S&K-Betrugsprozess

Ankläger lassen Betrugsvorwürfe im S&K-Prozess fallen

Von Marcus Jung
27.01.2017
, 07:39
Dem Angeklagten im S&K-Betrugsprozess Jonas K. werden im Gerichtssaal des Landgerichts Frankfurt am Main am 24.09.2015 die Handschellen abgenommen.
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Die Staatsanwaltschaft führte in den vergangenen Tagen Gespräche mit den Strafverteidigern aller Angeklagten. Das Mammutverfahren könnte deutlich früher enden als bisher angenommen.
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Das Strafverfahren gegen die Führungsriege der Frankfurter Immobiliengesellschaft S&K läuft schon seit mehr als 16 Monaten am Frankfurter Landgericht. Vier der fünf Angeklagten sitzen seit Februar 2013 in Untersuchungshaft in hessischen Gefängnissen. Den Männern wird vorgeworfen, mit Hilfe eines komplizierten Firmengeflechts 11000 Anleger um mindestens 240 Millionen Euro erleichtert zu haben. Von dem Großteil des Geldes fehlt bis heute jede Spur. Nach hundert Verhandlungstagen kommt nun Bewegung in einen der aufwendigsten Wirtschaftsprozesse der vergangenen Jahrzehnte.

„Es hat in den letzten Tagen Gespräche mit den Strafverteidigern aller Angeklagten gegeben“, bestätigte Oberstaatsanwalt Noah Krüger der F.A.Z. Krüger, der im Prozessverlauf die Verantwortung für den Fall übernommen hat, will das Mammutverfahren entscheidend abkürzen: Die Strafverfolger wollen die Betrugsvorwürfe gegen die beiden S&K-Gründer Stephan Schäfer und Jonas Köller und drei weitere Männer fallen lassen, damit die Strafkammer schneller zu einem Urteil kommen kann. Konkret geht es um eine Teileinstellung in diesen Punkten der Anklage. Die Männer müssten sich weiter wegen der Untreue beziehungsweise Beihilfe im Zusammenhang mit dubiosen Fonds- und Immobiliengeschäften verantworten.

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Der Vorstoß der Strafverfolger erfolgt aus prozessökonomischen Gründen. Nach anfänglichem Beharren auf ihrer mehr als 1700 Seiten starken Anklageschrift ist die Staatsanwaltschaft mittlerweile bereit, sich auf die Anklagepunkte zu beschränken, in denen die Beweisaufnahme vor der Strafkammer schon erfolgt ist. Der Tatvorwurf lässt sich leicht nachweisen, so jedenfalls die Einschätzung der Ankläger. Soweit es um den Betrugsvorwurf geht, ist das Gericht dagegen mit seiner Aufklärung noch am Anfang. Krüger geht davon aus, dass die Darstellung der Kontenbewegungen zahlreicher S&K-Tochtergesellschaften – insgesamt haben die Ermittler mehr als 100 Terrabyte Daten ausgewertet – sowie die Anhörung zahlreicher Zeugen das Verfahren verlängert. „Wir sprechen von ein bis zwei Jahren“, konkretisiert Krüger den Zeitrahmen. „Da kann man fragen: Wann nimmt das Verfahren ein Ende?“

Angeklagte zeigen sich kooperativ

Diese Fragen stellten sich auch die Protagonisten auf der Anklagebank und deren Strafverteidiger. Die einen, weil sie vom Prozessbeginn an über die Beschwerlichkeiten der Untersuchungshaft klagten. Ihre Anwälte, weil sie der Staatsanwaltschaft immer wieder vorhielten, das Verfahren unnötig in die Länge zu ziehen. Nachdem das Gericht beide Seiten in der Verhandlung mehrfach zur Räson rufen musste, ist nun Vernunft eingekehrt.

Der mitangeklagte Unternehmer Thomas G. hat schon im Frühjahr 2016 ein Geständnis abgelegt. Nun sollen auch die anderen Angeklagten kooperativ sein. Das hat im Fall der Verurteilung positive Auswirkungen auf das Strafmaß. Für S&K-Mitgründer Stephan Schäfer stehen laut Krüger acht bis neun Jahre Haft im Raum. Thomas G., der seit einigen Monaten nicht mehr in Untersuchungshaft ist, könnte demnach mit einer Haftstrafe zwischen vier Jahren und sechs Monaten und fünf Jahren rechnen.

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Auf jeden Fall wird die mehrjährige Untersuchungshaft angerechnet. Fallen die Inhaftierten im Gefängnis nicht unangenehm auf, könnte wegen guter Führung zudem später die Aussetzung der Reststrafe zur Bewährung möglich sein. Über die Absprachen mit den übrigen Angeklagten, darunter dem früheren S&K-Chef Jonas Köller, schweigt Krüger. Er will am Freitag zunächst das Gericht informieren. Die Strafkammer hat sich bislang nicht geäußert. Offene Absprachen im Strafprozess sind üblich, insbesondere wenn der Angeklagte geständig ist. Sie sollen den Aufwand im Verfahren verringern und die Justiz entlasten. Dass diese Praxis verfassungsgemäß ist, hat das Bundesverfassungsgericht 2013 bestätigt.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenbild/ Marcus Jung
Marcus Jung
Redakteur in der Wirtschaft.
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