Börsenaufsicht

Hedge Fonds müssen mit stärkerer Überwachung rechnen

04.11.2003
, 14:32
Die Geschäft mit Hedge Fonds brummt. Das bringt aber auch eine steigende Zahl an Gerichtsverfahren gegen Branchenvertreter mit sich. Um eine strengere Regulierung werden Hedge Fonds deshalb nicht herumkommen.
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Bei Hedge Fonds gab es in jüngster Zeit einige Skandale. Der New Yorker Staatsanwalt Eliot Spitzer ermittelt, ob Hedge Fonds illegale Handelsgeschäfte bei Investmentfonds betrieben haben. Anderen wird vorgeworfen, den Wert der Hedge Fonds zu hoch ausgewiesen zu haben.

Letzte Woche wurde Edward Strafaci, der frühere Executive Vice President von Lipper Holdings LLC, des Wertpapierbetrugs angeklagt. Er wird beschuldigt, den Wert von zwei Hedge Fonds um Hunderte von Millionen Dollar überhöht ausgewiesen zu haben. Ein paar Tage zuvor wurde der frühere Hedge Fondsmanager Bruton G. Friedlander angeklagt, er habe den Wert seiner Fonds zu hoch und falsch dargestellt.

Aber nicht nur in Amerika gibt es schwarze Schafe. In London erhielt der frühere Hedge-Fondsmanager Reto Moser von den britischen Aufsichtsbehörden Berufsverbot für den Finanzdienstleistungssektor. Er hatte den Wert seines Fonds aufgebläht und einen Handelsverlust von 54 Millionen Dollar verschleiert.

Zahl der Verfahren steigt

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Insgesamt steigt die Zahl der Verfahren gegen Hedge Fonds stetig. Im letzten Jahr erhob die amerikanische Börsenaufsicht SEC zwölf Klagen gegen Hedge Fonds, gegenüber sieben im Jahr 2001 und sechs im Jahr 2000.

Nach einer derartigen Welle von Skandalen werden die Forderungen nach einer stärkeren Überwachung lauter, insbesondere da die Branche in den letzten fünf Jahren stark gewachsen ist. Etwa 3.500 neue Hedge Fonds drängten an den Markt, damit sind es jetzt insgesamt etwa 6.000 weltweit. Das geht aus den Daten von Tremont Advisers Inc. in Rye, New York, hervor. Insgesamt verwalten sie ein Vermögen von 500 Milliarden Dollar, Tendenz steigend.

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Hedge Fonds tummeln sich am liebsten im Verborgenen

Die Hedge Fonds entwickeln sich zum neuen Machtfaktor an den Kapitalmärkten. Aber mit Macht sind zwei Dinge verbunden: das Rampenlicht und die Kontrolle. Das Rampenlicht mögen die Fonds nicht besonders. Die meisten von ihnen sind private Gesellschaften, in Steueroasen angesiedelt und handeln lieber im Stillen.

Die Aufsicht mögen sie noch weniger. Als die SEC dieses Jahr vorschlug, Hedge Fonds zu registrieren, erwiderte ihr Verband, die Managed Funds Association, es gäbe "derzeit genügend Aufsicht in der Hedge-Fondsbranche." Die Marschrichtung war: Wir sind private, unregulierte Anlagegesellschaften für die sehr reichen Leute und wir möchten, bitte sehr, dass dies so bleibt. " Das ist verständlich. Hedge Fonds waren stets wenig reguliert. Darin liegt ihre Stärke. Sie können dadurch Anlagestrategien entwerfen, um den Markt zu schlagen. Und sie können neue Wege gehen, ihre Fonds zu vermarkten.

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Vorfälle auch nicht überbewerten

Allerdings sollten die jüngsten Skandale auch nicht überbewertet werden. So viele Hedge Fonds wurden neu ins Leben gerufen, da ist es nicht verwunderlich, daß einige schwarze Schafe darunter sind. Hedge Fonds sind der Goldrausch dieses Jahrzehnts - und ein solcher Goldrausch lockt sowohl skrupellose Leute als auch ehrliche Naturen an.

Eine Achillesferse sind die Provisionen: Ein Hedge Fondsmanager kassiert eine Performance-Gebühr von 20 Prozent auf Wertzuwächse des Fonds. Nur ein Heiliger käme nicht in Versuchung, an den Zahlen zu drehen. Es ist kein Zufall, daß es bei den meisten Betrugsfällen um ein Aufblähen des Fondswertes ging.

Die Aufsichtsbehörden sehen hingegen einen riesigen, mächtigen Pool von Geld, über den sie keine Kontrolle haben, und das macht ihnen Angst. Der SEC-Vorsitzende William Donaldson erklärte bei einer Pressekonferenz in Washington im September: „Die SEC muss Möglichkeiten haben, die Hedge-Fondsberater zu überprüfen und ihre Aktivitäten zu überwachen." Mit einer Reihe von Betrugsfällen haben sie eine perfekte Entschuldigung, die Hedge Fonds unter ihre Aufsicht zu stellen.

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Selbstregulierung wäre die beste Lösung

Das Argument, daß die Branche keine Aufsicht braucht, wird nicht funktionieren. Auch ein verstärkter Rückzug in die Steueroasen wird nur kurzfristig helfen. Die Branche sollte lieber Vorschläge zur Selbstregulierung machen und für deren Einhaltung sorgen. Oder ihre eigenen Vorstellungen bei den Vorschriften einbringen. Es wird Zeit, daß die Hedge Fonds in ihrer Branche aufräumen. Wenn sie das versäumen, wird das jemand anderes für sie erledigen. Und das wird ihnen gar nicht gefallen.

Quelle: Bloomberg
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