Anlagestrategie

Gold ist nicht der sicherste Hafen

12.07.2005
, 14:59
Im Safe, nicht auf dem Markt
Gold gilt immer noch als sicherer Hafen gegen alle Bedrohungen, denen das Geld ausgesetzt ist. Doch das ist nicht wirklich richtig.
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Am Gold hängt, zum Golde drängt... von dem Edelmetall geht immer noch so etwas wie ein magischer Glanz aus. In unsicheren Zeiten greifen Anleger immer wieder gern auf Gold zurück. Wahrscheinlich geschieht dies mehr aus Gewohnheit .- will sagen, aus Spekulation, daß, wenn die Zeiten eben unsicher sind, der Goldpreis steigen wird.

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Langfristig scheint das ja zu stimmen. Zu Zeiten der größten Börsenhausse zwischen 1996 und 2000 kannte der Goldpreis nur ein Richtung - talwärts. Seitdem kennt er nur die andere Richtung - bergwärts.

Gold & Gangster

Schaut man auf die kurze Frist, so entdeckt man daß der Goldpreis nicht wirklich als Kontraindikator taugt. Als zwischen Juli 2004 und März 2005 der Dax nach oben lief, dauerte es bis November, daß sich der Goldpreis bewußt wurde, daß es nunmehr an der zeit sei, nicht weiter zu steigen. Und auch von die jüngste Hausse hat er wohl erst Ende Juni bemerkt.

Trotz langfristig guter Entwicklung des Goldpreises fragt sich immer, wie man davon am besten profitiert. Wer kauft schon unmittelbar Gold? Außerdem: Wer sich so sehr auf eine einzelne Branche bzw. einen Rohstoff kapriziert, läuft Gefahr sich zu spät umzuorientieren, wenn der Wind beginnt, aus einer anderen Richtung zu wehen.

Goldminenaktien haben mehr in sich als das Edelmetall und seinen Preis. Die Reihe der Skandale ist alt und lang, wenngleich vieles vergessen ist. Wer erinnert sich noch an Bre-X, die in den Neunzigern mit dem größten Goldfund der Geschichte auf Indonesien haus(s)ieren gingen? Am Ende stellten sich die Funde als gefälscht heraus (“salzen“ nannten das die Gräber im Goldrausch des 19, Jahrhunderts), ein Geologe stürzte unter mysteriösen Umständen aus einem Hubschrauber und der Goldpreis erst einmal ab.

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Wenig bekannt sind auch die Umstände wie die peruanische Compania de Minas Buenaventura zu ihrer Beteiligung an der größten südamerikanischen Goldmine Yancocha kam. Der französische Staat wollte seine Beteiligung an eine australische Minengesellschaft verkaufen. Doch Buenaventura bestand auf ein Vorkaufsrecht und gewann schließlich vor den peruanischen Gerichten. Nicht zuletzt auf Druck des peruanischen Geheimdienstes, der im Auftrag des damaligen Diktators Fujimori handelte.

Dieser wiederum war gerüchteweise sanft von der amerikansichen Botschaft dazu aufgefordert worden, für ein entsprechendes Urteil zu sorgen - weil Washington ansonsten nicht den Friedensvertrag mit Ecuador garantiert hätte.Zur Information: Die Mehrheit an der Mine gehörte der amerikanischen Newmont Mining.

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Und von den kleinen australischen Minengesellschaften läßt man als Anleger ohnehin besser die Finger.

Goldfonds: Für Schwankungsfreudige

Die Alternative sind immer noch Goldfonds. Die haben sich auf Fünf-Jahres-Sicht auch hervorragend geschlagen. Mit einer überdurchschnittliochen Wertentwicklung von 126 Prozent gehören sie zu den besten Branchenfonds. Mit einer überdurchschnittlichen Volatilität von 21 Prozent aber auch zu den volatilsten.

Das zeigt sich noch stärker auf kürzere Frist. Denn bei der Fünf-Jahres-Entwicklung spielt immer noch das Platzen der Technologieblase eine Rolle. Auf drei Jahre liegen Edelmetallfonds nur noch rund neun Prozent über der durchschnittlichen Wertentwicklung der Branchenfonds - aber 33 Prozent über der durchschnittlichen Volatilität. Auf kürzere Sicht sind es bereits über 50 Prozent.

Gold, Österreich und Eier

Die Aussage, daß die beste Form einer Investition in Gold das Gold am Hals einer schönen Frau ist, wird André Kostolanyi zugeschrieben - und ist nicht ganz verkehrt. Zumindest dann, wenn die Alternative ist, ganz oder überwiegend auf Gold zu setzen. Gold gilt als wertbeständig und macht sich daher in einem Niedrig-Inflations-Umfeld eher schlecht. Ein diversifiziertes Aktienportfolio macht sich da allemal besser. Und in gar zu unischeren Zeiten sind (Staats)-Anleihen allemal weniger volatil.

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Österreichische Aktienfonds sind in den letzten fünf Jahren besser gelaufen als Edelmetallfonds bei einer erheblich niedrigeren Volatilität. Glücklich derjenige, der es geahnt hat. Aber das ist ja das Geheimnis beim Investieren - hinterher wissen wir's alle.

Und so bleibt letztlich nur die alte Binsenweisheit, nicht alle Eier in nur einen Korb zu legen. Höchstens fünf Prozent des Kapitals in Edelmetallfonds zu investieren, empfehlen Vermögensverwalter zurecht. Ein diversifiziertes Portfolio ist letztlich eben doch krisensicherer.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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