Der Fondsmarkt

Fonds handeln wie Aktien

EIN KOMMENTAR Von Hanno Beck
22.11.2004
, 20:19
Bei Fonds-X können Anleger eine ganze Palette populärer Fonds wie normale Aktien handeln. Das ist ein zeitlicher Vorteil gegenüber dem üblichen Verfahren. Der Kauf über die Börse rechnet sich aber nicht immer.
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Es gibt wohl nur wenige Dinge, die noch nicht an der Börse gehandelt wurden: Schweinebäuche, Orangensaftkonzentrat, Weizen, Tulpen, Internet-Aktien - was immer fungibel ist, findet früher oder später auch den Weg an die Börse. Wen wundert es da, daß auch Fonds, die von ihrer Grundkonzeption als eher langfristige Anlageprodukte gelten, auch auf dem Parkett gehandelt werden? Doch nicht nur die börsengehandelten Fonds, die sogenannten Exchange Traded Funds, kann der Anleger an der Börse erwerben. Wer ein wenig näher hinschaut, kann dort auch viele der klassischen Fonds kaufen, die man bisher eigentlich von den Fondsgesellschaften direkt bekam.

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Normalerweise werden die Preise für Fonds nur einmal am Tag gestellt - dann ermittelt die Fondsgesellschaft anhand des Wertes des Portfolios den Preis der Anteilswerte und nimmt Anteile zurück oder verkauft sie zu diesem Wert. Dieses Prozedere hat nun einen kleinen Nachteil: Wer als Anleger schnell reagieren will, muß immer auf diese Preisfeststellung warten. Passiert zwischen der vergangenen und der kommenden Preisfeststellung etwas Börsenrelevantes, so ist er zum Nichtstun verurteilt.

Daß dieser Zeitvorsprung relevant werden kann, zeigen die Vorgänge um das sogenannte Market Timing, das vor allem die amerikanische Fondsbranche noch vor wenigen Monaten beschäftigt hat. Damals nutzten Investoren diese Zeitfenster zwischen den Anteilspreisermittlungen geschickt aus, um auf diesem Weg frühzeitig auf Marktveränderungen zu reagieren, die sich erst mit Verspätung im offiziell ermittelten Anteilspreis des Fonds niederschlugen.

Populäre Fonds wie Aktien handeln

Diesem Mangel an zeitlicher Flexibilität will Fonds-X, ein Marktsegment an der Hamburger Börse, abhelfen. Dort können Anleger eine ganze Palette populärer Fonds wie normale Aktien handeln. Das bedeutet für den Anleger, daß er von morgens 9 Uhr bis abends 20 Uhr seine Fonds handeln kann - ein erheblicher Vorteil gegenüber dem "normalen Fondskauf", den man nur einmal am Tag abwickeln kann. Und wie an jeder Börse gibt es dort zwei Skontroführer, die Preise für die Fonds stellen, allerdings keine echten Market Maker sind, wie man sie von der Börse kennt. Anleger können dann ihre Fonds kaufen oder verkaufen, ohne an das zeitliche Korsett der täglichen Anteilspreisermittlung gebunden zu sein.

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Nun ist Flexibilität ja eine schöne Sache. Doch was kostet diese denn? Wenig, sagt Thomas Lederman, Vorstand der BÖAG Börsen AG, des Betreibers von Fonds-X. Der Clou an den börsengehandelten Fonds bestehe nämlich darin, daß man diese ohne Ausgabeaufschlag über die Börse erwerben könne. Daß die Fondsgesellschaften und vor allem deren Vertrieb das nicht gerne hören, liegt auf der Hand. Schließlich lebt der Vertrieb vor allem von ebenjenem Ausgabeaufschlag. Nun mögen viele Dinge ja umsonst sein, aber nur wenige kostenlos. Und die Dienstleistungen einer Börse zählen sicherlich nicht zu letzteren.

Wer an der Börse Fonds kaufen will, muß zum einen natürlich die üblichen Gebühren entrichten, die ihm seine Bank in Rechnung stellt, hinzu kommt die Maklercourtage. Ein weiterer wichtiger Kostenblock ist der sogenannte Spread, also die Differenz zwischen dem An- und Verkaufskurs. Der liegt bei den auf Fonds-X gehandelten Produkten zwischen einem und zweieinhalb Prozent und schwankt mit der Börsentagesform des Produktes. "Immobilienfonds haben den größten Spread, gefolgt von Aktien- und dann von Rentenfonds. Geldmarktfonds haben den geringsten Spread", erläutert Ledermann. In Beispielrechnungen belegt man bei Fonds-X die Vorteilhaftigkeit eines Kaufes bei Fonds-X gegenüber einem "normalen" Fondskauf.

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Kauf über die Börse rechnet sich nicht immer

Rechnet sich der Börsenkauf in jedem Fall? Nicht notwendigerweise, meint Ferdinand Haas vom Brokerpool BCA: "Sie dürfen nicht nur die Kosten beim Fondskauf berücksichtigen, sondern müssen auch die Kosten berücksichtigen, die beim Verkauf anfallen", meint er. Mit anderen Worten: Wer einen Vergleich zwischen dem normalen Kauf eines Fonds und dem Börsenkauf anstellt, muß im Grunde genommen die Kosten beim Kauf verdoppeln, da Bankgebühren, Courtage und Spread auch beim Verkauf zu Buche schlagen.

Damit wird der Preisvorsprung von Fonds-X schon deutlich geringer: Bei einem Spread von anderthalb Prozent ist man zuzüglich der Bankgebühren dann rasch bei drei bis dreieinhalb Prozent Kosten. Und je höher der Spread ist, um so teurer wird die Angelegenheit. Hinzu kommt noch der Umstand, daß viele Online-Banken Fonds mit reduziertem Ausgabeaufschlag oder sogar ohne Ausgabeaufschlag anbieten - dann wird der Fondskauf auf herkömmliche Art rasch günstiger.

"Anleger sollen sich nicht vom Wegfall des Ausgabeaufschlags täuschen lassen, da hier andere Kosten anfallen; und zudem hängt der Spread als wichtigste Komponente der Kosten stark von der Angebots- und Nachfragesituation ab - das macht die Kosten für den Anleger schwer kalkulierbar", sagt Tilo Marotz vom Finanzdienstleister Fondsconsult. Unter dem Strich sei der Börsenhandel von Fonds unter Berücksichtigung aller Alternativen des Fondskaufs in der Mehrzahl der Fälle unvorteilhaft, lautet sein Fazit. Daß auch Geldmarktfonds börsengehandelt angeboten werden, irritiert Marotz: "Gute Geldmarktfonds haben keinen beziehungsweise nur einen sehr geringen Ausgabeaufschlag - warum sollte man diese über die Börse kaufen, wenn dabei nur zusätzliche Kosten entstehen?" hinterfragt er.

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Für kurzfristige Spekulation sind Exchange Traded Funds gefragter

Haas hat noch einen weiteren Kritikpunkt: "Wenn Sie Ihre Fonds auf einem fondsfähigen Depot wie beispielsweise bei der Fondsservicebank, E-Base oder der DWS Fondsplattform halten, dann können Sie in der Regel mit sehr geringen Kosten zwischen einzelnen Fonds wechseln. Im Börsenhandel zahlen Sie jedesmal die vollen Gebühren und den vollen Spread." Und wer sein Depot bei der Fondsgesellschaft hat, kann in der Regel zumindest zwischen den einzelnen hauseigenen Produkten kostenlos wechseln.

Bleibt aber noch der Vorteil einer kurzfristigen Reaktion auf ungewöhnliche Ereignisse - wieviel sollte das dem Fondskunden wert sein? "Unsere Kunden sind aktive, gut informierte Anleger, die das schätzen", sagt BÖAG-Vorstand Hans Heinrich Peters. Das kann sicherlich für Investoren Sinn machen, wobei sich die Fondsbranche natürlich dagegen wehrt, daß ihre Produkte für eine kurzfristige Finanzjonglage empfohlen werden - aber das muß den Anleger nicht stören.

Allerdings lehrt die Erfahrung, daß viele Anleger, die mit Fonds kurzfristig spekulieren wollen, eher zu den ebenfalls börsengehandelten Exchange Traded Funds oder zu Zertifikaten greifen - eine nicht unerhebliche Konkurrenz für die börsengehandelten Fonds. Aber diese Konkurrenz sollte man entspannt sehen: Schließlich sind es die Konkurrenten, die dafür sorgen, daß man sich nicht auf die faule Haut legt.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.2004, Nr. 274 / Seite 21
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