Charttechnik

Geht der Kurserholung die Luft aus?

Von Mark Arbeter
02.08.2005
, 11:05
Chartanalyst Mark Arbeter warnt: die Momentumindikatoren lassen den Schluß zu, daß es möglicherweise zu einem kurzfristigen Rücksetzer an den Finanzmärkten kommen könnte.
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Die kurzfristige Konsolidierung am Aktienmarkt ist zu Ende, da die wichtigsten Indizes in der vergangenen Woche neue Hochs in der Erholungsbewegung erreichten. Sowohl der S&P-500 als auch der Nasdaq Composite stiegen auf Vier-Jahres-Hochs, während der Dow Jones auf den höchsten Stand seit März kletterte.

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Am vergangenen Freitag kam es zu leichten Gewinnmitnahmen, als die Rohölpreise auf über 60 Dollar stiegen und die Renditen der amerikanischen Schatzanweisungen ihren höchsten Stand seit über drei Monaten erreichten.

S&P-500 vor schwierigem Bereich

Der S&P-500 stieg am vergangenen Donnerstag auf 1.243,72 Punkte und verzeichnete damit den höchsten Schlußkurs seit dem 12. Juni 2001. Der Index hat somit eine auf 2001 zurückgehende Chartwiderstandsebene erreicht, die zwischen 1.240 und 1.315 Zählern liegt.

Darüber hinaus gibt es eine weitere, sehr breite Chartwiderstandszone, die aus den Jahren 1998 bis 2001 abgeleitet ist, bei 1.240 Punkten ansetzt und sich bis zu den historischen Hochs fortsetzt. Dies ist für den Index sicher ein sehr schwieriger Bereich, der nicht auf kurze Sicht überwunden werden wird.

Ähnlich wie beim Chartwiderstand gibt es auch zwei Trendlinien, die im Bereich bei 1.260 Punkten ins Spiel kommen. Der erste Trendlinienwiderstand ist auf die Hochs des Jahres 2004 und die jüngsten Hochs des laufenden Jahres zurückzuführen. Die zweite Trendlinie geht auf die Tiefs der Jahre 2003 und 2004 zurück. Das nächste entscheidende Fibonacci-Retracement um 61,8 Prozent des Bärenmarktes würde in den Bereich bei 1.253 Zählern führen.

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Nach unten hin findet sich entscheidende Chartunterstützung bei 1.225 Punkten, dem Bereich, in den der jüngste Durchbruch fiel. Der exponentiell gleitende 20-Tage-Durchschnitt liegt bei 1.224, der entsprechende 50-Tage-Durchschnitt bei 1.209 Zählern. Aus den Tiefs im Mai und Juli zurückgehende Trendlinienunterstützung findet sich bei 1.220 Punkten. Aufgrund dieser sehr nahe liegenden, deutlichen Unterstützungsebenen gehen wir davon aus, daß ein möglicher Rücksetzer in naher Zukunft nicht allzu stark ausfallen dürfte.

Nasdaq immer noch mit Schwierigkeiten

Der Nasdaq Composite erreichte am Donnerstag mit 2.198,44 Punkten den besten Schlußstand seit dem 8. Juni 2001. Der Index hat noch immer Schwierigkeiten mit der Chartwiderstandsebene zwischen 2.190 und 2.200 Punkten und konnte die Anfang des Jahres erreichten Hochs bisher nicht überbieten. Unmittelbar oberhalb des aktuellen Standes findet sich bei 2.210 Punkten ein Trendlinienwiderstand, der auf die beiden Hochs des Jahres 2004 zurückgeht.

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Nach einem Ausbruch über 2.210 Zähler, den wir kurzfristig erwarten, würde dann der Bereich zwischen 2.250 und 2.330 Punkten interessant werden. Dort findet sich eine aus dem Jahr 2001 abgeleitete Chartwiderstandsebene. Untergeordnete Chartunterstützung liegt im Bereich bei 2.150 Zählern, deutlichere Chartunterstützung kommt bei 2.100 Punkten ins Spiel. Der exponentiell gleitende 20-Tage-Durchschnitt liegt bei 2.148, der entsprechende 50-Tage-Durchschnitt bei 2.102 Zählern.

Probleme im Momentum

Während das Momentum seit Anfang Mai sowohl auf Tages- als auch auf Wochenbasis stark war, lassen sich nun langsam negative Abweichungen aus einigen Tagescharts herauslesen. Der stochastische Tagesschwankungsindikator ist sowohl für den S&P-500 als auch für den Nasdaq stark überkauft. Die stochastischen Indikatoren für den Nasdaq Composite verzeichnen niedrigere Tiefs trotz höherer Hochs bei den Kursen. Darüber hinaus hatte auch der Sechs-Tage-Relative-Stärke-Index (RSI) nach Erreichen eines sehr überkauften Niveaus eine Reihe niedrigerer Tiefs zu verzeichnen.

Das Momentum auf Wochenbasis ist ebenso ziemlich überkauft, aber diese technischen Indikatoren müssen erst alle negativen Abweichungen, die typischerweise bei mittelfristigen Hochs auftreten, nachzeichnen. Unserer Ansicht nach läßt sich aus den Momentumindikatoren ableiten, daß ein kurzfristiger Rücksetzer möglich ist, den Indizes aber noch genügend Zeit und Spielraum bleibt, sich im kommenden Monat oder auch leicht darüber hinaus weiter zu entwickeln.

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Anleger immer noch zu optimistisch

Im Großen und Ganzen ist die Anlegerstimmung noch immer sehr übertrieben optimistisch, was aus unserer Sicht letzten Endes zu Problemen auf dem Aktienmarkt führen könnte. Die Befragung der Newsletterautoren von Investor's Intelligence ergibt einen Bullenanteil von 55,9 Prozent, was dem höchsten Stand seit Februar entspricht. Der Anteil der Bären ist mit 22,9 Prozent ziemlich niedrig.

An der Optionsbörse hat das Verhältnis von Put- zu Call-Optionen einen relativ niedrigen Stand erreicht, da die Anleger optimistischer geworden sind und mehr Call-Optionen erwerben. Das entsprechende Verhältnis von Put- zu Call-Optionen nur für Aktien auf Fünf-, Zehn- und 30-Tage-Basis ist jeweils auf den niedrigsten Stand seit Januar 2004, kurz vor der damaligen Konsolidierung gefallen. An der Chicago Board Options Exchange (CBOE) dagegen sind die Verhältnisse zwischen Put- und Call-Optionen neutral, weshalb die übliche Bestätigung durch den Optionsmarkt ausbleibt.

Renditen am Anleihenmarkt werden weiter steigen

Auf dem Anleihenmarkt stieg die Rendite für die zehnjährige amerikanische Schatzanweisung am Freitag auf 4,29 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit dem 21. April. Die Rendite liegt damit über ihrem exponentiell gleitenden 200-Tage-Durchschnitt. Und die Renditen werden weiter steigen. Eine aus den Renditehochs von 2004 und 2005 abgeleitete Trendlinienunterstützung liegt bei 4,6 Prozent. Chartunterstützung findet sich ebenfalls in diesem Bereich. Addiert man die Breite des letzten Double Bottom Reversal zum Durchbruchspunkt ergibt sich ebenfalls ein Ziel bei 4,6 Prozent.

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Wie vor kurzem erst gesagt, ist die Anlegerstimmung auf dem Rentenmarkt laut MarketVane und Consensus trotz der Trendwende der Renditen nach oben weiterhin ziemlich optimistisch. Daraus könnten sich in den kommenden Monaten Probleme auf dem Rentenmarkt ergeben.

Die Rohölpreise sind am Freitag auf über 60 Dollar gestiegen und liegen damit weniger als einen Dollar unter dem historischen Hoch von Anfang Juli. Der minimale Rücksetzer bei Rohöl im Juli entschärfte die überkaufte Situation auf dem Ölmarkt und macht aus unserer Sicht den Weg frei für neue Höhenflüge. Im Juli fiel der Rohölpreis zurück auf die kurzfristige Chartunterstützungsebene bei 57 Dollar und hielt sich sehr gut. Der exponentiell gleitende 50-Tage-Durchschnitt liegt ebenfalls in diesem Bereich. Langfristiger Chartwiderstand findet sich nahe bei 65 Dollar. Ein Anstieg in diesen Bereich im nächsten Monat oder bald darauf ist durchaus möglich. Im Anschluß daran wäre dann eine ziemlich deutliche Korrektur zu erwarten.

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