Börsenlexikon

Exchange Traded Funds - dem Index auf den Fersen

11.04.2003
, 17:21
Im drei Jahre jungen Börsensegment XTF werden Exchange Traded Funds gehandelt. Dabei handelt es sich vor allem um Fonds, die einen Aktienindex abbilden. Sie sind durchschaubar und für Anleger kostengünstig.

Vor drei Jahren hat die Deutsche Börse AG eine neue Handelsplattform mit dem Kürzel XTF eröffnet. Auf dieser Plattform wird nur eine Version von Wertpapier gehandelt, die in Deutschland relativ jung ist: die Exchange Traded Funds, kurz ETF genannt.

Die Börse lobt diese Anlageform: „Exchange Traded Funds haben sich mittlerweile als Produkte für Privatanleger etabliert. Fast die Hälfte aller Orders kommen von Privatanlegern. Beim Start des Segments XTF betrug der Anteil lediglich 15 Prozent“, sagt Rainer Riess, verantwortlich für die Geschäftsentwicklung in der Abteilung Aktienmarkt bei der Deutschen Börse AG in Frankfurt.

Ein gesamter Aktienmarkt in einem Anteil abgebildet

Für viele Anleger sind Exchange Traded Funds gleichwohl noch ein unbekanntes Ding. Dabei ist ihr Prinzip nicht schwer zu durchschauen. Man stelle sich einen Aktienindex vor. Zum Beispiel den Deutschen Aktienindex (Dax), der 30 Titel aus einer Vielzahl von Branchen enthält, dieser Tage aus Anlagen- und Automobilbau, Bankwesen, Chemie- und Pharmaindustrie, Energie, Finanzdienstleistung, Handel, Informationstechnologie, Luftfahrt sowie Versicherungswesen.

Ein solcher Aktienmarkt in einem Anteil zusammengefasst - das ist, nach reiner angelsächsischer Lehre, das Prinzip der Exchange Traded Funds. 64 solcher ETF, auf deutsch als Index-Fonds bezeichnet, werden derzeit an deutschen Börsen gehandelt (hinzu kommen 23 aktiv gemanagte ETFs). Die umsatzstärksten Fonds sind der Dax Ex, der den Deutschen Aktienindex abbildet, und der Euro Stoxx 50 Ex, der am Dow Jones Euro Stoxx 50 der größten europäischen Aktien orientiert ist. Dies geht aus einem Papier der Deutschen Börse AG hervor. Diese beiden Exchange Traded Funds zählen gleichsam zu den am stärksten gehandelten Titeln im elektronischen Handelssystem Xetra.

Produkt einfach zu durchschauen

Mit Blick auf das Prinzip liegen die Vorteile solcher Fonds auf der Hand: Sie sind transparant - der Anleger weiß im Gegensatz zu anderen Investmentsfonds genau, was in den Anteilen steckt. Er muss sich nur die Gewichtung der einzelnen Aktien im jeweiligen Index vor Augen führen. Ausgabe- und Rückgabeaufschläge fallen nicht an. Weil solche ETF zudem ausdrücklich kein aktives Management brauchen, das schlecht laufende gegen gut laufende Titel auswechselt, sind sie mit geringen Kosten für den Emittent des Fonds verbunden.

Der Anleger profitiert über im Vergleich zu anderen Investmentprodukten deutlich geringeren Gebühren - sie liegen bei lediglich 0,2 Prozent des Anlagevermögens. Nicht zuletzt kommt ihm die Diversifizierung zugute und damit ein vergleichsweise niedrigeres Risiko als bei Branchenprodukten wie Technologiefonds. Der ETF bleibt dem jeweiligen Fonds auf den Fersen, entwickelt sich entsprechend.

Auch EFT-Produkte auf Rentenbasis

Außer Aktienindex-Fonds sind inzwischen auch einige entsprechende Renten-Produkte, die unter der ETF-Flagge segeln. Die 25 liquidesten deutschen Staatsanleihen sind etwa im eb.rexx Government Bond abgebildet. Dieser Fond ermöglicht es, ein ganzes Rentenportfolio wie eine einzelne Aktie zu handeln. Auch hier sind die Gebühren mit 0,15 Prozent „all inclusive“ sehr gering - obwohl durchaus ein aktives Management stattfindet. Die Zinsen, die dem Fond aus den Anleihen zufließen, werden wieder in Anteile gesteckt. Somit soll der Anleger vom Zinseszins-Effekt profitieren.

Zu den jüngsten Babys auf diesem Markt zählt der iShares iBond ¬ Liquid Corporates ETF, der 40 Unternehmensanleihen (Euro-Anleihen) beinhaltet. Er soll den iBoxx ¬ Liquid Corporate Index abbilden. Dieser ETF notiert seit dem 19. März dieses Jahres im XTF-Segment. Auch dieser Fond wird wie andere Fonds und Aktien gehandelt.

Steigende Umsätze mit ETF-Produkten

Die steigende Beliebtheit von Exchange Traded Funds zeigt sich an den steigenden Umsätzen. Betrug der durchschnittliche ETF-Umsatz im Jahr 2000 noch 156 Millionen Euro im Monat, so stieg er im vergangenen Jahr auf 2,644 Milliarden Euro an. Im laufenden Jahr sind bisher im Durchschnitt monatlich 3,099 Milliarden Euro mit solchen Investmentfonds an der Börse umgesetzt worden.

Quelle: @thwi
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot