Der Fondsmarkt

Babylonische Sprachverwirrung: Was heißt Total Return?

EIN KOMMENTAR Von Hanno Beck
31.08.2004
, 07:08
Es ist nicht leichter geworden, Geld zu investieren. Mit der Fülle der Angebote wird es immer schwieriger, eine Entscheidung zu treffen. Zudem sorgt die Fondsbranche durch die Benennung ihrer Produkte für Verwirrung.

Es ist nicht leichter geworden, Geld zu investieren. Mit der Fülle der Angebote wird es immer schwieriger, eine Entscheidung zu treffen. Nehmen wir einmal die Welle neuer Fondsprodukte, die in den vergangenen Jahren auf den Markt gekommen sind und unter dem Etikett "Total Return" oder "Absolute Return" firmieren.

Umschwirrt von solchen verlockenden Beiwörtern wie "absolute, positive Rendite", "Kapitalerhalt" und "flexible Anlagestrategie" sollen diese Produkte dem in der Baisse arg gebeuteltem Fondskunden Appetit machen. Weg mit all den normalen, langweiligen Fondsprodukten die so viel Kummer ins Depot getragen haben - es ist Zeit für eine absolute, positive Rendite, für Total Return, was immer das auch sei.

Hier beginnen auch die Probleme des Absolute-Total-hungrigen Fondskunden: Was ist das eigentlich - Absolute Return und Total Return? Der mündige Investor macht sich natürlich zuerst schlau, bevor er sein Geld in einem schicken, angelsächsisch getauften Fondsprodukt auf die Reise zur Rendite schickt. Und wie macht man sich schlau? Klare Sache, indem man die Hersteller befragt.

Positive Erträge erzielen statt einen Index schlagen

Fangen wir einmal bei der Adig, die Publikumsfondsgesellschaft der Commerzbank, an: Dort definiert man Total Return als eine Strategie, die zum Ziel hat, absolute und positive Erträge zu erwirtschaften - im Gegensatz zu Strategien, die sich mit einem Vergleichsindex messen. Und wie setzt man diese Idee in den Produkten um? "Ziel dieser Strategie ist die Erzielung absolut attraktiver Renditen", heißt es im Verkaufsprospekt des Adig Total Return Protect - ein hehres Ziel, das man sich auch für andere Fondsprodukte wünscht.

Was also genau ist der Unterschied zu anderen Fonds? "Der Adig Total Return Protect kombiniert eine dynamische Wertsicherung mit einem Total Return-Ansatz. Kern des Total Return-Ansatzes ist ein Multiple Asset Approach, bei dem wir die Diversifikationsvorteile eines gemischten Portfolios zur Ertragsverstetigung nutzen. Der Einsatz einer quantitativen Optionsstrategie dient der Generierung zusätzlicher Erträge", heißt es wohlklingend bei der Adig. Hört sich gut an, hat jemand ein Wörterbuch zur Hand? In Ermangelung eines Wörterbuchs Deutsch - Investmentdeutsch schaut man sich dann besser den Fonds selbst näher an und stellt fest, daß es sich um einen Mischfonds mit einer unformalen Kapitalgarantie handelt: Ein Teil des Portfolios wird dazu genutzt, um mit Festverzinslichen eine Wertsicherungsstrategie zu fahren, der andere Teil des Portfolios wird in Aktien investiert, um Rendite zu generieren.

Was heißt „Absolute Return“? Das gleiche wie „Total Return“

Nun gut, Total Return ist also das Ziel, eine absolute, positive Rendite zu erreichen? Was aber ist dann Absolute Return? Vielleicht hilft ein Blick auf den Uni Euro Absolute Return von Union Investment, um diese Frage zu beantworten. Dieser investiert in internationale Staatsanleihen, Pfandbriefe und supranationale Anleihen weltweiter Emittenten. Ein Rentenfonds also? Ja, aber ein flexibler mit jährlichem Kapitalerhaltsziel, wie der Prospekt uns belehrt. Was ist denn nun Absolute Return bei der Union? "Das Ziel, eine absolute, positive Wertentwicklung zu erreichen", erklärt man. Das klingt bekannt - ist das nicht Total Return? Nein, das sei eher die Idee, Rendite mit allen Mittel zu erwirtschaften, sozusagen eine Art Investment-Freistil, erklärt man dem nun leicht verwirrten Fondskunden.

Etwas verunsichert, wendet sich dieser nun an die Deka, die Fondsgesellschaft der Sparkassenorganisation. "Beim Total Return-Konzept soll ein stetiger und positiver Ertrag mit relativ geringen Wertschwankungen erwirtschaftet werden. Beim Absolute Return-Konzept steht das Ziel, eine negative Wertentwicklung auch in einem extrem ungünstigen Marktumfeld zu vermeiden, im Vordergrund", erfährt man hier. Das Absolute-Return-Konzept hat die Deka in den Deka Absolute Return gegossen: ein flexibler Rentenfonds, der sich im Gegensatz zu normalen Fonds an keinem Vergleichindex orientieren muß. Der Deka Euro Balance, in dem man das Absolute Return-Konzept umgesetzt hat, strebe hingegen eine Wertentwicklung an, die langfristig über dem sicheren Geldmarktzins liege. Der Fonds ist in seiner Anlagestrategie ebenfalls flexibel und richtet sich an keinem Vergleichsindex aus.

Absolute positive Renditen werden angestrebt - so oder so...

Der Grad der Verwirrung steigt, weswegen sich der Fondskunde zu guter Letzt an den Marktführer wendet - der muß es doch wissen, oder? Der DWS Total Return Bond, ausweislich seines Namens dem Konzept des Total Return verpflichtet, ist ein flexibler Rentenfonds der sich an keinem Vergleichsindex ausrichten muß und ein Ergebnis deutlich über dem Geldmarktzins anstrebt. Das Absolute Return-Konzept hingegen definiert die DWS als die Strategie, einen zu den Aktien- und Rentenmärkten unkorrelierten Ertrag zu erwirtschaften, indem man über alle Vermögensklassen mit allen Investmentstrategien investiert - also der Investment-Freistil. Diese Auffassung teilt man übrigens mit dem DIT, wo man Absolute Return grob gesprochen ebenfalls als Anlage-Freistil definiert.

Faßt man die Erkenntnisse der Befragung zusammen, ergibt sich folgende umfassende, von deutschen Fondsgesellschaften verwendete Definition von Total Return: Total Return-Fonds haben das Ziel, absolut positive Renditen zu erwirtschaften, und zwar mit allen Mitteln, die erlaubt sind, unabhängig von einem Vergleichsindex. Absolute Return-Fonds hingegen unterscheiden sich offenbar grundlegend von diesem Konzept: Sie haben das Ziel, absolut positive Renditen zu erwirtschaften, und zwar mit allen Mitteln, die erlaubt sind - unabhängig von einem Vergleichsindex.

Zurück bleibt ein etwas ratloser Fondskunde, der feststellt: Hinter der babylonischen Sprachverwirrung um absolute, totale und sonstwie geartete Returns verbirgt sich letztlich nur ein Gedanke - weg von einem Investment-Ansatz, der sich sklavisch an einem Index orientiert hin zu einem flexibleren Ansatz mit größerer Risikokontrolle. Betrachtet man die verschiedenen Fondsprodukte zu diesen Ansätzen, so enden hier die Gemeinsamkeiten. Wer an solchen Produkten Interesse zeigt, wird nicht umhinkommen, hinter die plakativen, sprachlich eleganten Etiketten der Produkte zu schauen, die vermutlich mehr verwirren als Klarheit schaffen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.08.2004, Nr. 202 / Seite 19
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