Der Druck auf sinkende Fondsgebühren wächst

10.02.2003
, 18:17
Der Anteil der Fondsgebühren ist in den USA über die Jahrzehnte hinweg gestiegen. Diese für Anleger kostspielige Entwicklung gerät immer mehr in die Kritik. Die Aufsichtsbehörde SEC will jetzt für mehr Transparenz sorgen. Schon jetzt schneiden Aktienindexfonds beim Gebührenvergleich günstiger ab.
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Als Investmentfonds noch mit zweistelligen Wertzuwachsraten glänzten, war John Bogle mit seiner Kritik an hohen Fondsgebühren der einsame Rufer in der Wüste. Jetzt, da die Baisse die Portfolios der Anleger seit drei Jahren schrumpfen lässt, findet die Kritik des Gründers der Fondsgesellschaft Vanguard Group Inc. bei der US- Wertpapieraufsicht SEC Gehör.

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Die SEC erwägt, eine neue Vorschrift einzuführen, die mehr als 9.400 amerikanischen Investmentfonds mit einem Anlagekapital von 6,5 Billionen Dollar zwingt, ihre Kosten den Investoren deutlicher darzustellen. Immerhin haben 95 Millionen Amerikaner ihr Geld über Fondsgesellschaften investiert. Außerdem soll ein Organ zur Selbstregulierung der Fondsbranche eingeführt werden. Derzeit überwacht die SEC die Branche.

Fondsgebühren das Salz in den Wunden der Anleger

In einer Rede vor dem Harvard Club Boston am 13. Januar wies Bogle, früher Chairman der Vanguard Group, auf die Diskrepanz zwischen Anlagekapital und Gebühren hin. "Trotz der wirklich riesigen Größenvorteile bei der Verwaltung eines Investmentfonds sind die Fondsanleger nicht nur nicht in den Genuss dieser Vorteile gekommen, sondern sie mussten weit höhere Kosten zahlen", kritisierte Bogle.

Nach drei Jahren mit fallenden Kursen am Aktienmarkt sind die Fondsgebühren Salz in den Wunden der Anleger. Eine Branche, die rund ein Fünftel der Pensionsersparnisse der Amerikaner verwaltet, sollte genau unter die Lupe genommen werden.

Die SEC fordert nicht, dass Fonds die Kosten für Transaktionen oder für Research detailliert in der vorgeschriebenen Kostentabelle ausweisen. "Sie müssen meinen Schlussfolgerungen nicht zustimmen, aber meine Berechnungen sind richtig", betonte Bogle.

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Steigender Anteil der Fondsgebühren im Zeitablauf

Um das Ausmaß und den Einfluss der Fondsgebühren zu zeigen, zitierte der Vanguard-Gründer eine Studie des Massachusetts Investors Trust aus dem Jahr 2001. Die über den Zeitraum 1951- 2001 angelegte Studie zeigte, dass der Anteil der Fondsgebühren des Trust "auf 1,2 Prozent gestiegen ist, und dass die 141 Millionen Dollar an Gebühren rund 87 Prozent der Investmenterträge aufgefressen haben."

„Der durchschnittliche Anteil der Verwaltungsgebühren bei den 25 größten Fondsgruppen ist 134 Prozent auf 1,5 Prozent gestiegen, obwohl das Kapital der Fonds seit 1951 um das 845fache auf 1,86 Billionen Dollar emporgeschossen ist", führte Bogle aus.

"Die durchschnittlichen Transaktionskosten liegen bei Aktienfonds zwischen 0,7 und 1,5 Prozentpunkten", schätzt Mercer Bullard, Professor für Wertpapierrecht an der University of Mississippi und Vorstandschef der Fondsanleger-Lobbygruppe Fund Democracy, LLC. "Diese Information sollte in der Gebührentabelle des Fonds enthalten sein. Dann kann der Markt entscheiden, ob ein Fonds zu teuer ist."

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In Zusammenwirkung mit den Auswirkungen von Steuern und der Marktentwicklung sind die Renditen von Fondsinvestments nach Abzug aller Kosten erbärmlich, konstatierte Bogle. "Rund 98 Prozent dessen, was wir bekommen hätten, hat sich in Luft aufgelöst."

Aktienindexfonds schneiden günstiger ab

Die laufenden Fondsgebühren erscheinen gering, aber über einen längeren Zeitraum nagen sie kräftig am Wertzuwachs. Angenommen, ein Anleger investiert seine Ersparnisse fürs Alter in Aktien großer Unternehmen und zahlt dafür 1,28 Prozent jährlich, das entspricht der durchschnittlichen Fondsgebühr im Jahr 2001. Zugrundegelegt werden eine Anlagesumme von 200.000 Dollar und eine Rendite von sechs Prozent pro Jahr.

Nach 20 Jahren sind die Ersparnisse auf 495.735,74 Dollar gewachsen. Auf der Minusseite erscheinen 145.691 Dollar an Gebühren und entgangenem Gewinn, also Geld, das der Anleger investieren hätte können, wenn die Fondsgesellschaft es nicht als Gebühr verlangt hätte. Nachzurechnen am Fondskostenrechner der SEC unter http://www.sec.gov. Bei einer Entnahmerate von vier Prozent erhält der Anleger 19.829 Dollar im Jahr. Auch mit einer zusätzlichen staatlichen Rente dürfte der Lebensstandard nach Steuern und Inflation bescheiden ausfallen.

Hätte der Anleger seine Ersparnisse bei derselben Rendite in einen Aktienindexfonds angelegt, der 0,18 Prozent Gebühren pro Jahr verlangt, könnte er sich am Ende über 618.726 Dollar freuen. An Gebühren und entgangenem Wertzuwachs fallen lediglich 22.700 Dollar an. Das ist vielleicht kein Sechser im Lotto, aber es beschert dem Anleger ein um 122.991 Dollar dickeres finanzielles Polster. Für die finanzielle Absicherung sollte man keine kostenträchtigen Opfer bringen müssen.

Quelle: Bloomberg
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