Derivate

Bonus-Zertifikate lohnen nur im Korridor

02.06.2005
, 16:30
Bonus-Zertifikate locken mit der Überrendite gegenüber dem Aktien-Investment. Doch wer diese realisieren will, muß gut zielen können.

Bonus-Zertifikate machen einen attraktiven Eindruck. Voll vom Kurs der Aktie oder des Index profitieren, aber gegen Verluste abgesichert sein. Was könnte es besseres geben als eine eierlegende Wollmilchsau? Allein der Teufel steckt im Detail.

Die Konstruktion eines Bonus-Zertifkats ist einfach. Liegt der Kurs des Basiswerts, auf das sich das Zertifikat bezieht, am Ende der Laufzeit über der Barriere, aber unter dem Bonuskurs erhält der Anleger als Rückzahlung neben dem Nominalwert des Zertifikats zusätzlich eines vorher festgelegten Bonus. Beispiel: Unterschreitet der Kurs der Daimler-Chrysler-Aktie bis zum 1. Februar 2008 nicht den Kurs von 26 Euro, liegt aber an diesem Tag unter 47 Euro, so erhalten die Inhaber des von der Commerzbank emittierten Bonus-Zertifikats (ISIN: DE000CB8JNN4) 58 Euro ausbezahlt. Aktuell bedeutet das eine jährliche Überrendite von 11,6 Prozent und entspricht in etwa der Gesamtrendite des Zertifikats bezogen auf den Zeichnungspreis, die sich auf durchschnittlich 11,3 Prozent beläuft. Liegt der Kurs dagegen über 58 Euro, erhält der Anleger eine entsprechende Anzahl von Aktien geliefert.

Der Haken ist die Barriere

Dies gilt auch in dem Fall, daß die Barriere unterschritten wird. Das ist der Haken bei der Sache. Sobald die Barriere auch nur ein einziges Mal während der Laufzeit im Verlauf irgendeines beliebigen Handelstages unterschritten wird, ist der Bonus zerstört und das Zertifikat gleicht der Aktie. Das kann schnell gehen. Wenig Freude hatten die Anleger zum Beispiel an den im März emittierten Bonus-Zertifikaten auf ThyssenKrupp, die die BNP Paribas Anfang März emittierte, als die Aktie ihr Zwölf-Monatshoch erreicht hatte. Am 18. April durchbrach das bis 2007 (ISIN: DE000BNP4C80) per Schlußkurs und am 13. Mai das bis 2008 laufende Zertifikat (ISIN: DE000BNP4DB7) die Barriere nach unten.

Bild: BNP Paribas

Der Anleger ist somit in einer schwachen Position bei der Verteidigung des Bonus. Während für die Bank eine Fülle von Kursen ausschlaggebend ist, muß der Anleger auf einen günstige Kursentwicklung in der Zukunft warten. Auch kann die Bank als Market Maker theoretisch ihre Position dazu mißbrauchen, an schwachen Tagen den Kurs der Aktie einen Tick unter die Barriere zu treiben. Das kostet sie im Zweifelsfall weniger als die Ausbezahlung eines Bonus. Je mehr sich das Bonus-Zertifikat für den Anleger rechnet (also dann, wenn sich der Aktienkurs der Schwelle nähert), desto mehr rechnet es sich für die Bank, denselben auszutricksen. Honny soit qui mal y pense.

Kein Risiko-Vorteil

Das Risiko, den Bonus zu verlieren, hängt daher von der Volatilität des Basiswerts und der (Rest-)Laufzeit des Zertifikats ab. Daher tendiert der Kurs von Zertifikaten mit kurzer Restlaufzeit auch gegen den Bonuskurs. Beispiel: Das Daimler-Chrysler-Zertifikat der Landesbank Berlin, das am 8. Juli fällig wird (ISIN: DE0001475747). Es notiert bei 37,56 Euro, 12 Cents unter dem Bonuskurs der Aktie, aber 4,30 Euro über dem aktuellen Kurs der Aktie. Die Rendite des Zertifikats beläuft sich auf gerade einmal 0,3 Prozent.

Lohnt es sich, in Bonus-Zertifikate anstatt in Aktien zu investieren? Die Konstruktion bietet gegenüber dem Direkt-Investment in den Basiswert letztlich keinen Risiko-Vorteil. Es verhindert letztlich nur die Verluste, die für den Anleger weniger schmerzlich wären, nämlich die moderaten. Für die mögliche Überrendite und die theoretische Chance, Verluste in Gewinne zu wandeln, zahlt der Anleger mit dem Risiko eines Verlusts des Bonus' durch nur zeitweiliges Durchbrechen der Barriere einen hohen Preis.

Und einen Rendite-Nachteil hat das Zertifikat gegenüber der Aktie auch. Alle Dividenden und sonstigen Ausschüttungen werden von der Emissionsbank vereinnahmt. Ansonsten würde sich das Produkt nicht rechnen oder müßte mit niedrigeren Boni auskommen. Der Anleger verzichtet also bei der Zertifikat-Anlage auf einen Teil der Rendite zugunsten des möglichen Bonus. Im Grunde lautet also die entscheidende Frage: Wird die Aktie inklusive aller Dividenden während der Zertifikatslaufzeit ertragreicher sein als der Rückzahlungsbetrag? Dann lohnt sich das Zertifikat für den Anleger gegenüber der Aktie nicht.

Nicht übersehen: Dividendenverzicht

Das ist eben nur der Fall, wenn das Zertifikat am Stichtag den Zielkorridor zwischen Barriere und Rückzahlungsbetrag abzüglich aller Dividendenzahlungen trifft - und selbstverständlich während der gesamten Laufzeit nicht ein einziges Mal unter die Barriere fällt. Ob dies der Fall ist, muß jedem selbst überlassen zu bleiben zu entscheiden. Ein Rechenbeispiel als Entscheidungshilfe:

Der Allianz-Aktie schloß am 30. Mai bei 95,26 Euro. Am gleichen Tag emittierte die Commerzbank ein Bonuszertifikat zum Preis von 95,10 Euro mit einem Bonuslevel von 110 Euro, einer Bewertungsschwelle von 72 Euro und einer Laufzeit bis zum 31. Juli 2008 (ISIN: DE000CB52788). Auf Basis zukünftiger Schätzungen betragen die Dividendenzahlungen rund 6,50 Euro. Der Kurs der Commerzbank-Aktie muß also am 31. Juli 2008 zwischen 72 Euro und 103,50 Euro liegen, damit sich das Zertifikat gegenüber der Aktie lohnt. Und wie gesagt: Der Kurs darf nicht...aber das hatten wir schon.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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