Branchenentwicklung

Wende von Finanz- zu Energiewerten wahrscheinlich

26.05.2004
, 14:27
Steigende Rohstoffpreise erregten in jüngster Zeit die Gemüter. Vor allem der Ölpreis. Langfristig haben die Rohstoffnotierungen gerade einmal den Abwärtstrend überwunden. An den Börsen dürften Energiewerte „gewichtiger“ werden.

Die Entwicklung der Rohstoffpreise bestimmten in den vergangenen Monaten die Schlagzeilen. Denn sie stiegen zum Teil fulminant an, bevor sie sich in jüngster Zeit wieder etwas abschwächten. In den vergangenen Wochen geriet vor allem auch der Ölpreis in die Diskussion. Denn mit einem Preis von 41,85 Dollar je Barrel Öl erreichte der WTI Rohöl-Future an der New York Mercantile Exchange Mitte des Monats den höchsten Stand seit Jahrzehnten.

Für diese Entwicklung gibt es viele Gründe. Während beim Öl vor allem die Nachfrage aus Asien deutlich angestiegen ist und einem begrenzten Angebot gegenübersteht, trifft die steigende Nachfrage bei anderen Produkten nicht selten auf eine Industrie, die in der Vergangenheit auf Grund relativ tiefer Preise kaum noch in die Förderung und Produktion investiert und unter anderem vom Abbau von Lagerbeständen gelebt hat. Hier dürfte einige Zeit notwendig sein, bis die angebotene Menge steigt und zu einer gewissen Beruhigung der Preise führen kann. Wenn überhaupt.

Langfristig haben die Rohstoffpreise gerade einmal den Abwärtstrend überwunden

Mögen die Charts kurzfristig steil nach oben steigen und eine gewisse Überhitzung der Entwicklung andeuten, so macht die langfristige Perspektive deutlich, daß die realen Rohstoffpreise gerade einmal den langfristigen Abwärtstrend überwunden haben (siehe Chart). Bei nachhaltig steigender Nachfrage dürften die Preise damit längerfristig noch deutliches Potential nach oben haben.

Während Rohstoffunternehmen in der Vergangenheit auf Grund fallender Preise relativ wenig verdient und investiert haben, dürfte sich das auf Grund der denkbaren Preisentwicklung ändern. Denn nach einer umfangreichen Konsolidierung in der Branche müßten steigende Preise und abgesetzte Mengen bei den verbliebenen und zum Teil heftig investierenden Unternehmen die Gewinne steigen lassen. Steigende Gewinne sollten grundsätzlich bei den Aktien der entsprechenden Unternehmen zu steigenden Kursen führen. Damit scheint ein Favoritenwechsel an den Börsen denkbar zu sein.

In den vergangenen Jahren konnten international vor allem die Finanzwerte gut abschneiden. Denn im langfristigen Trend sinkende Zinsen führten nicht nur zu immer geringeren Finanzierungskosten. Gleichzeitig heizten sie auch das Geschäft mit Anleihen und Aktien außerordentlich an. Fallende Zinsen fördern nicht nur die konjunkturelle Entwicklung und damit die Gewinnentwicklung der Unternehmen, sondern sie führen auch zu Refinanzierungstransaktionen wie sie an den angelsächsischen Immobilienmärkten massenhaft stattgefunden haben. Eine weitere Ertragsquelle.

Energiewerte dürften Finanzwerte als Marktschwergewichte ablösen

Aber damit dürfte es demnächst vor bei sein. Die Zinsen befinden sich beinahe weltweit auf Rekordtief, und die Geldmengen sind extrem hoch. Die Effekte sind deutlich zu sehen in Form steigender Preise, vor allem im Immobilienbereich und in vor- und nachgelagerten Bereichen. Dem müssen nun die Zentralbanken früher oder später mit Zinserhöhungen begegnen. Damit dürften die „schönsten Tage“ der Finanzwerte gezählt sein.

An der Börsen dürften sie folglich ins Hintertreffen geraten, während Rohstoff- und Energiewerte bei anhaltender Nachfrage beliebter werden sollten. Dieser Trendwechsel dürfte sicherlich nicht von heute auf morgen stattfinden. Aber blickt man etwas mehr als 20 Jahr zurück, so kam der Anteil der Energiewerte an der gesamten Marktkapitalisierung auf etwa 25 Prozent. Heute ist es nur ein Bruchteil davon. Der Anteil der Finanzwerte lag in einem Umfeld mit himmelhohen Zinsen bei mageren fünf Prozent. Heute ist es sicherlich ein Mehrfaches davon.

Sicherlich können solche Trends kurzfristig von vielerlei Einflüssen überdeckt werden. Sicher ist allerdings, daß die Nachfrage nach Rohstoffen langfristig zunehmen wird, wenn sich bevölkerungsreiche Staaten wie China oder Indien auch nur annähernd an den westlichen Lebensstandard anpassen wollen. Die Preise dürften folglich langfristig steigen. Vor allem bei endlichen Stoffen wie dem Öl. Kurzfristig würden die Analysten von Morgan Stanley auf Grund der Ölpreissensitivität des Gewinns auf die Aktien von Repsol-Ypf, Eni und Total setzen. Langfristig dürften bei anhaltendem Ölpreistrend auch andere Werte interessant sein. Unter anderem die alternativer Energieanbieter.

Quelle: @cri
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