Charttechnik

Starker September für Aktien

Von Mark Arbeter, technischer Chefstratege bei S&P
13.09.2005
, 10:07
Der S&P 500 nähert sich entscheidenden Widerstandsebenen. Mark Arbeter geht als technischer Chefstratege bei S&P von einem möglichen weiteren Kursanstieg in naher Zukunft aus. Auf der „Ölseite“ sieht er eine gewisse Entspannung.

Die wichtigen Aktienindizes verzeichneten in den beiden vergangenen Wochen eine Kurserholung, wobei der S&P 500 sich sehr stark auf seine Erholungshochs von Anfang August zu bewegt. Selbst wenn der S&P 500 neue Jahreshochs erreichen kann, bleiben unserer Ansicht nach immer noch einige entscheidende Widerstandsbereiche, die überwunden werden müssen.

Angesichts der Tatsache, daß sich der Markt in einer historisch gesehen traditionell schwachen Periode im September erholt, und im Hinblick auf die vielen negativen Meldungen, glauben wir an einen weiteren Kursanstieg bei Aktien in naher Zukunft.

Widerstände sind noch längst nicht überwunden

Seit seinem Tagestief von 1.201 Punkten am 30. August hat sich der S&P 500 um etwa 40 Zähler erholt. Das jüngste Schlußhoch und gleichzeitig ein zyklisches Bullenmarkthoch in Höhe von 1.245,04 Punkten wurde ebenfalls am 30. August erreicht. Die nächste entscheidende Widerstandsebene oberhalb der 1.245 Punkte liegt bei 1.253 Zählern. Diese Ebene ist aus verschiedenen Gründen entscheidend. Zunächst entspricht dieser Bereich einem Fibonacci-Retracement von 61,8 Prozent des Bärenmarktes von 2000 bis 2002. Darüber hinaus liegt der aus den Hochs vom Januar und Dezember 2004 sowie März und August 2005 abgeleitete Trendlinienwiderstand exakt bei 1.253 Punkten. Diese Trendlinie ist offensichtlich sehr entscheidend, da diese Obergrenze in keiner der Kurserholungsphasen der vergangenen 20 Monate überboten werden konnte.

Wenn der S&P 500 die 1.253 Punkte überbieten kann, müssen wir bis auf das Jahr 2001 zurückgehen, um abzuschätzen, wo möglicherweise der nächste Chartwiderstand liegen könnte. Eine Chartwiderstandsebene von Mitte 2001 liegt zwischen 1.250 und 1.315 Punkten. Außerdem sehen wir eine sehr große Chartwiderstandsebene aus 1998 bis 2001, die bei 1.240 Zählern beginnt und bis zu den historischen Allzeit-Hochs reicht. Wir glauben, daß dieser Bereich für den S&P 500 zu einer großen Herausforderung werden wird, die er nur auf längere Sicht wird meistern können.

Der Nasdaq hat noch etwas mehr Arbeit als der S&P 500 vor sich, um zu neuen Kurserholungshochs vorzudringen, da der Index etwa zwei Prozent unter dem Schlußhoch vom 2. August in Höhe von 2.218,15 Punkten liegt. Zusätzlich zu diesem Chartwiderstand findet sich noch aus den Tiefs von April und Juli abgeleiteter Trendlinienwiderstand bei 2.200 Zählern. Diese Trendlinie bot dem Nasdaq ursprünglich Unterstützung bis sie Mitte August durchbrochen wurde. Wir glauben, daß bei 2.223 Punkten ein wichtigerer Trendlinienwiderstand liegt. Es handelt sich dabei um eine längerfristige, auf die Hochs von Januar und Dezember 2004 sowie August 2005 zurückgehende Trendlinie, die ähnlich wie beim S&P seit geraumer Zeit die Obergrenze für die Kurse markiert.

Die Momentum-Indikatoren auf Tagesbasis, einschließlich des gleitenden Durchschnitts des Convergence/Divergence-Verhältnisses (MACD) und der stochastischen Indikatoren, haben sich bullish entwickelt und sind noch nicht überkauft. Die Indikatoren der Relativen Stärke (RSI), etwa der Sechs- oder 14-Tage-RSI, liegen wieder oberhalb von 50, was unserer Meinung nach ein gutes Zeichen ist, und sind noch nicht überkauft.

Die technischen Indikatoren auf Wochenbasis zeichnen jedoch weiterhin ein anderes Bild. Der stochastische Wochenschwankungsindikator befindet sich wieder auf neutralem Niveau, nachdem er im Juli sehr überkauft war, was dem Nasdaq etwas Spielraum verschaffen könnte. Es würde jedoch nicht besonders lange dauern, bis dieser Indikator wieder überkauft wäre und ein niedrigeres Hoch erreichen würde, was eine negative Divergenz ergeben würde. Typischerweise liefern die stochastischen Indikatoren auf Wochenbasis eine Reihe negativer Nonconfirmations vor einer Korrektur. Das Wochen-MACD zeichnet seit Anfang 2004 eine Reihe niedriger Hochs nach, deutet damit eine Abschwächung des Momentum an und läßt darauf schließen, daß Schwierigkeiten bevorstehen. Wir glauben jedoch, daß ein deutlicher Durchbruch über die obenerwähnten Widerstandsebenen am Ende einige dieser Warnungen entkräften könnte.

Die beiden Industriezweige Biotechnologie und Halbleiter sind für die gesunde Entwicklung des Nasdaq extrem wichtig und machen einen großen Teil seiner Kapitalisierung aus. Ein Blick auf die Charts dieser beiden Branchen zeigt unserer Ansicht nach, daß der Nasdaq, zumindest kurzfristig, ziemlich gut dasteht. Der AMEX Biotech Index gehört seit Anfang April zu den stärksten Performern und hat seit dem 4. April 33 Prozent zugelegt. Der BTK ist auf seinem höchsten Stand seit Juni 2001 und ist nur noch etwa 150 Punkte von seinem Allzeit-Hoch in Höhe von 800 Zählern vom September 2000 entfernt. Wir halten das für eine ziemlich erstaunliche Wende, wenn man bedenkt, daß der BTK während des Bärenmarktes 65 Prozent verloren hat.

Charttechnische Entspannung beim Öl

Obwohl der Philadelphia Semiconductor Index einen nicht annähernd so großen Prozentsatz der Verluste wieder wettmachen konnte wie der Biotech-Index, sieht sein Chartverlauf unserer Meinung nach kurz- bis mittelfristig gut aus. Im Juli erreichte der SOX seinen höchsten Stand seit Mitte 2004 und durchbrach dabei einige entscheidende Chartwiderstände und gleitende Durchschnitte. Im August konnte der Index seine Gewinne stabilisieren und setzte gerade erst zu einem Angriff auf sein Hoch vom 2. August bei 486 Punkten an. Ein Durchbruch über die 486-Punkte-Marke würde dem SOX, wie wir glauben, den Weg bereiten, um die nächste Chartwiderstandsebene zwischen 530 und 550 Zählern anzusteuern.

Die Rohölpreise fielen in dieser Woche von 67,57 auf 64,00 Dollar pro Barrel. Dabei durchbrachen sie die Trendlinienunterstützung auf Basis der Tiefs vom Mai, Juli und August. Wir glauben, daß mit dem Spitzenpreis für Rohöl von über 70 Dollar pro Barrel in Reaktion auf den Hurrikan Katrina zumindest kurzfristig, eher aber mittelfristig der Höchststand erreicht worden ist. Der nächste deutliche Chartunterstützungsbereich liegt bei 57 Dollar. Der exponentiell gleitende 55-Wochen-Durchschnitt, der im Dezember 2004 und Mai 2005 deutliche Unterstützung lieferte, liegt bei 53 Dollar. Der Markt ist auf Wochenbasis sehr überkauft, mit einer negativen Divergenz im Chartverlauf des 14-Wochen-RSI. Wir erwarten, daß der Rohölpreis sich in den nächsten Monaten im Bereich zwischen 50 und 60 Dollar einpendeln wird.

Quelle: bearbeitet von @cri
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot