand seit April, während der 14-Tage-RSI auf 33 abrutschte, was ebenfalls der niedrigste Wert seit April ist. Der Vier-Tage-Rate-of-Change-Indikator (ROC) im S&P 500 lag zum Handelsschluß am Donnerstag bei minus drei Prozent und erreichte damit die schwächste Vier-Tage-Performance seit April.

Bei den internen Kennzahlen erreichte die Down/Up-Volume-Ratio an der NYSE am Donnerstag ihren höchsten Stand seit April. In den vergangenen Jahren wurden derart überverkaufte Situationen einige Male von recht deutlichen Kurserholungsphasen gefolgt, darunter auch die Kurserholung im Anschluß an die Tiefs vom April.

Ein charakteristisches Merkmal einer Hausse ist das Potential für eine deutliche Kurserholung nach dem Erreichen einer überverkauften Situation. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch, daß Kurserholungen in der Baisse aus einer überverkauften Situation heraus zwar sehr stark ausfallen können, aber nicht von Dauer sind. Wenn die Kursstärke nach einer überverkauften Situation nicht gehalten werden kann, ist das unserer Ansicht nach sehr schlecht, weshalb wir glauben, daß die kommenden ein bis zwei Monate für die Börse sehr aufschlußreich sein werden.

Im S&P sind 1.155 möglich

Mittelfristig gesehen war der Schaden aus technischer Sicht in der vergangenen Woche gravierend genug, um weitere Kursverluste für die Zukunft zu erwarten. Addiert man die Breite der Doppelspitze und subtrahiert dies dann vom Durchbruchspunkt, erhält man ein Anfangsziel der Kursverluste von 1.155 Punkten. Darüber hinaus findet sich eine recht ordentliche Chartunterstützung in diesem Bereich, da der S&P-500 dort im April seinen Tiefpunkt erreichte.

Dieser Bereich ist im Hinblick auf Unterstützung auch entscheidend, da ein 50prozentiges Retracement der Kurserholung im Anschluß an die Tiefs vom August 2004 bei 1.154 liegt. Abgesehen davon, daß der S&P-500 Chartunterstützung im Bereich zwischen 1.200 und 1.210 Punkten durchbrochen hat, fiel er in dieser Woche auch unter einige entscheidende gleitende Durchschnitte, darunter der exponentiell gleitende 50-, 150- und 200-Tage-Durchschnitt. Außerdem durchbrach der Index eine aus den Tiefs vom Juni und August abgeleitete Trendlinienunterstützung.

Nasdaq könnte unter 2.000 fallen

Der Nasdaq durchbrach entscheidende Chartunterstützung bei 2.100 Zählern und setzte sein Muster niedrigerer Hochs und Tiefs fort. Der Index unterbot außerdem seinen exponentiell gleitenden 50- und 80-Tage-Durchschnitt. Auch seinen längerfristigen exponentiell gleitenden 150-Tage-Durchschnitt durchbrach der Nasdaq zum ersten Mal seit Mitte März nach unten und liegt nun fast sechs Prozent unter seinem Schlußhoch vom 2. August bei 2.218,15 Punkten.

Wie der S&P-500 fand der Index am Donnerstag Unterstützung und erholte sich. Eine aus den jüngsten Tiefs resultierende Trendlinienunterstützung kommt bei 2.079 Punkten zum Tragen, wobei der exponentiell gleitende 200-Tage-Durchschnitt bei 2.083,11 Zählern liegt. Der Nasdaq schloß am Donnerstag bei 2.084,08 Punkten und bleibt damit zunächst oberhalb dieses langfristigen Durchschnitts.

Weitere Unterstützung entsteht durch eine Ebene der Chart-Congestion von Anfang des Jahres zwischen 2.050 und 2.100 Zählern. Wichtigere Chartunterstützung liegt im Bereich von 1.900 bis 2.000 Punkten. Ein 50prozentiges Retracement der Kurserholung seit August 2004 führt in den Bereich bei 1.985 Punkten.

Optimismus hat etwas nachgelassen

Trotz der jüngsten Kursschwäche bleibt die Anlegerstimmung in Bezug auf Aktien gemischt. Die Verhältniszahlen von Put- zu Call-Optionen an der Chicago Board Options Exchange (CBOE) sind sehr hoch, was sich unseres Erachtens am Ende als positiv erweisen könnte.

Die Verhältniszahlen von Put- zu Call-Optionen ausschließlich für Aktien sind jedoch weiterhin sehr niedrig, was auf eine gewisse Selbstzufriedenheit unter den Anlegern im Bereich Optionen schließen läßt. Die Anlegerstimmung ist laut einiger entsprechender Untersuchungen nicht mehr so extrem optimistisch, aber auch noch nicht so pessimistisch wie im Vorfeld vieler Markttiefs.

Laut Investor´s Intelligence gibt es zum Beispiel 21,7 Prozent mehr optimistische als pessimistische Anleger. Beim Börsentief im April gab es nur 13,1 Prozent mehr Bullen als Bären und beim großen Tief im vergangenen August gab es nur 9,4 Prozent mehr optimistische als pessimistische Anleger.

Rohölpreise zeigen nach unten

Die Rohölpreise sind in der vergangenen Woche stark gefallen und schlossen bei 61,84 Dollar pro Barrel, was einem Rückgang um 4,40 Dollar bzw. 6,6 Prozent entspricht. Bei Rohöl gab es sowohl eine Kopf-Schulter-Top-Formation als auch die Formation des fallenden Dreiecks. Beide Formationen lassen aus unserer Sicht auf eine gemäßigte Abwärtsbewegung in den Bereich um die 55 Dollar schließen.

Die Momentum-Indikatoren auf Tages- und Wochenbasis sind negativ, was für weiteren Druck auf die Preise sorgen dürfte. Zwischen 56 und 61 Dollar gibt es eine Ebene, die Unterstützung liefern könnte. Außerdem führt ein 50prozentiges Retracement der Kurserholung seit Mai in den Bereich bei 58 Dollar, während ein Retracement um 61,8 Prozent der Kurserholung auf 55,50 Dollar zielt.

Die letzte größere Korrektur bei Rohöl (im April und Mai) nahm 61,8 Prozent der vorangegangenen Erholung wieder zurück. Der exponentiell gleitende 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 56 Dollar.

Renditen sollten höher tendieren

Die Renditen der amerikanischen Schatzanweisung sind in der vergangenen Woche leicht gestiegen, wobei die Rendite der Zehnjährigen am Freitag ein Tageshoch von 4,44 Prozent erreichte bevor sie zurücksetzte und mit 4,36 Prozent schloß. Das Tageshoch vom Freitag war der höchste Stand der Rendite der zehnjährigen amerikanischen Schatzanweisung seit April.

Die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Schatzanweisung hat eine entscheidende Chartunterstützungsebene bei 4,4 Prozent erreicht, was dem Hoch vom August entspricht. Von größerer Bedeutung ist unter Umständen die Tatsache, daß die Renditen die Trendlinienunterstützung aus den Hochs vom März und August durchbrochen haben. Dies läßt uns darauf schließen, daß die Renditen kurz- bis mittelfristig höher tendieren werden.

Die nächste entscheidende Chartunterstützungsebene liegt zwischen 4,5 und 4,7 Punkten. Außerdem gibt es eine langfristige Trendlinienunterstützung bei 4,55 Prozent, die auf die Renditehochs im Mai 2004 und März 2005 zurückgeht.

Der Autor ist technischer Chefanalyst bei Standard & Poor's.

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