Finanzmarkt

Schwellenländer wechseln bald auf die Überholspur

13.10.2003
, 17:30
Viele Anleger sind auf die westlichen Finanzmärkte fixiert. Die Schwellenländer bieten aber langfristig bessere Chancen. Nach einer Goldman Sachs-Studie wird China bald Deutschland an Wirtschaftskraft überbieten.

Immer wieder gibt es schöne Beispielrechnungen, die zeigen, daß Aktien langfristig eine bessere Rendite erbringen als andere Anlageformen. Nicht selten werden dabei aber Fakten ausgeblendet, die solche Aussagen relativieren können. Zum Beispiel die, daß mit dem Dax bis Mitte der 80-er-Jahre kein Blumentopf zu gewinnen war. Oder die, daß sich der Dow Jones zwischen 1960 und 1980 seitwärts bewegte. Oder die, daß der Nikkei sich mehr als ein Jahrzehnt in einem Abwärtstrend befand.

Auch mögliche Strukturbrüche werden nicht einkalkuliert. Etwa die Frage, was denn passieren wird, wenn die Bevölkerung immer älter wird, mit zunehmendem Alter „entspart“ und dabei ihre Aktienbestände auf den Markt wirft. Dort trifft das zunehmende Angebot auf eine Nachfrage, die immer schwächer wird, da die jüngere Generation nicht nur zahlenmäßig immer geringer wird, sondern gleichzeitig auch Sonderlasten schultern muß. Sie muß auf Grund des Umlageverfahrens nicht nur die ältere Generation „aushalten“, sondern gleichzeitig privat für sich selbst vorsorgen und auch noch die Schulden bedienen, auf deren Basis es die ältere Generation sich auf Kosten der Zukunft hat gut gehen lassen. Das ist längerfristig keine sonderlich ermutigende Aussicht.

Hohe Wachstumsmöglichkeiten in den Schwellenländern ...

„Die nachlassende Nachfrage nach Aktien aus dem Inland wird ausgeglichen aus dem Ausland, da dort die Bevölkerung schnell wächst,“ lautet eines der Gegenargumente. Die gehen allerdings vom Status Quo aus. Wer sagt aber, daß sich Anleger in China, Indien, Thailand, Rußland, Brasilien oder anderen rasch wachsenden Ländern für die Aktien westlicher Unternehmen interessieren, die nur noch relativ zaghaft wachsen können? Werden sie das Augenmerk nicht viel eher auf die eigenen Unternehmen richten, die deutlich mehr Wachstumspotential haben?

Bild: Bloomberg

Glaubt man einer Langfrist-Studie von Goldman Sachs, so wird das möglicherweise passieren. „Wenn die BRIC-Staaten - damit sind die jetzigen Schwellenländer Brasilien, Rußland, Indien und China gemeint - eine gesunde Politik verfolgen, dann werden sie in weniger als 40 Jahren in Dollar gerechnet zusammen ein höheres Sozialprodukt erwirtschaften, als die G6-Staaten,“ lautet die Kernaussage. China kann Deutschland sogar innerhalb der nächsten vier Jahre überholen. Indien dürfte das höchste Wachstumspotential haben von etwa fünf Prozent jährlich in den kommenden 30 Jahren. Im Jahr 2010 wird die Gesamtnachfrage aus den BRIC-Staaten schneller wachsen, als die in den G6-Staaten. Im Jahr 2030 könnte sie doppelt und im Jahr 2050 sogar vierfach so schnell zunehmen.

Voraussetzung ist allerdings eine gesunde Wirtschaftspolitik, die zu stabilen Bedingungen mit niedriger Inflation, gesunden Öffentlichen Finanzen und vernünftiger Wechselkurspolitik führt. Wichtig sind dafür auch starke und stabile politische Institutionen und Verhältnisse. Das wird nur dann möglich sein und zu deutlichem Wachstum führen, wenn das Bildungsniveau hoch ist. Und selbst dann wird es noch Hemmnisse geben, wenn die Länder gesellschaftlich und wirtschaftlich nicht offen sind, etwa für den Zufluß dringend benötigten Kapitals.

... führt zu interessanten Gelegenheiten für Anleger

Damit ist aus Sicht von Anlegern ein entscheidender Punkt erreicht. Denn hohes Wachstum muß auch finanziert werden. So ist damit zu rechnen, daß unter optimalen Umständen immer mehr Unternehmen in den BRIC-Staaten den Kapitalmarkt anzapfen werden. Sei es in Form von Börsengängen oder der Emission von Unternehmensanleihen. Da hohes Wachstum zu deutlich steigenden Gewinnen führen wird, dürften Anleger unter einigermaßen stabilen Bedingungen stark an solchen Papieren interessiert sein, da sie interessanter aussehen, als die „reifer westlicher Unternehmen“. Auf diese Art und Weise könnte wahr werden, was „Gurus“ wie etwa Mark Faber schon vor Jahren prognostiziert haben: „Der Zeitpunkt ist absehbar, wann etwa eine Börse wie Shanghai eine größere Marktkapitalisierung haben wird, als die Wall Street.“

Ausländische Anleger werden nicht nur von der Dynamik der Unternehmen in diesen Regionen profitieren, sondern auch von der Aufwertung der Währungen. Auf Grund der zunehmenden Produktivität werden sich die Währungen mehr an die internationalen Kaufkraftparitäten annähern. Auf dieser Basis hat der brasilianische Real nach den Berechnungen von Goldman Sachs ein langfristiges Aufwertungspotential von 130 Prozent, der russische Rubel von mehr als 200 Prozent und die indische Rupie und der chinesische Renmimbi von knapp 300 Prozent. Sollten diese Prognosen auch nur annähernd eintreffen, sind die Emerging Markets für Anleger die ultimativen Wertpapiermärkte der Zukunft. Die heimischen Märkte sind dagegen eher mit Vorsicht zu betrachten.

Quelle: @cri
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