Börsenrückblick

Die Finanzmärkte waren 2004 gekennzeichnet von eindeutigen Trends

09.12.2004
, 11:52
Wer die Trends erkannte, hatte 2004 viel Grund zum Feiern
„The trend is your friend!“ Wer diesem einfachen Prinzip in diesem Jahr gefolgt ist, der kann sich die Hände reiben. Denn in allen Segmenten an den Finanzmärkten fanden sich ungewöhnlich viele eindeutige Trends.
ANZEIGE

Wer sein Augenmerk prinzipiell nur auf den Dax und den Dow richtet, für den war das Jahr 2004 ein verlorenes Jahr. Denn diese beiden Aktienindizes traten per saldo auf der Stelle und machten mit hektischen Richtungswechseln in eng abgesteckten Grenzen das Geld verdienen schwer.

ANZEIGE

Mit großen Kursveränderungen konnten Dax und Dow somit in diesem Jahr nicht aufwarten. Dafür aber mit einem eindeutigen Trend, nämlich mit einer Seitwärtsbewegung. Ihr Verhalten paßt folglich ins übergeordnete Bild, war doch auch sonst das Geschehen in den einzelnen Segmenten der Finanzmärkte von klaren Trends geprägt.

Neun von zehn Börsen mit Kursgewinnen

Der große Unterschied zu Dax und Dow war nur, daß viele andere Aktienmärkte mit grundsoliden Aufwärtstrends aufwarten konnten. Wie gut es mehrheitlich gelaufen ist, zeigt sich am Ergebnis der Börsen, aus denen bei Bloomberg die Gewinner- und Verliererliste für die 60 wichtigsten Aktienindizes gespeist wird. Zum Stichtag Anfang Dezember wiesen da nur fünf Indizes Minuszeichen auf, wobei der thailändische SET-Index mit minus 14,47 Prozent das Schlußlicht stellte.

Der Chart zeigt die Kursentwicklung beim Dax in diesem Jahr
Der Chart zeigt die Kursentwicklung beim Dax in diesem Jahr Bild:

In neun von zehn Fällen ging es aber aufwärts und die Leitindizes in Kolumbien und Ägypten brachten es auf Dollarbasis mit Zuwächsen von 105,56 Prozent und 104,21 Prozent sogar auf eine Kursverdoppelung. Richtig absahnen ließ sich aber auch an einfacher zugänglichen Märkten, die sich zudem aus deutscher Sicht gleich vor der Haustür fanden. Die Rede ist von den Börsen in Osteuropa, wozu in diesem Fall auch Österreich zählt, weil dieses Land durch enge Verflechtungen besonders von der dortigen Wachstumsstärke profitiert. Dadurch begünstigt ist der Wiener ATX Index in den ersten elf Monaten um fast 60 Prozent gestiegen. Und in Budapest und Prag waren jeweils sogar rund 70 Prozent zu holen.

ANZEIGE

Die Dollarschwäche kam nicht überraschend

Bei den Aufwärtstrends in Osteuropa handelt es sich praktisch um Kursgewinne mit Ansage, weil die Gründe, die dazu führten und vermutlich auch weiterhin führen werden, so einfach und einleuchtend sind. Ebenfalls wenig überraschend ist auch die Schwäche des Dollar, die der amerikanischen Landeswährung im Verhältnis zu den meisten anderen wichtigen Weltwährungen einen klaren Abwärtstrend beschert hat.

Allerdings hat es hier bis in den Herbst gedauert, bis sich die bestehenden Belastungsfaktoren für den Dollar auch gegenüber dem Euro durchsetzen. In den vergangenen Tagen markierte die europäische Einheitswährung aber gleich mehrfach neue Rekorde zum Dollar. Und wegen der amerikanischen Rekorddefizite in Staatshaushalt und Leistungsbilanz spricht vieles dafür, daß sich diese Entwicklung auch im nächsten Jahr zunächst weiter fortsetzen wird.

ANZEIGE

Verhalten der Rohstoffe und Anleihen überraschte viele Fachleute

Obwohl viele Experten lange nicht daran glaubten, war es auch nicht allzu schwer, die Renaissance der Rohstoffe rechtzeitig zu erkennen. Denn für die teilweise massiven Preisaufschläge, die Güter wie Öl, Gas, Gold, Silber, Kupfer oder Stahl in diesem Jahr einkassierten, gibt es schon seit geraumer Zeit überzeugende fundamentale Gründe. Nach Lesart vieler Experten handelt es sich hier nicht zuletzt bedingt durch die große Nachfrage aus China, dem ein Angebotsdefizit gegenübersteht, um möglicherweise noch einige weitere Jahre anhaltende Trends.

Es dürfte daher Sinn machen, sich als Anleger etwas näher mit dem in den vergangenen Jahren stark vernachlässigten Segment zu beschäftigen. Und sei es, daß man das Fachwissen dann letztlich nur für den Hausgebrauch nutzt. Aber wie sehr der Geldbeutel aller Deutschen bei Preissprüngen im Rohstoffsektor betroffen sein kann, zeigt sich an den Ausschlägen beim Öl und den daraus resultierenden Folgewirkungen auf den Benzin- und Heizölpreis. Der Preisanstieg, den Opec-Öl seit Jahresbeginn ausgehend von 29,73 Dollar je Barrel bis auf ein Hoch bei 46,61 Dollar hinlegte, wurde jedenfalls von aufgeregter Berichtserstattung in den Medien begleitet.

Etwas schwieriger als in den anderen bereits skizzierten Segmenten war es, die Entwicklung vorherzusagen, die sich an den Rentenmärkten einstellte. Die meisten Fachleute wurden hier jedenfalls eines Besseren belehrt. Während sie zu Jahresbeginn mit großer Überzeugung steigenden Renditen das Wort redeten, hielten sich die Anleihekurse trotz des höchsten Wirtschaftswachstum, das die Weltwirtschaft seit Jahrzehnten erlebte, viel besser als prognostiziert. In Deutschland hat sich die Umlaufrendite sogar um 52 Basispunkte auf aktuell 3,43 Prozent, und damit auf ein neues Jahrestief zurückgebildet. Und mit vielen Schwellenländer-Anleihen ließen sich durch eine Kombination auf Kursgewinnen und Zinszahlungen sogar so hohe Renditen erwirtschaften, wie sie sonst in guten Jahren nur mit Aktien möglich erscheinen.

ANZEIGE

Von den Anlegern wird Flexibilität verlangt

Insgesamt präsentierten sich die Segmente Aktien, Anleihen, Devisen und Rohstoffen mit so eindeutigen Trends, daß jeder Anleger, der 2004 kein Geld verdient hat, grundsätzlich überdenken sollte, ob er sich nicht besser eine andere Beschäftigung sucht. Doch dem Tenor in der Berichterstattung der Medien nach zu urteilenden Klagen über die angeblich an den Märkten vorherrschende Lethargie ist leider zu befürchten, daß dieses Schicksal viele Anleger in Deutschland und Amerika ereilt hat. Denn die Anleger aus diesen Ländern sind bekanntlich sehr auf ihre Heimatmärkte fixiert und trauen sich nur begrenzt ins Ausland. Spätestens nach den in diesem Jahr gemachten Erfahrungen sollte diese Haltung aber überdacht werden. Wer stur bleibt, hat 2005 aber vielleicht trotzdem mehr Erfolg. Denn mit neuen Jahreshochs bemüht sich der Dax gerade darum, den Seitwärts- in einen Aufwärtstrend zu verwandeln.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE