FAZ.NET-Spezial Börsenzyklen

Wie Kurszyklen und saisonale Kursmuster die Börsen bewegen

29.11.2005
, 17:31
Die Finanzmärkte sind voller Phänomene. Eines davon ist die Existenz von häufig nach einem gleichen Strickmuster ablaufenden Kursverläufen. Dieses FAZ.NET-Spezial zeigt, was sich dahinter verbirgt und wie Anleger davon profitieren können.
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Immer wieder auftretende Kursmuster haben etwas Faszinierendes. Vermitteln sie doch den Eindruck, als ob sich die Kurse an der Börse zumindest in manchen Fällen doch vorhersagen lassen. Und in der Tat erhöht die sogenannte Saisonalität die Wahrscheinlichkeit einer Kursbewegung. Sie gehört damit zu den wenigen statistisch überprüfbaren Handelsansätzen.

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Deshalb verwundert es nicht, daß sich viele Anleger dieses Phänomen zunutze machen wollen und sich über den Einsatz saisonaler Kursmuster eine bessere Performance versprechen. Doch ganz so einfach ist das Geld verdienen auch mit dieser Strategie nicht. Es gibt vieles, Was bei saisonalen Kursmustern zu beachten ist und Auch das Handeln saisonaler Kursmuster will erst gelernt sein.

Aufpeppen lassen sich die eigenen Kenntnisse wie immer am besten mit Hilfe von Beispielen aus der Praxis. Am leichtesten nachzuvollziehen dürften dabei praktisch für Jedermann die jahreszeitlichen Schwankungen der Energiepreise sein. Wegen der hohen Abhängigkeit der Preise von den Temperaturen lässt sich getrost folgende Behauptung aufstellen: Heizölpreis: Klassiker unter den saisonalen Kursverläufen

Weniger einsichtig ist dagegen auf den ersten Blick, wieso auch die Preise von Edelmetallen bestimmten zeitlichen Mustern folgen sollten. Aber die Erfahrung zeigt, Auch Gold weist überraschend ein saisonales Preismuster auf.

Weitaus bekannter ist verglichen damit die Bedeutung, welche die Politik auf die Kursfindung hat. An der Wall Street konnten die Zusammenhänge schon eindrucksvoll nachgewiesen werden, so daß getrost behauptet werden kann, Der Wahlzyklus hat auf den Dow Jones einen signifikanten Einfluß.

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Das vermutlich populärste saisonale Kursmuster dürfte das an der Börse zu beobachtende Phänomen sein, daß die Aktienkurse zum Jahreswechsel sehr häufig zulegen. Und wie der Blick auf die Historie bestätigt: An der Jahresendrally ist mehr dran als nur Gerede.

Auch in diesem Jahr rechnen wieder viele Marktteilnehmer mit einer Jahresendrally. Aber auch aus einem anderen Grund, stehen die Chancen auf steigende Kurse speziell in Amerika gut. Denn Auch 2005 dürfte im Dow Jones das 5er-Phänomen zuschlagen. Zumindest dann nicht, wenn sich das Phänomen auch 2005 wieder einstellt, wonach Jahre mit der Ziffer fünf am Ende traditionell gut abschneiden.

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Allerdings ist auch auf saisonale Kursmuster nicht immer Verlaß. So gibt es immer wieder Ausreißerjahre oder ein Sonderfaktor setzt die normalerweise wirkenden Mechanismen außer Kraft. Die typische Dollar-Schwäche am Jahresende könnte 2005 ausfallen, weil ein steuerlicher Sondereffekt die amerikanische Währung noch bis Jahresende stützt.

Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel. Institutionelle Anleger jedenfalls lassen sich deswegen ganz offensichtlich nicht in ihrem Glauben an saisonale Kursmuster beirren. Das läßt sich auch daran ablesen, daß auf diesem Phänomen aufbauende Anlageprodukte aufgelegt werden, so daß festgehalten werden darf: Zertifikate ermöglichen Wetten auf saisonale Kursmuster.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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