Finanzmarkt

Osteuropa-Aktienfonds verzeichnen Rekordzuflüsse

15.04.2004
, 19:16
Aktienfonds mit dem Anlageschwerpunkt Osteuropa erfreuen sich kurz vor dem Beitritt von acht Ländern aus dieser Region zur Europäischen Union einer erstaunlichen Beliebtheit.
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Aktienfonds mit dem Anlageschwerpunkt Osteuropa erfreuen sich kurz vor dem Beitritt von acht Ländern aus dieser Region zur Europäischen Union einer erstaunlichen Beliebtheit. Deutsche Anbieter verzeichneten in den ersten beiden Monaten dieses Jahres Rekordzuflüsse in den entsprechenden Publikumsfonds. Insgesamt wurden nach Angaben des Branchenverbandes BVI 191 Millionen Euro an neuem Geld bei den Anlegern eingesammelt.

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Damit flossen den Osteuropa-Aktienfonds der deutschen Fondsgesellschaften im Januar und Februar mehr Mittel zu als in den drei Vorjahren zusammen. International gesehen bietet sich ein ähnliches Bild: Nach Angaben des Datenanbieters Emergingportfolio verbuchten Osteuropa-Aktienfonds in diesem Jahr bislang einen Nettomittelzufluß von insgesamt 1,9 Milliarden Dollar. Das übersteige den bisherigen Rekordwert von 1,5 Milliarden Dollar aus dem Jahr 1997.

„Zunehmender Risikoappetit“

Als Grund für diese enorm gestiegenen Absatzzahlen nennt der zuständige Produktmanager beim deutschen Marktführer DWS, Andreas Gummich, zwei entscheidende Faktoren. Zum einen würden die bevorstehende EU-Erweiterung Anfang Mai und die damit verbundenen Wachstumsaussichten spätestens mit der zunehmenden Berichterstattung in den Medien seit dem vergangenen Herbst von den Privatanlegern stärker wahrgenommen. Zum anderen hinterlasse das starke Momentum auf dem russischen Aktienmarkt mit Zuwächsen von mittlerweile rund 30 Prozent beim wichtigsten russischen Aktienindex seit Jahresanfang allmählich Wirkung. "Wir spüren einen zunehmenden Risikoappetit bei den Anlegern", sagt Gummich. Die auf osteuropäische Aktien spezialisierten Fonds würden von diesem Trend überdurchschnittlich profitieren.

Stefan Böttcher von der auf die osteuropäischen Finanzmärkte spezialisierten britischen Fondsgesellschaft Charlemagne Capital führt die starken Zuflüsse vor allem auf Umschichtungen aus anderen, derzeit stagnierenden Aktienmärkten zurück. Die großen institutionellen deutschen Anleger seien aus seiner Sicht schon vor der jüngsten Welle auf den osteuropäischen Märkten relativ gut positioniert gewesen. Die deutschen Privatanleger würden diese Bewegung jetzt nachvollziehen. Allerdings befürchtet er, daß den Märkten im weiteren Jahresverlauf allmählich die Luft ausgeht. "Das meiste haben wir für dieses Jahr schon gesehen", lautet seine Einschätzung.

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Signifikanter Favoritenwechsel

39 Prozent des frischen Anlagekapitals seien nach Angaben von Emergingportfolio auf den russischen Aktienmarkt geflossen. Polen komme auf einen Anteil von 18 Prozent, Ungarn auf 15 Prozent und Tschechien auf 11 Prozent. Der Rest verteile sich auf die baltischen Staaten und die Türkei. Die Zuflüsse in die Osteuropa-Fonds schlugen sich unmittelbar in Kursaufschlägen an den Börsen in der Region nieder. Insgesamt gesehen verzeichnen seit Jahresbeginn die Standardwerteindizes der künftigen EU-Mitglieder Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowenien, Tschechien und Ungarn Zuwächse von 10 Prozent und mehr. Lediglich am slowakischen Aktienmarkt mit einem Plus von 3 Prozent geht die Wachstumsspekulation derzeit vorbei.

Im Gegensatz zu den Aktienfonds flaut das Geschäft mit Rentenfonds, die auf die Anlage in osteuropäische Anleihen und dabei insbesondere auf Titel der Konvergenzländer spezialisiert sich, allmählich ab. Genaue Zahlen gibt es zwar nicht, weil in den gängigen Fondsstatistiken diese Anlageklasse nicht als eigene Rubrik geführt wird. Jedoch sei der Favoritenwechsel nach Angaben von DWS-Produktmanager Gummich signifikant.

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Quelle: sfu. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.04.2004, Nr. 89 / Seite 21
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