Der Fondsmarkt

Bei neuen Fondsprodukten das Kleingedruckte nicht vergessen

EIN KOMMENTAR Von Hanno Beck
06.12.2004
, 18:14
Die Argumente, mit denen für neue Fondsprodukte geworben werden, klingen meistens gut. Doch bei näherem Hinsehen stellt sich oft heraus, daß die Produkte vor allem für die Fondsgesellschaften attraktiv sind.

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Einzelteile und wahre Stärke erwächst in der Regel aus dem Zusammenschluß - wer weiß das nicht. Diesen Lehrsatz befolgt auch die Investmentbranche gerne, die den Investoren derzeit verstärkt eine scheinbar attraktive Investment-Union anpreist: Superzinsen in Kombination mit Superfonds.

Wer würde angesichts einer solchen Union der Superlative nicht schwach werden? Das Angebot ist in etwa wie folgt gestrickt: Der Investor muß eine bestimmte Mindestsumme investieren. Die eine Hälfte wandert auf ein Festgeldkonto mit einem Zins, der deutlich über dem aktuellen Marktzins liegt. Und mit der anderen Hälfte des Geldes kauft der Anleger dann einen renditestarken Fonds.

Unter dem Strich hat er dann beides: Die Superzinsen mit ihrer Beständigkeit und den Superfonds mit seiner Ertragskraft - und das noch zu einem überdurchschnittlichen Zinssatz. Immerhin: Bis zu 6 Prozent verspricht mancher Anbieter seinen Kunden plus der Auswahl unter prämierten Fondsprodukten.

Das Kleingedruckte nicht vergessen

Die Renditestärke des Fonds, gepaart mit der Sicherheit und Konstanz eines zinstragenden Kontos - ist das nicht wahre Stärke durch Einigkeit? Von jedem Investment das Beste, was zusammen die beste aller Welten ergibt? Es kommt darauf an, denn leider haben die Konstrukteure dieser Angebote nicht nur die Stärken, sondern auch die Kosten der beiden Produkte in diesen Zusammenschluß eingebracht. Was der Anleger nämlich erst dem Kleingedruckten entnehmen kann: Für den Kauf der Fonds muß er natürlich den sogenannten Ausgabeaufschlag entrichten, der sich je nach Produkt zwischen 3 und 5 Prozent bewegt.

Damit wird die Rechnung auf einmal ein wenig unattraktiver: "Angenommen, der Anleger will 2000 Euro anlegen - 1000 wandern zu 6 Prozent für ein halbes Jahr auf das Festgeldkonto und 1000 in einen Aktienfonds mit einem Ausgabeaufschlag von 5 Prozent. Das macht auf ein halbes Jahr 30 Euro Zinsertrag minus 50 Euro Ausgabeaufschlag - unter dem Strich hat der Kunde dann 20 Euro für den Kauf des Fonds gezahlt", rechnet Christian Fischer von IO Capital Partners vor.

Noch kärglicher fällt die Rechnung aus, wenn man bedenkt, daß der Kunde die 2000 Euro alternativ auf einem Festgeldkonto hätte anlegen können. Das wären bei einem Zinssatz von 1,5 Prozent sagen wir einmal 15 Euro, die ihm da entgehen. Inklusive dieser Opportunitätskosten hätte man dann bereits 35 Euro für den Fonds gezahlt.

Die Steuer verschlechtert die Bilanz noch mehr

Doch die Fondsgesellschaften geben sich generös. So bieten einige zu diesem Kombi-Produkten eine Ermäßigung auf den Ausgabeaufschlag von bis zu 50 Prozent an. Also gut, was kostet der Spaß dann? Im obigen Beispiel sind das dann 15 Euro entgangene Zinserträge plus 25 Euro ermäßigter Ausgabeaufschlag, denen Zinserträge von 30 Euro gegenüberstehen. Summa summarum hat der Anleger jetzt nur noch fünf Euro für seinen Fonds bezahlt.

Doch so generös wiederum ist das auch nicht, wenn man bedenkt, daß viele Fonds bereits heute über das Internet oder auch von vielen Gesellschaften ohne Ausgabeaufschlag angeboten werden - auf Nachfrage funktioniert das auch oft sogar am Bankschalter. Wählt der Kunde einen Fonds, den er anderweitig ohne Ausgabeaufschlag erhalten würde, so kostet ihn das attraktive Kombi-Angebot fünf Euro, die er andernfalls gespart hätte - in Zeiten von Hartz IV und Geiz-ist-geil-Hysterie keine Petitesse.

Und es kommt noch dicker: "Der Zins, den Sie bei diesen Angeboten erhalten, ist voll steuerpflichtig - außerhalb des Freibetrages bleibt Ihnen dann noch weniger Geld übrig", sagt Fischer. Lediglich mit Blick auf die hohen Zinsen zu investieren, sei kein guter Ratschlag. Wer etwa den vollen Höchststeuersatz zahlen muß und keinen Wert auf die Steuerfahndung legt, muß dann von den 30 Euro Zinsertrag noch einmal fast 15 Euro an Kapitalertragsteuer zahlen - das macht dann 20 Euro, die der Fondskauf im Superzins-Kombi kostet.

Neue Produkte sind vor allem für die Fondsgesellschaften attraktiv

Völlig ausgeblendet ist bei diesen Berechnungen, welches Risikoprofil denn der jeweilige Anleger hat und was ihm sein Fonds eventuell bringen könnte. Wer die Ertragskraft des Fonds haben will und dazu bereit ist, auch ein entsprechendes Risiko einzugehen, muß sich fragen, ob er dann auch die Sicherheit des Festzinses dazu benötigt - vom Wiederanlagerisiko einmal ganz abgesehen. Und wer von der Sicherheit des Festzinses angelockt wird, muß sich fragen, ob er denn Willens ist, das Risiko zu tragen, das er mit der anderen Hälfte seines Anlagebetrags eingeht.

Weniger für die Investoren, vielmehr für die Fondsgesellschaften sind solche Produkte attraktiv: Mit dem hohen Zins lockt man neue Kunden an. Und wenn das halbe Jahr vorbei ist, hofft man, daß sich diese Kunden dann bei der nun anstehenden Neuanlage des Geldes vom Super-Zins-Konto vertrauensvoll zuerst an die Bank wenden, von der man ja die hohen Zinsen bekommen hat. Und nicht nur das: Selbst wenn die Banken den Ausgabeaufschlag voll an den Kunden abgeben, verdienen sie ja immer noch an der Verwaltungsvergütung - Neugeschäft schadet nie.

Ein näherer Blick auf die Superzins-Kombi-Rendite-Doppelpack-Produkte zeigt also, daß in Finanzdingen die wahren Vorteile solcher Zusammenschlüsse eher auf Seiten der Anbieter zu suchen sind. Solche Kuppelangebote macht man meistens, um ein teures Produkt im Huckepack mit einem anderen attraktiven Produkt zu verkaufen und die wahren Kosten dieser Konstruktion im Paketpreis zu verstecken. Wer einen Fonds will, suche sich unabhängig von Lockzinsen seinen Favoriten aus und feilsche um den Ausgabeaufschlag. Wer Festzinsen will, bescheide sich mit dem normalen Marktzins und ruhe sich auf der Sicherheit dieses Zinses aus. Auch bei diesen Produkten zeigt sich also, daß, wenn man alles will, man oft vieles bekommt, was man nicht will.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.12.2004, Nr. 286 / Seite 21
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